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Tabuthema Firmennachfolge

So wie Dörte Wagner von der "Büroklammer" sind über 200 Zittauer Unternehmer mindestens 58 Jahre alt. Viele schieben die Suche vor sich her.

Die Zittauer Einzelhändlerin Dörte Wagner ist eine von vielen Unternehmern, die einen Nachfolger suchen.
Die Zittauer Einzelhändlerin Dörte Wagner ist eine von vielen Unternehmern, die einen Nachfolger suchen. © Foto: Matthias Weber

Ihren Laden abzugeben, fällt Dörte Wagner nicht leicht. Ist er doch ihr "Baby". 2004 hatte sie die "Büroklammer" in Zittau eröffnet, zu dem Zeitpunkt war sie bereits 50 und hatte eine lange Berufskarriere bei der Konsum-Verwaltung und der Oberlausitzer Wirtschaftsakademie hinter sich. Es sei ein Wagnis gewesen, in dem Alter noch mal einen Laden aus dem Boden zu stampfen. Sie übernahm damals kein bestehendes Geschäft, sondern musste die "Büroklammer" erst mal etablieren. Dies muss ihr potenzieller Nachfolger nicht mehr tun - der Laden für Bürobedarf mit Kopierservice und Internetplätzen hat sich einen Stand in Zittau und eine Stammkundschaft aufgebaut.

Leichter ist die Arbeit deshalb nicht geworden. Es sei aufwendig, das Sortiment so anzubieten, wie es die Kunden im Laden vorfinden, erklärt sie. Sie lässt sich nicht vom Großhandel beliefern, sondern arbeitet mit über 80 Firmen im Direktbezug zusammen.

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Trotz aller Herausforderungen habe sie jeden Tag Freude an der Arbeit. Und dennoch weiß sie auch, dass sie ihr "Baby" irgendwann loslassen muss. Im März wird die Olbersdorferin 67. Da ist es Zeit, an eine Übergabe zu denken. Seit dem Sommer macht sie sich Gedanken, wie die Nachfolge geregelt werden kann. Sie ist dabei nicht den traditionellen Weg über eine Zeitungsannonce gegangen. Durch Zufall hätten sich vielmehr Gespräche mit potenziellen Nachfolgern ergeben. Vor allem mit einem Interessenten gestalten sich die Gespräche sehr vielversprechend.

Unternehmer, die wie Dörte Wagner einen Nachfolger suchen, können sich von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden beraten lassen. Am 4. November bietet die Kammer wieder ein Seminar mit dem Titel "Aus Alt macht Neu - Existenz gründen und Nachfolge finden". Die Veranstaltung richtet sich sowohl an Nachfolgesuchende wie auch an potenzielle Gründer, weil auch eine Nachfolgeregelung eine Form der Gründung darstellen kann, erklärt Stefanie Kast, Mitarbeiterin der IHK-Geschäftsstelle in Zittau. 

Die IHK bietet schon seit einiger Zeit regelmäßig Veranstaltungen zur Nachfolgeregelung an - weil auch der Bedarf dafür da ist, wie die aktuellen Zahlen zeigen. Allein in Zittau sind 228 Einzelunternehmer bereits älter als 58 Jahre, davon 57 Einzelhändler wie Dörte Wagner. Diese Zahl ist, wie IHK-Mitarbeiter Thomas Tamme erklärt, in den vergangenen Jahren relativ gleichbleibend gewesen, da viele Unternehmensgründer aus den 1990er Jahren nun das Rentenalter erreichen oder kurz davor stehen. 

Diese Unternehmer müssen selber was tun, um einen Nachfolger zu finden, sagt Tamme. Die Kammer kann nur Hilfestellung geben, aber nicht selber suchen. Vor allem nicht, wenn es bereits "fünf vor zwölf" ist - also wenn der Nachfolgesuchende das Rentenalter schon erreicht oder sogar überschritten hat. 

Mit der Klärung der Nachfolge sollte rechtzeitig begonnen werden, betont der IHK-Mitarbeiter. Denn es brauche drei bis fünf Jahre, um eine Nachfolge ordentlich über die Bühne zu bringen. Vielen sei nicht bewusst, dass eine Nachfolgeregelung genauso viel Arbeit bedeutet wie eine Unternehmensgründung, weist Tamme hin. Für viele Unternehmer ist die eigene Nachfolge fast ein Tabuthema. Sie schieben es vor sich her. Das Bewusstsein, die Nachfolge rechtzeitig und ordentlich zu regeln, sei unter den Unternehmern noch nicht so groß, findet Thomas Tamme.

Dörte Wagner hat zwar auch erst spät angefangen, sich Gedanken über einen möglichen Nachfolger zu machen. Dafür hat sie für die Übergabe schon gut vorgearbeitet. Und zu klären gibt es eine Menge: Welche Verträge gibt es, die der Nachfolger übernehmen müsste, was ist bei der Übergabe rechtlich zu beachten, was erwartet man selber von der Geschäftsübergabe. Wichtig ist für die Einzelhändlerin vor allem, dass ihre Mitarbeiter eine sichere Zukunft haben. Das sei das A und O, meint die 66-Jährige. 

Auch Thomas Tamme weiß, dass die Mitarbeiter motiviert werden müssen. Nichts wäre schlimmer, als wenn neben dem Chef auch die Mitarbeiter den Betrieb verlassen. "Die Kunden brauchen ein bekanntes Gesicht - gerade im Handel", findet Tamme. Die "Büroklammer" habe ein tolles Team, in dem jeder sein Bestes gibt, steht für Frau Wagner fest. Für einen Nachfolger wird der Anfang dennoch nicht einfach sein. Das weiß sie aus eigener Erfahrung. Sie musste nur ans Unternehmen denken und Privates zurückstellen. In den ersten Jahren war auch kein Urlaub drin, blickt sie zurück.

Bei der Nachfolgersuche setzt sie sich nicht unter Zeitdruck, sondern sucht so lange, bis der Richtige gefunden ist. Und führt so lange auch die "Büroklammer" weiter.

Anmelden für das IHK-Seminar kann man sich bis zum 1. November.

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