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Behinderte jetzt unter neuem Dach

Die Görlitzer Volkssolidarität unterstützt weiter Selbsthilfegruppen. Sie bietet dafür einen neuen Ort an. Aus Königshufen gibt es dazu Misstöne.

Die Volkssolidarität auf der Pomologischen Gartenstraße hat einen Wintergarten, wo sich Selbsthilfegruppen treffen können.
Carola Belau (rechts) betreut die Selbsthilfegruppen.
Kristin Worlitz (links) ist Geschäftsführerin der Volkssolidarität.
Die Volkssolidarität auf der Pomologischen Gartenstraße hat einen Wintergarten, wo sich Selbsthilfegruppen treffen können. Carola Belau (rechts) betreut die Selbsthilfegruppen. Kristin Worlitz (links) ist Geschäftsführerin der Volkssolidarität. © André Schulze

Heidrun Böttcher ist froh, dass sie nun Selbsthilfegruppen zu Treffs bei der Volkssolidarität einladen kann. "Zu lange waren die Treffs wegen der Corona-Pandemie untersagt", erklärt die stellvertretende Geschäftsführerin der Volkssolidarität in Görlitz.

Seit diesem Monat finden sie wieder regelmäßig statt. Meistens einmal in vier Wochen kommen die Gruppen zusammen. War bislang die Behindertentagesstätte der Volkssolidarität auf der Heilige-Grab-Straße 22 das Domizil für die Treffs, so ist es jetzt der Wintergarten der Volkssolidarität auf der Pomologischen Gartenstraße.

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Vorschlag wurde dankbar angenommen

Das hat einen einfachen Grund: Die Volkssolidarität kann an ihrem Hauptsitz auf der Pomologischen Gartenstraße das coronabedingte Hygienekonzept gut umsetzen. "Es gibt zum Beispiel mehrere Ein- und Ausgänge", erklärt Heidrun Böttcher. In der Behindertentagesstätte gibt es nur einen Eingang. Dort das Hygienekonzept umzusetzen, sei sehr schwierig. 

Deshalb entschied die Volkssolidarität, den Selbsthilfegruppen die Treffs künftig in der Pomologischen Gartenstraße anzubieten. Wenn man schon die hygienischen Konzepte dafür hat und der weiteren Nutzung des Wintergartens nichts im Wege steht, warum sollten wir das nicht tun - dachte sich der Vorstand der Volkssolidarität. "Ende Juni habe ich mit den Gruppen telefoniert", berichtet Frau Böttcher. Die ersten Treffs fanden bereits im Juli am neuen Ort statt. 

Volkssolidariät gibt Behindertentagesstätte auf

Heidrun Böttcher freut sich, dass der Vorschlag so gut angenommen wird. Er soll künftig Dauerlösung sein. Die Wohlfahrtsorganisation beschloss schweren Herzens, zum Jahresende den Mietvertrag für die Behindertentagesstätte auf der Heilige-Grab-Straße 22 zu kündigen. Sie kann sie sich nicht mehr leisten. "Wir müssen die Ressourcen an Geld und Arbeitskraft optimal einsetzen und vernünftig wirtschaften", betont die stellvertretende Geschäftsführerin. Zwar unterstütze der Vermieter Kommwohnen mit Mietrabatten, die Stadt gibt Zuschüsse, aber dennoch bleibt der Volkssolidarität ein erheblicher Betrag für Miete und Unterhalt der Tagesstätte. 

Andererseits sei die Nutzung der Räumlichkeiten mit den Jahren immer mehr zurückgegangen. Waren es vor zwölf Jahren jeden Monat mehr als 1.000 Menschen, die in die Tagesstätte kamen, ist es jetzt nicht einmal ansatzweise die Hälfte. Das resultiert daraus, dass sich zahlreiche Selbsthilfegruppen und Vereine aufgelöst haben, darunter Gruppen der Diabetiker, der Gehörlosen sowie der Blinden- und Sehbehindertenverband. 

Zwar hätten sich auch neue Selbsthilfegruppen wie die der Angehörigen von Demenzkranken gebildet, aber die seien längst nicht so mitgliederstark, wie man es noch von vor 20 Jahren kenne, erzählt Frau Böttcher.

Viele Vorteile am neuen Standort

Gerade die Angehörigen-Demenzgruppe sei ein gutes Beispiel für das enge Zusammenwirken von Volkssolidarität und Selbsthilfe. "Wir unterstützen die Gruppe  von Anfang an, da wir im Haus auch Demenzkranke betreuen", erläutert Frau Böttcher. Die Gruppe ist nun auf die Pomologische Gartenstraße zurückgewechselt. 

Als weiteren Vorteil nennt Frau Böttcher die Teilnahme der Selbsthilfegruppen an Veranstaltungen der Volkssolidarität auf der Pomologischen Gartenstraße. Nach coronabedingter Pause gibt es im September wieder eine - einen Musiknachmittag. Außerdem hätten die Mitglieder der Selbsthilfegruppen während ihrer Treffs Gelegenheit, zu sehen, wie die Wohnanlage der Volkssolidarität funktioniert. "Denn viele wissen darüber gar nichts", bedauert Frau Böttcher.

Vorschlag für eine neue Tagesstätte

Detlef Lothar Renner, er sitzt für die AfD im Görlitzer Stadtrat, respektiert die neue Lösung der Treffs am Hauptsitz der Volkssolidarität, sieht aber auch ein Problem. Er findet es unzumutbar, wenn Rollstuhlfahrer und blinde Menschen beispielsweise von Königshufen aus bis in die Südstadt kommen müssen, um ihre Tagesstätte zu nutzen. So schlägt er vor, dass "humanitäre Verbände und Trägervereine im Görlitzer Norden eine weitere Einrichtung als Behindertentagesstätte gründen." Dabei solle man sich die Kosten teilen.

Heidrun Böttcher gewinnt dieser Idee nicht viel ab. Bislang kamen die Südstädter ohne Probleme bis zur Heilige-Grab-Straße. Ein gut ausgebauter Görlitzer Nahverkehr mit Bussen und Bahnen ermöglicht das. "Warum sollten die Nordstädter so nicht auch in den südlichen Stadtteil gelangen?" fragt sie. Für die jetzt auf der Pomologischen Gartenstraße agierenden acht Selbsthilfegruppen, darunter Frauen nach Krebs, Tinnitus, Gebärdensprache und eine MS-Gruppe, sei es schließlich auch kein Problem, zum Hauptsitz der Volkssolidarität zu kommen. 

Die Behindertentagesstätte auf der Heilige-Grab-Straße 22 nahm die Volkssolidarität  am 1. August 1991 in ihre Trägerschaft. Geplant wurde sie bereits 1988 zu DDR-Zeiten als Klub für Behinderte und Senioren.  Am 8. Juni 1991 war die feierliche Eröffnung der "Tagesstätte der Schwerbehinderten". Die Volkssolidarität übernahm wenige Wochen später nicht nur die Einrichtung, sondern auch die Mitarbeiter.

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