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Tag und Nacht für die Gemeinde da sein

Die evangelischen Kirchgemeinden von Bertsdorf, Jonsdorf, Lückendorf-Oybin und Olbersdorf haben einen neuen Pfarrer. Christian Mai ist seit dem 1. September zusammen mit einem zweiten Pfarrer für die Gemeinden verantwortlich. Die SZ stellt ihn einmal genauer vor.

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Von Falk Hofer

Die Wohnung im Obergeschoss des Jonsdorfer Pfarramtes ist noch ziemlich leer. Hier und da stehen ein paar Kisten und dort ein paar Tische. Im Amtszimmer drängen sich unzählige Bücher in großen Regalen. „Ein Pfarrer liest eben viel“, sagt Christian Mai. Der 32-Jährige ist seit Anfang September der neue Hausherr im Pfarramt Jonsdorf.

Sein Weg dorthin begann in Dresden. Hier wurde er 1971 geboren. Die Eltern waren evangelisch und nahmen ihn oft in die Vespern der Kreuzkirche mit. Er besuchte den Konfirmanden-Unterricht und wurde im Alter von 16 Jahren getauft. Sein Abitur machte er in der altehrwürdigen Kreuzschule.

Während des Zivildienstes in einem Pflegeheim wurde Christian Mai klar, was er mit seinem Leben anfangen will. „Ich dachte mir, ein Theologiestudium wäre was für mich.“ Bei seiner Arbeit mit kranken, alten Menschen und den Angehörigen habe er die Kraft des Glaubens erkannt. Damals konnte er sich vorstellen, irgendwann Pfarrer zu sein. „Eine innere Stimme hat mir das gesagt, ich fühlte mich sozusagen dazu berufen“, erzählt Christian Mai.

Zwölf Semester hat er schließlich studiert, in Leipzig und im hessischen Marburg. 1997 hatte er sein erstes theologisches Examen in der Tasche. Danach war er vier Jahre Doktorand an der Leipziger Universität. In der gut 500-seitigen Promotion befasste er sich mit der kirchlichen Kunst in Sachsen zwischen 1919 und 1945. Für die Recherche war er damals schon einmal in Jonsdorf. Seinen Doktor erhielt er schließlich mit der Note „summa cum laude“ (mit höchster Auszeichnung). „Da war ich ganz schön überrascht“, sagt Christian Mai.

Der universitären Ausbildung folgte die praktische – das Vikariat. Anfang 2003 beantragte er beim Landeskirchenamt eine Pfarrstelle in der Oberlausitz. Ein halbes Jahr später kam die Zusage. Der designierte Pfarrer hatte einen Monat Zeit, die nötigen Umzugsformalitäten zu regeln, und die Gemeinde konnte noch schnell die Pfarrwohnung renovieren. Mit Erfolg: „Ich fühle mich wohl hier. Der Empfang war herzlich und der erste Monat gut.“

Mittlerweile steckt Christian Mai voll und ganz im Tagesgeschäft eines Pfarrers. Dazu gehören neben den sonntäglichen Gottesdiensten auch Hausbesuche bei Gemeindemitgliedern oder der Konfirmandenunterricht dazu. „Geregelte Arbeitszeiten gibt es nicht. Jeder Tag verläuft anders.“ Einen normalen Feierabend kennt Christian Mai nicht. Für die Gemeinde und ihre Mitglieder müsse er immer da sein, wenn nötig auch nachts. Besonders dann sei es wichtig, das Pfarramt nicht als Beruf, sondern als Berufung zu verstehen. Mindestens drei Jahre ist Christian Mai im Jonsdorfer Pfarramt zu Hause. Dann endet seine Probezeit. Aber: „Ich würde gern länger hier bleiben“, sagt er.

Zum privaten Glück fehlt ihm nur noch seine zukünftige Frau Claudia. „Wir heiraten am 11. Oktober in der Jonsdorfer Kirche.“ Ende November zieht die spätere theologische Referentin des Archivs der Brüderunität Herrnhut dann ins Jonsdorfer Pfarramt ein. Und mit ihr die bisher fehlenden Möbel.