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Süßes her, sonst gibt es Saures

Bräuche. Nächste Woche ist Halloween. Die Grusellaune im Elbland scheint jedoch gedämpft

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Von Franziska Repkow

Wenn die Turmuhr in der Nacht von Dienstag zu Mittwoch zwölf schlägt, beginnt Halloween. Der Brauch, der hinter diesem Fest steckt, ist alt und stammt einer verbreiteten Erklärung nach von den Kelten. Die irischen Druiden begingen vom 31. Oktober zum 1. November das Neujahrsfest Samhain und den Beginn der dunklen Jahreszeit.

Gruselartikel sind Ladenhüter

In dieser Nacht feierten sie auch die Rückkehr der Seelen der Verstorbenen. Um die Toten zu besänftigen, stellte man ihnen Leckerbissen hin. Im Elbland hält sich die Lust an Schauderfesten jedoch in Grenzen. Zwar bietet der Handel auch hierzulande allerlei Gruseliges an: Gummifratzen mit langen Zähnen, Draculakostüme und selbstklebende Fleischwunden sind nur eine Auswahl der Schrecklichkeiten. „Die Nachfrage an Halloweenartikeln ist aber nicht überwältigend“, gesteht eine Verkäuferin eines Radebeuler Einkaufsmarktes. Ähnlich sieht es im Blumengeschäft „Blumen und Meer“ aus: „Die Kürbisse bei uns sind nur Dekoration“, sagt Verkäuferin Mandy Kaden.

Noch nie etwas von Halloween gehört hat Frührentner Bernd Hornuf: „Ich habe da gar keinen Bezug dazu“, sagt er. Auch Ursula Lindner hat nicht viel mit Gruselfeiern am Hut. „Die Kürbisgesichter gefallen mir schon eher“, sagt die Rentnerin. Durch einen USA-Aufenthalt kennt Krankenschwester Dana Raab dagegen Halloween sehr gut. Sie wird am Dienstag zusammen mit Freunden Kürbisse schnitzen und Kürbissuppe essen. Mit Drohungen im Gepäck werden Phillip und Dominique Latusek an den Türen der Nachbarschaft klingeln. „Wir setzen unsere Masken auf und rufen dann ‚Süßes oder Saures!‘“, erklärt der neunjährige Phillip. Bruder Dominique ergänzt stolz: „Letztes Jahr haben wir eine ganze Tüte voller Süßigkeiten von den Leuten bekommen.“ Saures im Sinne von Streichen gäbe es für Unwillige jedoch nicht, versichern die Geschwister. Sie kennen Halloween aus dem Fernsehen.

Gruselfeiern sind rar

Außer den um Naschereien bettelnden Spukgeistern und einigen privaten Feten scheint Halloween in der Region jedoch kaum beachtet zu werden. Die wenigen Feiern, die es gibt, richten sich vor allem an Kinder und Jugendliche. Pfarrer Christof Heinze findet die Vermarktung von Halloween gerade für die Jüngsten bedenklich. Dennoch sei er dafür, gelassen zu bleiben und die religiöse Bildungsarbeit zu verstärken. Schließlich habe Martin Luther bewusst an diesem Tag seine Thesen an die Wittenberger Schlosskirche geschlagen.