SZ +
Merken

Talsperre Kauscha droht zu vermodern

Früher ging Kirsten Seidel in Kauscha schwimmen, heute beklagt sie die Wasserqualität der Talsperre. Und will helfen.

Teilen
Folgen

Von Dana Ritzmann

Das kann doch nicht gesund sein, will der Blick von Kirsten Seidel sagen. Die Algen auf ihrer Hand, der grüne Schimmer auf der Wasseroberfläche. „Die Talsperre ist zu 100 Prozent krank“, behauptet die Leubnitzerin. Seit vielen Jahren geht sie fast täglich in Kauscha spazieren. Bis vor fünf Jahren sei sie hier auch regelmäßig geschwommen. „An den Brückenpfeilern hat das Wasser damals bis zu den weißen Strichen gestanden, da war die Talsperre noch ein richtiger See“, sagt die Extremschwimmerin, die auch schon die Elbe bis nach Hamburg gekrault ist. Wasser ist ihr Element. „Aber in diese Pfütze möchte ich nicht mal meinen Hund schicken“, schimpft sie. Sobald es länger warm ist, wird es grün und fängt an zu stinken. Das ärgert auch die Anwohner. Beim Gassigehen komme man ins Gespräch.

Auch die Landestalsperrenverwaltung weiß, dass die Talsperre in Kauscha im Sommer ein Problem hat. Durch die starke Sonneneinstrahlung und die dadurch erhöhte Algenbildung entstehe vermehrt giftiger Schwefelwasserstoff, erklärt Sprecherin Katrin Schöne. Um diesem Prozess entgegenzuwirken, sei in der Talsperre insgesamt weniger Wasser, damit das sauerstoffarme schneller abfließe und sauberes Wasser das Ökosystem stärke.

Der ständige Stauinhalt beträgt laut Schöne 20 000 Kubikmeter. Das Gesamtspeichervolumen der Talsperre liegt bei 245 000 Kubikmeter und dient dem Hochwasserschutz von Prohlis. Der Stausee selbst ist ein Rückhaltebecken für den Geberbach, der von hier aus beschaulich Richtung Plattenbauviertel plätschert.

Während des jüngsten Hochwassers jedoch sei der Bach über die Ufer getreten. „Bis hier stand das Wasser“, sagt Spaziergängerin Seidel und zeigt mit dem Fuß auf den Weg neben dem Bachbett. Sofort hatte sie bei der Talsperrenverwaltung nachgefragt, warum ausgerechnet in Zeiten von Überschwemmung die Talsperre abgelassen werde. Doch die widersprach. Die Talsperre habe schon am 3. Juni ihren höchsten Pegel mit 177 200 Kubikmeter gehabt, bis zum Vollstau seien da noch fast 68 000 Kubikmeter Luft gewesen. Kein Grund zur Sorge, sagt die Talsperrenverwaltung. Ein Grund zum Aufregen, meint Seidel. Sie zweifelt die Zahlen der Behörde an und hat eigene Berechnungen an. Nach denen sei während der Flut in sieben Tagen „fast sechsmal so viel Wasser abgelassen worden wie das Rückhaltebecken im Normalfall an Wasser führt“, erklärt sie. „Ich bin Strömungsmechanikerin, da braucht man mir nichts zu erzählen“, sagt die Ingenieurin. Für sie ist der Fall klar: „Es handelte sich um ein massives Ablassen des Sees.“ Das dies überhaupt passiert sei, ärgert Seidel.

Denn mit dem Hochwasser sei die Talsperre erstmals wieder so voll gewesen, wie vor 2009. „Damals war der See gesund und nicht nur eine Dreckpfütze“, sagt die 48-jährige Schwimmerin. Der „reduzierte Wasserstand“ ist eine Schutzmaßnahme gewesen, kontert Talsperren-Sprecherin Schöne. Nach der Flut von 2002 wurde eine Vergrößerung des Hochwasserrückhaltebeckens erforderlich. Alle Nutzer der Talsperre waren um eine Stellungnahme zur „Absenkung des Stauzieles“ gebeten worden. Weder die Umwelt- noch die Naturschutzbehörde noch die Landwirte hätten Bedenken geäußert, Nachteile für Naherholung, Umwelt und Natur seien nicht befürchtet worden. „Aus diesem Grund wird die Talsperre seit fünf Jahren mit dem reduzierten Wasserstand von 20 000 Kubikmetern bewirtschaftet“, sagt Schöne.

Vielleicht sei an dem kaputten Ökosystem die Autobahn schuld, die sich schnurgerade über den Wasserspiegel zieht. „Da wurden beim Bau Energiebahnen zerstört“, sagt Seidel, die seit knapp zehn Jahren ihr Geld mit Mentalcoaching von Geschäftsleuten und Sportlern verdient. „Spirituell gesehen ist alles Energie“, erklärt die Trainerin. Wenn das Gleichgewicht fehle, entstehen Blockaden, die sich mit Gedankenkraft lösen ließen, ist sie überzeugt. Der Natur müsse man allerdings helfen, zu heilen. „Sonst stirbt sie“, sagt Seidel.