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Tafelladen in Klotzsche vor dem Aus

Die bisher genutzten Räume am Göhrener Weg sollen saniert werden. 200 Klotzscher bangen deshalb um ihre Zukunft.

© steffen füssel, steffen fuessel

Von Kathrin Kupka-Hahn

Für Rolf und Barbara Pahlitzsch war am Dienstag schon Weihnachten. Mit Taschen voll frischem Obst und Gemüse, Tiefgefrorenem, Milchprodukten und Backwaren konnten sie den Tafelladen am Göhrener Weg 5 verlassen. Die Mahlzeiten für eine Woche sind gesichert. Dennoch ist die Stimmung der beiden Rentner alles andere als weihnachtlich. Denn der Laden in Klotzsche steht vor dem Aus. Die Eigentümerin, die Sächsische Wohnungsgenossenschaft Dresden (SWG), möchte die von der Dresdner Tafel genutzten Räume im Erdgeschoss des Plattenbaus sanieren. Ein neues Tafelquartier in Klotzsche und Umgebung ist momentan nicht in Sicht.

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Für Rolf und Barbara Pahlitzsch, die gleich um die Ecke in den Klotzscher Höfen wohnen, ist das eine echte Katastrophe. Die beiden 69-Jährigen müssen sich ab Januar einen neuen Tafelladen suchen. Der nächste liegt in Pieschen, in Mitte oder in der Friedrichstadt. „Dorthin müssen wir längere Wege und zusätzlich Fahrtkosten in Kauf nehmen“, erklärt Rolf Pahlitzsch. Dabei reichen die insgesamt 1 200 Euro Rente, die er und seine Frau monatlich haben, kaum zum Leben aus. „Für Miete, Versicherungen und Nebenkosten geht so viel Geld drauf, dass uns nur 200 Euro im Monat für Lebensmittel bleiben“, erklärt Barbara Pahlitzsch. Zudem ist ihr Mann Diabetiker und herzkrank, weshalb er nicht alles essen darf. „Früher gab es mal einen Zuschuss von der Krankenkasse“, sagt er. Jetzt können es sich die beiden nicht mehr leisten, frisches Obst und Gemüse im Supermarkt oder Discounter zu kaufen.

„Für das hier würden 20 Euro nicht reichen“, sagt Petra Reisig. Sie ist die Teamleiterin des Ladens in Klotzsche und seit elf Jahren für den Verein Dresdner Tafel tätig. Soeben hat sie ein Tablett voller Paprika, Äpfel, Weintrauben, Blumenkohl und weiterem Obst und Gemüse für das Rentnerpaar zusammengestellt. Lediglich 4,60 Euro Transportpauschale müssen die beiden für ihre Lebensmittel, das Obst und Gemüse bezahlen. „Es ist alles ordentlich und frisch“, lobt Rolf Palitzsch.

Das bestätigt auch eine junge Frau um die 30, die kurz darauf ihr Gemüsetablett verpackt. „Aber wählerisch darf man nicht sein“, sagt sie mit Blick auf einen Grünkohl. Sie wird einen Eintopf daraus zubereiten, denn den essen auch ihre Kinder. Ihren Namen möchte sie nicht nennen. „Ich will nicht, dass mein Chef aus der Zeitung erfährt, dass ich hier Lebensmittel holen muss.“ Auch sie macht sich Sorgen, wie sie ihre Familie versorgen soll, wenn es den Tafelladen nicht mehr geben wird. „Mein Mann und ich gehen arbeiten, trotzdem reicht das Geld vorne und hinten nicht“.

Diese Probleme kennt Klaus Richter zur Genüge. Er sitzt gemeinsam mit Heinz Geißler für die Linken im Klotzscher Ortsbeirat und kümmert sich schon seit geraumer Zeit um ein neues Quartier für den Tafelladen. „Wir finden einfach keine anderen Räume“, erzählt er. Sowohl von der katholischen Kirche als auch von der Verwaltung des Fontane-Centers gab es Absagen. „Obwohl dort jeweils Räume leer stehen“, so Richter. Die Enttäuschung darüber ist ihm regelrecht anzusehen.

Auch Edith Franke, die Vorsitzende der Dresdner Tafel, ist enttäuscht. „Der ursprünglich von der Wohnungsgenossenschaft zugesicherte Ersatz ist uns nicht gewährt worden“, sagt sie. Dennoch möchte sie den Standort in Klotzsche nicht aufgeben. Denn in diesem Stadtteil gebe es einfach zu viele Bedürftige. „Deshalb haben wir unseren Laden hier im April aufgemacht.“ Rund 60 Haushalte versorgen sich mit Lebensmitteln über den Tafelladen am Göhrener Weg. „Das sind summa summarum etwa 200 Bedürftige“, so Franke.

Bis neue Räume gefunden sind, denkt sie über Zwischenlösungen nach. So könnten die Lebensmittel am Göhrener Weg beispielsweise aus dem Lieferwagen heraus verteilt werden – aber nur, solange das Wetter mitspielt. Rolf Pahlitzsch hält das für eine gute Idee. „Dann bricht auch die Gemeinschaft, die sich hier aufgebaut hat, nicht auseinander.“