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Ein Kraft-Ort gegen Kinder-Ängste

Die Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Großschweidnitz ist modernisiert worden. Für diese Probleme der Kleinen sind die Ärzte nun gerüstet.

Staatssekretärin Dagmar Neukirch (rechts) vom Sozialministerium besichtigte jetzt die sanierte Tagesklinik.
Staatssekretärin Dagmar Neukirch (rechts) vom Sozialministerium besichtigte jetzt die sanierte Tagesklinik. © Fachkrankenhaus

Fröhlich schnatternd laufen die Kinder durch den grünen Klinikpark. Den Vormittag durften sie heute mit Filmegucken verbringen, jetzt geht es zurück in "ihr" Gebäude auf dem Krankenhausgelände in Großschweidnitz - es ist Mittagessenszeit. Das Essen gibt es für die Mädchen und Jungen jetzt in besonders schönem Ambiente: ein geräumiger Speiseraum mit großer Terrasse und Blick ins Grüne. 

Das ganze Haus 37 - die Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie im Krankenhaus Großschweidnitz - ist saniert worden. Es liegt ganz am Ende des Klinikparks, direkt dahinter grasen Ponys und weitere Tiere tummeln sich in einem kleinen Streichelzoo.

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Nach acht Jahren Bauzeit konnte die Tagesklinik jetzt im Juli endlich wieder in ihr angestammtes Gebäude einziehen. Eine Delegation des Sächsischen Sozialministeriums unter Staatssekretärin Dagmar Neukirch sah sich jetzt den sanierten Klinikbau an. Das Krankenhaus Großschweidnitz ist eine Einrichtung des Freistaats, Sachsen also auch der Geldgeber.  Insgesamt belaufen sich die Baukosten am Ende auf rund 3,3 Millionen Euro und sind damit um rund 700.000 Euro höher, als veranschlagt. Das liegt an der aktuellen Konjunktur im Baugewerbe, heißt es vom Klinikum. In den letzten zwei bis drei Jahren hätten sich die Baupreise deutlich gesteigert.  

Besonderes historisches Element erhalten

Die Bauphase war eine turbulente Zeit, wie Ingeborg Gebert erzählt. Die Psychologin leitet die Tagesklinik. Der Umbau zog sich hin - wie bei einem so alten, historischen Gebäude nicht ungewöhnlich, gab es etliche Herausforderungen. Immerhin ist der Bau wie das gesamte Areal über 100 Jahre alt. So stellte sich heraus, dass das Fundament nicht stabil genug war, es musste verstärkt werden - eine aufwendige Angelegenheit.

Eine große Herausforderung war auch die historische Treppe ins Obergeschoss. Sie ist aus Holz - und damit eigentlich für ein modernes Klinikgebäude überhaupt nicht geeignet, vor allem in Sachen Brandschutz und Sicherheit. "Aber irgendwie gehört sie auch zu diesem alten Haus und verleiht ihm einen besonderen Charme", findet Ingeborg Gebert. Denkmalschutz und Architekt haben sich durchgesetzt - die Treppe durfte bleiben. Damit sie den Sicherheitsanforderungen entspricht, ist sie mit einem stabilen Stahlnetz gesichert worden. Das ist fest mit der Decke verankert, so kann auch nichts passieren, wenn mal ein Kind dagegen stürzt. Insgesamt wurde das Haus komplett saniert, trockengelegt, sämtliche Medien erneuert. 

Kinder mit Ängsten und Verhaltensstörungen

Inzwischen hat die Tagesklinik ihr angestammtes Domizil wieder beziehen können. Hier hat sie jetzt sogar mehr Platz zur Verfügung als zuvor. Denn vor dem Umbau teilte sie sich das Gebäude mit der gerontopsychiatrischen Tagesklinik - also für ältere Menschen. Diese Station ist inzwischen in einen Neubau auf dem Gelände umgezogen. "Jetzt haben wir das ganze Haus für die Kinder und Jugendlichen", sagt Leiterin Ingeborg Gebert. Dadurch konnte die Tagesklinik für Kinder und Jugendliche auch die Plätze aufstocken. Zehn Mädchen und Jungen im Alter von fünf bis 17 Jahren werden hier tagsüber von Montag bis Freitag betreut. Abends und am Wochenende gehen sie nach Hause in ihre Familien. 

Kinder- oder Hausärzte überweisen die jungen Patienten hierher, manchmal kommen sie auch mit ihren Eltern direkt in die Ambulanz am Großschweidnitzer Klinikum und werden dann in die Tagesklinik eingewiesen. Mädchen und Jungen, die hierher zur Therapie kommen, leiden unter verschiedenen psychischen Störungen: Hyperaktivität zum Beispiel oder Störungen in ihrem Sozialverhalten. Manche haben Probleme, sich zu konzentrieren, leiden unter Trennungsängsten, haben Angst vor der Schule, werden gemobbt. "Im Grunde geht es immer um Verhaltensauffälligkeiten", fasst Psychologin Gebert zusammen. Und oft geht das mit einer Umstellung im Leben einher, die die Kinder und Jugendlichen nicht gut verkraftet haben, erklärt die Psychologin. 

In der Tagesklinik arbeiten Therapeuten und Schwestern mit ihnen. Einmal in der Woche besuchen sie auch ihre angestammte Schule. "Damit der Kontakt zur Familie, zum gewohnten Umfeld und den Freunden nicht abbricht", erklärt die Psychologin. Zwölf Wochen dauert meist der Aufenthalt in der Tagesklinik, manchmal auch länger. Das werde individuell entschieden. 

So sieht es in der neuen Tagesklinik aus:

Das sanierte Gebäude der Tagesklinik. 
Das sanierte Gebäude der Tagesklinik.  © Matthias Weber/photoweber.de
Das historische Haus ist wie das gesamte Areal über 100 Jahre alt. 
Das historische Haus ist wie das gesamte Areal über 100 Jahre alt.  © Matthias Weber/photoweber.de
Der Speiseraum ist modern und hell gestaltet. 
Der Speiseraum ist modern und hell gestaltet.  © Matthias Weber/photoweber.de
Die Terrasse schließt sich an Küche und Speiseraum an. 
Die Terrasse schließt sich an Küche und Speiseraum an.  © Matthias Weber/photoweber.de
Die prunkvolle historische Treppe durfte bleiben und erhielt zur Sicherheit ein stabiles Stahlnetz. 
Die prunkvolle historische Treppe durfte bleiben und erhielt zur Sicherheit ein stabiles Stahlnetz.  © Matthias Weber/photoweber.de
Im Motorik-Raum können die Kinder sich ausprobieren. 
Im Motorik-Raum können die Kinder sich ausprobieren.  © Matthias Weber/photoweber.de

Bewegung wichtig für die Entwicklung

Jetzt stehen mehrere neue Therapie- und Gruppenräume zur Verfügung. So gibt es einen Motorikraum, wo vor allem die kleineren Kinder sich ausprobieren können.  "Körperwahrnehmung und Bewegung fehlt vielen Kindern", hat Ingeborg Gebert in ihrer jahrelangen Arbeit mit Kindern festgestellt. Dabei ist beides enorm wichtig für die Entwicklung. Motorik regt die Hirnentwicklung an, erklärt die Psychologin. Einige Räume, wie eben das Motorikzimmer, werden normalerweise nicht nur von der Tagesklinik genutzt, sondern auch von anderen Stationen der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Insgesamt unterhält das Fachkrankenhaus Großschweidnitz vier Stationen, auf denen Kinder und Jugendliche behandelt werden. Wegen Corona dürfen derzeit aber keine Patienten aus anderen Stationen ins Gebäude kommen. 

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Einen der neuen Räume allerdings haben Ingeborg Gebert und ihre Kollegen noch nicht genutzt. "Und darüber bin ich auch froh", sagt die Psychologin. "Time-out-Raum" steht da auf einem Schild an der Türe. In dem kleinen Zimmer gibt es nichts außer einem Fenster und einer Matratze. "Hier können wir ein Kind für eine kurze Zeit isolieren, wenn es so in Rage ist und sich gar nicht beruhigen kann, dass es auch zu einer Gefahr für die anderen werden könnte", erklärt Frau Gebert. Dabei wird es von einer Schwester ständig beaufsichtigt. "Aber das ist die allerletzte Möglichkeit", so Ingeborg Gebert. Bisher ist es ihr und ihren Kollegen mit viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen immer gelungen, dass sie darauf nicht zurückgreifen mussten. 

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