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Super-Wasserspeicher für wachsende Stadt

Dresdens ältester Trinkwasser-Hochbehälter wird durch einen riesigen Neubau ersetzt. Was das für Dresden bringt.

An der Fischhausstraße wird ein neuer Trinkwasser-Hochbehälter gebaut. Im Hintergrund wird die Decke der ersten Wasserkammer betoniert.
An der Fischhausstraße wird ein neuer Trinkwasser-Hochbehälter gebaut. Im Hintergrund wird die Decke der ersten Wasserkammer betoniert. © Foto: Drewag Netz

Schon über drei Jahre lang ist der Drewag-Standort am Fischhausgelände eine Großbaustelle. Die Drewag investiert mehr als 13 Millionen Euro, um eine noch leistungsfähigere Trinkwasserversorgung für das rechtselbische Stadtgebiet auszubauen. Dort wird ein neuer großer Hochbehälter gebaut. Derzeit dröhnen in regelmäßigem Rhythmus große Betonpumpen. Projektleiter Martin Kayser ist zufrieden, dass die Arbeiten trotz der Coronakrise so zügig vorangehen.

Der Auftakt: Ältester Hochbehälter abgerissen

Da sich die Stadtwerke für die Zukunft der Trinkwasserversorgung rüsten, musste Dresdens ältester zentraler Hochbehälter den Abbruchbaggern weichen, um Platz für einen Neubau zu schaffen. 1875 fertiggestellt, bekam er in 161 Metern Höhe sein Wasser aus der Saloppe, dem ersten zentralen Wasserwerk der Stadt. Der Hochbehälter Saloppe hatte schon Schäden. Deshalb wurde er ab März 2017 binnen eines Jahres abgerissen.

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Dennoch werden große Teile der Dresdner Neustadt vom Fischhausgelände, dem Dreh- und Angelpunkt der rechtselbischen Wasserversorgung, weiter beliefert. Dafür sorgt der benachbarte, fünf Meter höher liegende Hochbehälter Hosterwitz. Seit 1908 dient er als Speicher für das Wasserwerk am östlichen Stadtrand. An Spitzentagen werden bis zu 70 000 Kubikmeter Trinkwasser verteilt.

Der Neubau: Trotz Coronakrise ziehen Arbeiter durch

Für den neuen Hochbehälter werden zwei Wasserkammern gebaut. Nach den Abrissarbeiten wurde im Mai 2019 mit den Arbeiten an der ersten und einer Vierteljahr später an der zweiten Kammer begonnen. Ihr Bau ist schon weit fortgeschritten, erläutert Kayser.

Zudem steht der Rohbau des Technikgebäudes, das in der Fachsprache Schieberhaus, heißt. In dem werden alle Mess- und Bedienelemente untergebracht. Dazu zählen unter anderem über einen Meter hohe Rohre, Absperr-Armaturen und Druckmesser. Durch dieses Gebäude wird künftig auch der Zugang zu den Wasserkammern möglich. Im Gegensatz zu den alten Speichern können die Wassertechniker durch Scheiben künftig nachsehen, ob es Verunreinigungen gibt. Das soll einmal wöchentlich geschehen.

Eine Metallbaufirma hat bereits die stählernen Treppen und Podeste installiert. „In der vergangenen Woche wurden die Fußböden betoniert“, erklärt der 34-jährige Projektleiter. Sie haben ein Gefälle, sodass Wasser, das bei künftigen Wartungsarbeiten oder Entleerungen austritt, gut abfließen kann.

„Trotz der Corona-Pandemie liegen wir im Zeitplan“, sagt Kayser. Zwar gab es einige Fliesenleger, die wegen der nötigen Kinderbetreuung zu Hause bleiben mussten. Doch dafür wurden andere Arbeiten vorgezogen. So habe es keinerlei Unterbrechungen des Baus gegeben.

Ein Blick ins Technikgebäude. Eingebaut sind in dem Schieberhaus unter anderem schon die feuerverzinkten Treppen und Podeste.
Ein Blick ins Technikgebäude. Eingebaut sind in dem Schieberhaus unter anderem schon die feuerverzinkten Treppen und Podeste. © Foto: Drewag Netz

Die Großaktionen: 140 Betonfuhren rollen an einem Tag an

Sehr aufwendig ist der Bau der Wasserkammern. Eine besondere Großaktion konnte erst vor gut zwei Wochen abgeschlossen werden, berichtet der Projektleiter. Am 28. April wurde die Deckenplatte der ersten Wasserkammer betoniert, die etwa 2.000 Quadratmeter groß ist. Deshalb rollten Transportbetonfahrzeuge ab dem frühen Morgen zehn Stunden lang an. Mit 140 Fuhren brachten sie rund 2.500 Tonnen Beton aus Mischwerken heran.

Allerdings musste eine tragende Konstruktion in die künftige Wasserkammer eingebaut werden, bis der Beton die nötige Festigkeit hat. Deshalb wurden 140 stählerne Gerüsttürme eingebaut. Diese gesamte Tragkonstruktion wiegt 200 Tonnen. Erst Ende Mai können die Gerüste abgebaut werden.

Beim Betonieren der zweiten Wasserkammer wird wieder so ein Aufwand nötig sein. Ist die nötige Technik in den Wasserkammern und dem Schieberhaus abgeschlossen, folgt ab Dezember dieses Jahres die weitere Verlegung der nötigen Rohre im Außengelände,

Hier wird die Decke der ersten Wasserkammer betoniert. Im hintergrund ist der alte Hochbehälter Hosterwitz zu sehen.
Hier wird die Decke der ersten Wasserkammer betoniert. Im hintergrund ist der alte Hochbehälter Hosterwitz zu sehen. © Foto: Drewag Netz

Die Inbetriebnahme: Dichtheit wird genau geprüft

Ab Februar nächsten Jahres wird der neue Hochbehälter schrittweise in Betrieb genommen. Sind die Rohre und Wasserkammern gründlich gereinigt und desinfiziert, werden sie befüllt.

Dabei müssen die Dichtheit der jeweils 9.400 Kubikmeter fassenden Wasserkammern, die Hygiene und die gesamte Technik überprüft werden. „Dabei wird sowohl die manuelle und automatisierte Steuerung vor Ort als auch die Übermittlung der Daten an die zentrale Leitwarte der Drewag Netz getestet“, erläutert der Projektleiter. Proben werden im Trinkwasserlabor getestet.

„Nach der Freigabe durch das Labor wird die Versorgung Zug um Zug auf den neuen Behälter umgestellt und der Probebetrieb beginnt“, erläutert Kayser. Wird er wie geplant bis Mai kommenden Jahres erfolgreich beendet, hat der alte Hochbehälter Hosterwitz ausgedient.

Der Vorteil: Auch an heißen Tagen immer genug Wasser

Mit einem Fassungsvermögen von 18.800 Kubikmetern hat der neue Speicher über 3.000 Kubikmeter Volumen mehr als der alte. Der neue Behälter wird auch fünf Meter tiefer liegen. Ein enormer Vorteil. Damit ist er genauso hoch wie Dresdens größter Wasserspeicher Räcknitz auf der anderen Elbseite. So wird eine bessere Verbindung zwischen dem rechts- und dem linkselbischen Trinkwassernetz möglich.

Dazu gehören ein 2.400 Kilometer langes Leitungssystem sowie 31 Hochbehälter und 30 Pumpwerke. Dass dieses Netz gut funktioniert, ist dringend nötig. Dresden wächst und damit auch der Wasserverbrauch. Seit 2011 ist er je Bewohner und Tag von 96 auf 101 Liter leicht gestiegen. Stark zugenommen hat auch die Zahl der Tage, an denen mit über 130.000 Kubikmetern sehr viel verbraucht wird.

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