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Tag des Waldes mit Harvester und Biotopen

Sonnenschein streichelt die Baumgipfel. Auf dem Sportplatz Piskowitz begleitet er Sonnabendmorgen viele Forstleute beim Aufbau ihrer Stände. Von Bewirtschaftung, Pflege bis zur Nutzung – alles dreht sich...

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Von Andreas Kirschke

Sonnenschein streichelt die Baumgipfel. Auf dem Sportplatz Piskowitz begleitet er Sonnabendmorgen viele Forstleute beim Aufbau ihrer Stände. Von Bewirtschaftung, Pflege bis zur Nutzung – alles dreht sich beim Tag des Waldes um die „grüne Lunge“. Rund ein Viertel beträgt ihr Anteil im Durchschnitt in den Landkreisen Sachsens. Im Kreis Kamenz wächst sogar auf 38 Prozent der Gesamtfläche nur Wald. „Damit sind wir einer der waldreichsten Kreise im Freistaat“, begrüßt Steffen Domschke, stellvertretender Landrat, die Gäste.

Der Wald heute lebt nach seinen Worten nicht einfach. „Das größte Problem ist, dass die wirtschaftliche Nutzung zurückgeht.“ Eben darüber soll der Tag – organisiert vom Forstamt Kamenz – informieren. Etliche Privatwald-Besitzer zieht es hierher. Mit Harald Petrick, seit 24 Jahren Förster im Revier Piskowitz, geht es auf Exkursion. Er erläutert die wechselvolle Geschichte des etwa 2 600 Hektar großen Waldes. Von 1913-1925 prägte ihn die Kohleförderung. Später wurde er Reichswald, dann Staatswald, seit 1996 Treuhandwald. Heute teilen ihn sich 450 Besitzer und das Kloster St. Marienstern. „Der Wald musste sich stets der Gesellschaftsordnung unterordnen“, sagt Harald Petrick. „Ein gleichbleibender Eigentümer – das über Jahrzehnte – ist auf alle Fälle vorteilhaft.“

Unterwegs erklärt er den Harvester – eine Maschine zur Waldpflege. „Körperlich auf jeden Fall eine Erleichterung“, führt Thomas Mith von der Firma Bjarsch vor. „Bei der Bedienung jedoch muss man hellwach und mental voll auf der Höhe sein.“ Eine andere Station im Wald ist ein Biotop. Bei rund 150 Jahren liegt sein Alter. „Die Artenvielfalt ist erstaunlich“, meint Harald Petrick. Er ermutigt die Waldbesitzer, mit diesem „Gratisangebot“ positiv umzugehen. Ebenso mit dem Wertholz im Wald.

„Denken Sie, dass man bei der Waldbewirtschaftung reich wird?“ fragt der Revierförster in die Runde. Die Führung offenbart klar ein „Nein“. Sie zeigt die Verantwortung der Waldbesitzer. Sowohl bei der Pflege als auch beim Waldumbau. „Gelingt er in zwölf Jahren nicht, muss der Waldbesitzer die Fördermittel zurückzahlen“, betont der Förster. Mit ihm unterwegs ist Student Christian Arnold. Emsig hat er den Tag mit organisiert. Er hat Plakate geklebt, Wege vorbereitet. Die Führung bereichert auch ihn. „Ich lerne die Probleme der Waldbesitzer näher kennen“, sagt der Student von der Fachhochschule Schwarzburg. Das Revier Piskowitz, in dem sein Praktikum „Privatwald“ absolviert hat, liegt auch ihm am Herzen. Bis zu 50 Prozent Ausfall bei Jungpflanzen hat hier die Extremhitze von April bis August verursacht. „Allgemein gibt es einen Vitalitätsverlust. Die Bäume sind nicht mehr so reaktionskräftig“, erläutert er. Schädlinge haben leichtes Spiel.

2003 plagen die Bäume vor allem der Buchdrucker (bei Fichten) sowie der Große Waldgärtner (bei Kiefern). „Das Aufkommen von Schädlingen ist enorm. Bedingt auch durch den Sturm im Herbst letzten Jahres“, informiert Rainer Böhme, Förster im Revier Kamenz, an seinem Stand. Er demonstriert eine Lockstoff-Falle für Borkenkäfer. Auch eine Nonnenfalle. Die Beratung der Privatwald-Besitzer, so betont er, erfolgt stets kostenlos. „Sie hat nichts mit Bevormundung zu tun. Mir ist es wichtig zusammenzuarbeiten“, so der Förster.

Wissenslücken wollen auch Catherina Rust und Susanne Walter von der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt schließen. Heute erläutern sie Wuchsgebiete und Klimastufen. Anhand von Kartenmaterial und einfachen chemischen Analysen (ph-Wert, Kalkgehalt) können sich die Eigentümer informieren, welche Baumart sich für ihr Gebiet eignet. Catherina Rust erklärt die Probleme der Waldbesitzer ganz bildhaft. Sie sieht das Bild des verwilderten Gartens vor sich. „Man weiß erst mal nicht, wo man anfangen soll...“

Mit dem Boden – betonen die beiden. „Das Wissen darüber ist oft lückenhaft“, so Susanne Walter. Manch einer der Erwachsenen stellt Fragen. Die Kinder und Jugendlichen toben sich derweil beim Sägen, bei der Waldrallye und anderswo aus. Originelles entsteht am Bastelstand, den Anke Naumann und Ines Matko vom Forstamt betreuen. „Jeder denkt sich was anderes aus. Von Kastanien bis Pfaffenhütchen wird alles verarbeitet“, freut sich Ines Matko über die gelungenen Stücke. Roman Maibach, Oleg Schreider, Stanislaw Achrameew und Konstantin Donnerstag sind extra aus Kamenz gekommen - vom Haus der Begegnung, für das sie erst unlängst beim Bau des Spielplatzes eifrig mithalfen. Etwa bei den Hecken und beim Graben, wie Konstantin erzählt: „Das hier heute ist ein Dankeschön für uns.“