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Görlitz

Super-Stau: Darum griff die Polizei nicht ein

Viele Kilometer lang staute sich der Verkehr am Sonntag - von Niesky bis Kodersdorf. Genügend Polizisten für eine manuelle Regelung hätte es gegeben, sagt der Polizeisprecher.

Viele Kilometer lang staute sich der Verkehr am vergangenen Sonntag auf. Das hätte in diesem Ausmaß nicht sein müssen.
Viele Kilometer lang staute sich der Verkehr am vergangenen Sonntag auf. Das hätte in diesem Ausmaß nicht sein müssen. © SZ-Archiv / Rolf Ullmann

Am vergangenen Sonntag war offensichtlich, dass sich nach der Sperrung des Autobahntunnels auf der Umleitungsstrecke Richtung Westen ein kilometerlanger Rückstau entwickelte, von der Ampel an der Jänkendorfer Kreuzung in Niesky zurück bis nach Kodersdorf und folgend auch auf der Autobahn bis zur Abfahrt Kodersdorf. Ursache war, dass die Tunnelbetriebsstelle in Dresden schlichtweg vergessen hatte, die Nieskyer Ampel auf Umleitungsbetrieb umzuschalten, der Linksabbiegerspur mehr Zeit pro Ampelphase einzuräumen. Warum die Polizei den Verkehr an dieser Kreuzung nicht per Hand regulierte und was bei der nächsten Tunnelsperrung aus Sicht der Polizei besser werden könnte, sagt Philipp Marko, Pressesprecher der Polizeidirektion Görlitz.

Herr Marko, hätte die Polizei am Sonntag nicht mit einer Handregelung auf der Kreuzung in Niesky helfen können?

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Ich muss zunächst sagen, dass am Wochenende beim Landesamt bedauerlicherweise ein Versehen geschehen ist, das nicht in unserer Hand lag und das den Stau mitverursacht oder verstärkt hat. Das Umschalten dieser Ampel auf den Staumodus ist nicht geschehen.

Philipp Marko (25) ist seit 2019 Pressesprecher der Polizeidirektion Görlitz.
Philipp Marko (25) ist seit 2019 Pressesprecher der Polizeidirektion Görlitz. © Polizei

Der Stau war ja aber nun da, unübersehbar groß. Auch wenn die Ursache dafür nicht auf dem Tisch der Polizei lag, hätte sie dann nicht eingreifen können, im Sinne der Autofahrer sollen?

Die Polizei kann jederzeit regelnd in den Verkehr eingreifen Aber es besteht die Frage: Was erreicht man mit einer solchen manuellen Regelung? Eventuell einen flüssigeren Verkehr, aber man nimmt dafür in Kauf, dass eine Situation, von der keine konkrete Gefahr ausgeht, ein bisschen diffuser wird. Wenn man an so einer Kreuzung mit so vielen Fahrzeugen per Hand regelt, vergrößert man die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Schäden kommt.

Warum? Es ist doch ganz klar geregelt, dass die Handzeichen des Polizisten ausschlaggebend sind und auch Vorrang vor den Ampelzeichen haben.

Aus unserer Sicht ist es so, dass eine solche Situation zu einer erhöhten Gefahr führt. Wenn ich an eine Ampel komme, bleibe ich bei Rot stehen. Bei einer manuellen Regelung der Kreuzung ist die Lage viel diffuser. Deshalb wird eine manuelle Regelung auch nur verwandt, wenn zum Beispiel die Ampel ausgefallen wäre in Verbindung mit einem immensen Verkehrsaufkommen. Wenn die Ampel den Verkehr aber reguliert, laufen wir wenigstens nicht Gefahr, dass es aufgrund von Unaufmerksamkeit zu Schäden kommt. Die Polizei vermeidet es daher, eine manuelle Regelung vorzunehmen. Eine solche ist zudem völlig unüblich, solange die Ampel funktioniert. Vorstellbare Situationen sind ein Unfall auf der Kreuzung oder wenn sich eine Gefahrenlage beim Rückstau ergibt.

Ist die Polizei für solche Sonderaufgaben mit genügend Personal ausgestattet, und war sie es auch am Sonntag?

Das ist am Wochenende falsch angeklungen. Natürlich haben wir genügend Personal, um zu gewährleisten, dass der Verkehr geregelt werden kann, sollte es notwendig sein. Das kann prinzipiell jeder Polizist, wobei die psychische Belastung groß ist und es speziell geschulte Polizisten gibt.

Was wird bei der nächsten Sperrung des Autobahntunnels anders?

Ein derartiger Fehler sollte sich natürlich nicht wiederholen. Wichtig aus unserer Sicht ist aber auch, dass wir die Kommunikation verbessern, um schneller auf einen Fehler reagieren zu können.

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