merken
PLUS

Freital

Tafel eröffnet neue Zweigstelle in Potschappel

Ein leerstehender Laden an der Dresdner Straße in Freital wird zur Ausgabestelle umgebaut. Dafür gibt es zwei Gründe.

Tafel-Chefin Karin Rauschenbach will in diesem Laden eine Zweigstelle eröffnen.
Tafel-Chefin Karin Rauschenbach will in diesem Laden eine Zweigstelle eröffnen. © Foto: Karl-Ludwig Oberthür

Noch sieht das Geschäft wenig einladend aus. Seit dem Auszug eines Friseurs vor einigen Jahren steht der Laden Am Markt 3, direkt an der Dresdner Straße in Freital-Potschappel, leer. Die Fenster sind schmutzig. Möbel gibt es noch keine. Karin Rauschenbach, die Chefin der Freitaler Tafel, ist trotzdem optimistisch, dass sich dieses Bild in etwas mehr als einer Woche ändern lässt. Am 16. Mai um 12 Uhr, so der Plan, will sie hier eine Zweigstelle der Freitaler Tafel eröffnen. „Das müssen wir schaffen“, sagt die 52-Jährige mit einem Lachen.

Im März 2015 hatte Rauschenbach die Freitaler Tafel gegründet – zunächst mit einem kleinen Laden auf der Gutenbergstraße. Nachdem im September 2015 zunächst eine Zweigstelle auf der Lessingstraße eröffnet wurde, folgte im November des Jahres der Umzug an die Dresdner Straße 248. Seitdem ist dies die einzige Ausgabestelle der Freitaler Tafel.

Rauf auf den Sattel

Fit unterwegs und immer auf der Suche nach etwas Sehenswertem? Auf unserer Themenwelt Fahrrad gibt es ganz viel zu entdecken!

Der Kundenstamm ist seitdem auf rund 1 450 Menschen angewachsen. 40 Mitarbeiter, darunter viele Ehrenamtler, sind für die Freitaler Tafel tätig. „Wir haben viele Kunden in Potschappel, die sich die Fahrtkosten zu uns in die Hauptstelle nicht leisten können“, sagt Rauschenbach. Außerdem gebe es viele ältere Menschen, für die der Weg nach Deuben einfach zu weit und deswegen nicht machbar sei. Die Tafelchefin will die neue Außenstelle außerdem nutzen, um weniger Lebensmittel, die sie von verschiedenen Supermärkten gespendet bekommt, wegschmeißen zu müssen. Die neue Zweigstelle soll immer dienstags und donnerstags von 12 bis 14 Uhr geöffnet sein – an diesen Tagen hat die Hauptfiliale an der Dresdner Straße 248 geschlossen.

Den Plan, eine Zweigstelle zu öffnen, geistert deshalb schon lange im Kopf von Tafelchefin herum. Claudia Mihaly-Anastasio, die den Friseursalon Bienenhof führt und früher Mieterin der Räume Am Markt 3 war, machte Rauschenbach auf die leerstehenden Räume aufmerksam. Lange Zeit scheiterte das Vorhaben am aufgerufenen Mietpreis des Eigentümers. Nun sind die Forderungen geringer und man wurde sich einig. Der Mietvertrag startet am 15. Mai.

Bis dahin will Rauschenbach den Laden zu einem kleinen Supermarkt umbauen. Auf Regalen und in einem Kühlschrank werden die Waren angeboten. Hier können sich die Bedürftigen frei bedienen. Daneben gibt es eine kleine Sitzecke, die als Café dienen soll. Im Prinzip, so erklärt Rauschenbach, soll es in der Zweigstelle das gleiche Angebot wie in der Hauptfiliale geben – nur auf eine Kleiderkammer müsse man wegen des begrenzten Platzangebots verzichten.

Einkaufen darf bei der Freitaler Tafel jeder, der maximal das Vierfache des Hartz-IV-Regelsatzes von 424 Euro zur Verfügung hat, erklärt Rauschenbach. Jede Ware kostet 32 Cent. Von den Einnahmen finanziert die Tafelchefin die Ladenmiete.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Wer darf bei der Freitaler Tafel einkaufen?

Tafelchefin Karin Rauschenbach sorgt mit ihrer Aussage zur Bedürftigkeitsgrenze für Verwunderung. 

Die Kritik, mit ihrem günstigen Angebot eine Nachfrage zu schaffen, die sonst von Supermärkten und Discountern abgedeckt werden könnte, weist Rauschenbach von sich. Die meisten ihrer Kunden seien Hartz-IV-Empfänger, Rentner oder Migranten. „Und von 424 Euro Hartz IV pro Monat bleibt nicht so viel übrig, dass man regelmäßig im Supermarkt einkaufen gehen könnte.“ Sie ist eine Verfechterin eines bedingungslosen Grundeinkommens von 2 000 Euro im Monat. Die Tafeln würden damit dann zwar überflüssig sein, so Rauschenbach. „Aber es ist doch eine Schande, dass es sie überhaupt geben muss.“

Für Informationen zwischendurch aufs Handy können Sie sich unter www.szlink.de/whatsapp-regio anmelden.

Und unseren ebenfalls kostenlosen täglichen Newsletter abonnieren Sie unter http://www.sz-link.de/freitalkompakt