merken
PLUS Görlitz

Sushi im Grenzbereich

Gaststätten in Görlitz liefern jetzt Mittagessen nach Hause oder ins Büro. Wenn in Polen zubereitet wird, ist das allerdings noch ein bisschen komplizierter.

Jörg Daubner steht in seiner Küche in der Obermühle. Rund 80 Portionen lässt er täglich ausliefern.
Jörg Daubner steht in seiner Küche in der Obermühle. Rund 80 Portionen lässt er täglich ausliefern. © Nikolai Schmidt

Ja, es funktioniert. Bringt zwar nicht die schnelle Mark in die Kasse. Aber doch etwas.  Jörg Daubner ist zufrieden. Die Obermühle in Görlitz liefert.  So um die 80 Portionen Mittagessen hat das Restaurant jetzt täglich unter das hungrige Stadtvolk gebracht. "Die Zahl ist schnell angewachsen. Und wir haben fix losgelegt", sagt der Chef des Hauses.

Mittagessen in Zeiten von Corona, kein einfaches Geschäft, für jene, die arbeiten dürfen, nicht zu Hause in Quarantäne sitzen. Kneipen sind dicht, Fleischereien,  zum Beispiel am Demianiplatz, bieten Vollwertkost zum Mitnehmen an. Das ist lecker, finanziell machbar, völlig o. k.

Anzeige
Charlie Cunningham eintrittsfrei erleben!
Charlie Cunningham eintrittsfrei erleben!

Der Palais Sommer 2021 findet statt – mit deiner Unterstützung!

Gaststätten haben sich angepasst, auch wenn sie zu sind. "Schnell adaptiert", kommentiert der Chef der Obermühle. Auch wenn es die laufenden Kosten nicht reinbringt, er steht selbst am Herd und bereitet zu. Ins City-Center zur SZ geht da auch schon manche Portion.

"Verrückte Zeiten", kommentiert Artur die Lage. Er liefert ebenfalls aus, allerdings für das Sushi-Haus. Zwei Restaurants betreibt dessen polnischer Chef in Görlitz. Artur darf gerne mit der SZ reden, lässt er ausrichten. Darüber, wie in diesen Tagen das Geschäft mit der japanischen Fisch-Leckerei in Görlitz läuft. Kompliziert ist das vor allem. 

Roher Fisch wird am Zaun übergeben

Artur möchte nicht wirklich über "seine" Regierung meckern, aber ein bisschen schon. "Ich bin Pole, ich darf das", sagt er. Die geschlossene Grenze, sie regt ihn wirklich auf.  Auf der Autobahn rollen Laster, aber der rohe Fisch, er muss an der Grenze stoppen. "Unsere Köche arbeiten in Polen", sagt Artur. Man könne sie ja nicht ständig zwei Wochen in Quarantäne schicken. Bei ihm kann man bestellen, die Handynummer funktioniert einwandfrei. Aber es gibt sie eben, die Polen-Deutschland-Sushi-Grenze.  Praktisch sieht es nun so aus:  Bestellung bei Artur über eine deutsche Nummer, Artur bestellt in Polen, polnische Kollegen bringen Fisch an die Grenze, Chef holt den am Grenzaun ab. Irre? Schon ein bisschen, findet Artur. "Es gibt eine Spezialerlaubnis", sagt er.  

Artur bittet die Görlitzer Sushi-Freunde um Verständnis. "Am besten ein bisschen früher als gewohnt bestellen", sagt er. Denn ganz so einfach ist die Lieferkette mit Grenzzaun dann doch nicht zu beherrschen. Es sei ein ganz schöner Aufwand. "Aber wir machen es gern", sagt Artur. Sein Chef lässt ausrichten, dass er die Lokale in Görlitz auf jeden Fall behalten möchte. "Irgendwann wird es auch wieder besser", sagt Artur. Nur wann, das ist eben die Frage.

So oder so: Eine SZ-Umfrage ergab, dass Lieferanten über Ostern mit verstärkten Auslieferungszahlen rechnen. Grund sind eben die geschlossenen Gaststätten und die damit verbundenen nicht vorhandenen Möglichkeiten, mit der Familie gesellig Essen zu gehen.

Weitere Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Weitere Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Weitere Nachrichten aus Zittau lesen Sie hier.

Weitere Nachrichten aus Löbau lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz