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Süße Verlockung

Die Bundesregierung fordert weniger Naschereien an Ladenkassen. Bischofswerdas Eltern würde es sehr freuen.

© dpa

Von Carolin Menz

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Daniela Schabani geht am liebsten allein einkaufen. Ohne Kinder. Denn es ist immer dasselbe: Ihr Kleinster quengelt an der Kasse. Will Kaugummis. Die größten und teuersten in der bunten Plastikdose. Vehement kämpft er dafür. Zur Not mit Tränen, aufstampfenden Füßen und mächtig Theater in der Warteschlange. „Ich gebe dann sehr oft nach, man schämt sich ja auch, wenn die Leute gucken. Das kostet mich schon Nerven“, sagt die dreifache Mutter aus Bischofswerda. Obwohl sie nicht nachgeben will, tut sie‘s doch. Daniela Schabani findet den neuen Vorstoß der schwarz-roten Koalition deshalb spitze, wonach der Handel künftig „quengelfreie“ Kassen schaffen soll. Kinder sollen nicht mehr so stark verführt werden zu Süßem. Ein Impuls für gesunde Ernährung.

Ein kleiner Rundgang der SZ am vergangenen Freitag und gestrigen Montag beweist: In jedem Bischofswerdaer Einkaufsmarkt gibt es Kassen mit Süßigkeiten in meist kleinen Abpackungen. Eben zum schnellen Zugreifen. Mal mehr, mal weniger leicht für kleine Hände. „Bei Rewe kommt man nicht drumrum“, sagt Daniela Schabani. An den Stirnseiten aller Kassen liegen die Verlockungen in kinderfreundlicher Höhe: Schokoriegel, Kaugummis, Kaubonbons, Lollis, Überraschungseier. Und derzeit reduzierte Weihnachtsschokolade. Wer zur Kasse fährt, muss zwangsläufig vorbei. „Zwischen den Kassen aber verzichten wir bewusst auf Nascherei“, sagt der dritte Marktleiter bei Rewe-XL, Matthias Esche. In den Kästen liegt Saisonware, wie Tees und Suppen oder auch Batterien. Einzig an der hintersten Kasse gibt es auch direkt am Warenband Nascherei. „Bislang haben wir von Rewe noch kein Signal bekommen, dass sich an dieser Anordnung der Waren etwas ändern soll“, sagt Marktleiterin Hannelore Blechschmidt. Wie und wo Waren angeordnet werden, sei vorgegeben. „Sicher wären naschfreie Kassen schön. An sich gibt es aber überall Verlockungen für Kinder in Geschäften“, sagt Mama Anna Neumann, die gerade einkauft bei Rewe. Töchterchen Sophia ist zwei Jahre alt. Bunte Verpackungen ziehen sie magisch an – nicht nur an der Kasse. „Ich sage sehr oft nein, meist akzeptiert sie das auch“, so Anna Lehmann. Sie möchte nicht, dass ihre Tochter zu viel Zucker isst und lernt, dass sie ihren Willen nicht immer bekommt. Und wenn Sophias Papa nicht so oft ausscheren würde vom Prinzip, würde das auch sehr gut klappen.

Aus dem großen Süßigkeitenregal im Rewe-Supermarkt schnappt sich Sophia eine Tüte Kinderkekse. Klein und handlich und ohne Schokolade. Anna Neumann nickt. Die sind genehmigt. Quengelgefahr an Kasse gebannt – und auf Gängen. Auch dort stehen Angebotskörbe mit Naschereien zum spontanen Mitnehmen.

Daniela Schabani muss für ihre große Familie oft und viel einkaufen und ist schon längst zur Expertin geworden, in welchen Läden Bischofswerdas die Quengelgefahr am geringsten ist. „Bei Lidl und Aldi ist das mit den Süßigkeiten insgesamt besser gelöst, da nehm‘ ich die Kinder eher mit.“ Da ist was dran. Bei Lidl ist das meterlange Süßwarenregal mit Bonbons, Keksen, Gummitieren, Kaugummis, Kaubonbons und Schokoladen in allen Formen zwar gleich das erste nach der Eingangstür – doch hat man das mit Kind bewältigt, stößt man kaum mehr auf Naschereien im Discounter. Mal abgesehen von Keksen und Russisch Brot im Kassenbereich gibt‘s nur an einer Kasse direkt Süßes zu holen: Kaugummis, Tic Tac‘s, Schokoeier. Allerdings sind sie oberhalb des Warenbandes angeordnet. Kinder kommen allein nicht ran. Ganz Kleine dürften es nicht einmal sehen können von unten. Wie praktisch. Süßem an der Kasse ausweichen, geht bei Lidl.

Auch bei Aldi in Schiebock sind die Kassen nicht überladen mit Kalorienbomben. Bunte Tüten mit Softgummitieren liegen da, Plastikfiguren gefüllt mit Schokolinsen und reduzierte Weihnachtsmannhohlkörper – prinzipiell prima greifbar für Kinder. Doch Eltern, die den Überblick von etwas weiter oben haben, können diesen Verlockungen ganz gut ausweichen. Für Kinder dürften diese Naschereien nicht auf den ersten Blick zu sehen sein. Zwischen den Kassen bei Aldi liegt nichts Süßes. Auch hier Praktisches, wie beispielsweise Batterien. Wohl eher Verlockung für Eltern.

Letzte Station der schwarze „Hunde“-Netto. An den Kassen Süßigkeiten – die Vielfalt aber überschaubar. Gewiss ausreichend, damit Kinder diesen bettelnden Hundeblick bekommen. Für Eltern bedrohlicher sind hier eher die Angebotskörbe mit allerlei Buntem fürs Kind. Aktuell gibt‘s Faschingsaccessoires und Bücher.

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