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Dresden

Super-Gullys gegen Krach am Wasaplatz

Eingebrochene Schachtdeckel ärgern Anwohner und Kraftfahrer. Mit einer neuen Lösung ist es damit vorbei. 

Am Wasaplatz werden Super-Gullys eingesetzt.
Am Wasaplatz werden Super-Gullys eingesetzt. © René Meinig

Daniel Kalweit freut sich für die Anwohner des Strehlener Wasaplatzes. Die Zeit der klappernden Gullydeckel wird für sie bald vorbei sein. Denn im Zuge des Baus des über einen Kilometer langen Abschnitts der Stadtbahntrasse 2020 zwischen Wasa- und Tiergartenstraße werden auch die neuen Super-Gullys gegen Straßenkrach eingebaut. Für die ist Kalweit bei der Stadtentwässerung zuständig. Der 38-jährige Abwassertechniker kümmert sich um die Sanierung der Schachtabdeckungen von Kanälen, die im Volksmund Gully heißen. Davon gibt es 45.000 in Dresden.

Doch viele davon gehen immer wieder kaputt, da es sich um die klassische Variante handelt. Mit ihrem geraden Rahmen liegen sie auf dem Mörtelbett der Betonschächte Donnern Laster oder schwere Autos darüber, bricht der Unterbau aus und der der Gully sackt ab, erklärt Kalweit. Dann donnert der Verkehr im wahrsten Sinne des Wortes an den Häusern vorbei, sodass im Extremfall die Gläser in den Schrankwänden wackeln. Das kann Anwohnern den Schlaf rauben.

„Auf stark befahrenen Straßen müssten deshalb die alten Gullys alle sechs Jahre erneuert werden“, nennt er die Konsequenz.

Kalweit hat eine erfolgreiche Gegenstrategie entwickelt und dabei auf ein 120 Jahre altes bewährtes System gesetzt – die Dresdner Schachtabdeckungen aus hochwertigem Guss. Von denen gibt es noch 10.000 in der Stadt. Der Vorteil: Sie mussten noch nie saniert werden. „Die konische Rahmenform ist sehr gut“, verweist er auf den großen Vorteil. Kalweit war 2008 auf die Idee gekommen, nach dem Vorbild neue Gullys bauen zu lassen.

Durch eine entsprechende Konstruktion mit Schrauben wird die Mörtelfuge auf dem Abwasserschacht entlastet, „Wir geben für so eine Abdeckung zwar 100 bis 200 Euro mehr aus“, sagt er. Doch sie halten auch mindestens 25 Jahre. Mittlerweile hat die Stadtentwässerung auf stark befahrenen Straßen schon 1 000 dieser Supergullys eingebaut, darunter am Terrrassenufer, auf der Wiener Straße oder auf der Meißner Landstraße in Stetzsch. Während der fünfjährigen Gewährleistungsfrist gab es nicht an einem einzigen Super-Gully einen Mangel gegeben. „Dort, wo sie drin sind, ist Ruhe.“ Und so setzt die Stadtentwässerung auch beim Straßenausbau im Zuge der Stadtbahn 2020 auf die bewährte Technik. Dort und auf den zuvor sanierten Umleitungsstrecken sind 72 Super-Gullys eingebaut worden.

Am Wasaplatz sind gerade mehrere fertiggestellt worden, als die SZ mit Kalweit vor Ort ist. Er hebt mit Straßenbauer Lutz Lehmann noch den Deckel auf einen fertigen Gully. Der 52-Jährige von der Dresdner Firma Strabag hat sich zum Super-Gully-Spezialisten entwickelt. Hunderte davon hat er bereits eingebaut. „Das ist der Mann mit den goldenen Händen. Davon gibt es nicht viele“, lobt Kalweit den Pillnitzer. Er habe ein besonderes Händchen für diesen Gullytyp entwickelt. „Da gibt es keine Mängel“, lobt Auftraggeber Kalweit.

Lehmann erklärt, dass es deshalb bei jedem Schritt auf Genauigkeit ankommt. Das reiche von der genauen Wassermenge beim Mischen des Mörtels bis hin zum ordentlichen Rühren, dass sämtliche Klumpen verschwinden. Ist der Einbau aufgrund von nötigen Ausgleichsschichten, damit der Gully höher kommt, schwierig, könne die Arbeit schon mal dreieinhalb Stunden dauern. Flutscht es hingegen gut, ist das binnen einer Stunde geschafft. „Hier am Wasaplatz ist das aber kein Problem“, sagt Gullyspezialist Lehmann. „Wir freuen uns aber immer wieder, wenn es wir den Einbau gut schaffen.“

Die Arbeiten an diesem Stadtbahntrassen-Abschnitt gehen dem Ende entgegen. Am 6. Juli sollen dort die Straßenbahnen wieder rollen. Doch für Daniel Kalweit und seine Gullyspezialisten geht die Arbeit weiter. Denn noch immer gibt es in Dresden noch immer genügend Anwohner, die von abgesackten Lärmgullys genervt werden. Dass mitunter nicht schneller gehandelt werde, sei kein böser Wille. Denn zuvor sind viele Abstimmungen zu Verkehrssperrungen nötig, von denen eine schon mal 30 000 Euro kosten kann. „Da ist noch nicht eine Schachtabdeckung saniert.“

Jetzt sollen auch die schwierigsten Baustellen mit abgesackten Gullys in Angriff genommen werden. Als Beispiele führt Kalweit die Grund- und die Bergstraße an. Begonnen haben vor wenigen Tagen Arbeiten an der Bürgerstraße. Dieses Jahr werden uner anderem auch noch Super-Gullys an der Zentralhaltestelle Kesselsdorfer Straße, am Ullersdorfer Platz und an Teilen der Hansastraße eingebaut. Spätestens in acht Jahren sollen alle Hauptstraßen- und -plätze die Super-Gullys haben.