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Tanneberger ärgern sich über späteren Baubeginn

Eine 100 Meter lange Stützmauer am Berg der Staatsstraße muss dringend erneuert werden. Doch das Landesamt verschiebt das Ganze. Hält aber die Böschung im Winter noch Stand?

Von Dieter Hanke

Tanneberger, die am Berg an der Staatsstraße 36 wohnen, sind erbost. Denn mit dem Bau einer über 100 Meter langen Stützmauer auf der linken Seite der Strecke in Richtung Deutschenbora soll erst im ersten Quartal 2014 begonnen werden. So hat es das Landesamt für Straßenbau und Verkehr festgelegt, wie Pressesprecherin Isabel Siebert auf SZ-Nachfrage mitteilte.

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„Wir haben im Frühjahr in unserem Grundstück losgelegt, um dafür Baufreiheit zu schaffen. Unser Gewächshaus mussten wir abbauen. Blumen, Stauden und Sträucher haben wir umgesetzt. Und jetzt diese Zeitverschiebung. Das ist sehr ärgerlich“, sagt Wolfgang Rentzsch. Seine Frau Irmgard (70) ist traurig, dass sie in diesem Jahr keine Gurken im Gewächshaus ernten konnte. „Im Sommer sollte der Bau beginnen. Darauf hatten wir uns eingestellt. Hoffentlich wird nun Wort gehalten und es geht mit dem Bau im Frühjahr los“, bemerkt noch der 72-jährige Wolfgang Rentzsch, der früher in der Papierfabrik in Nossen gearbeitet hat.

Auch die Nachbarsleute sind vergnatzt. „Immer diese Verschiebungen. Das geht schon Jahre lang so. Was sollen wir da noch glauben?“, bemerkt CNC-Fräser Jens Lehmann (43). Seine Mutter Ursula hatte ebenfalls schon in diesem Jahr im Gelände Pflanzen und anderes umgesetzt.

In Tanneberg muss diese Stützmauer dringend erneuert werden. Sie hat sich am Berg schon stark geneigt. Säulen drohen umzustürzen. Der Unterbau der Staatsstraße sackt schon ab. Warnbaken und -bretter engen die Strecke am Berg ein. Aus den Rändern eines Dorfbaches, der hinter der Stützmauer an den Grundstücken verläuft, brechen schon große Natursteine aus.

„Dadurch staut sich bei Starkregen das Wasser an. Unsere Grundstücke werden überschwemmt. Die Feuerwehr war schon zweimal in diesem Jahr da“, sagt Irmgard Rentzsch.

Das Landesamt hat deshalb auch diese Teilstrecke der Staatsstraße von Wilsdruff nach Deutschenbora in der schlechtesten Bauzustandsstufe eingeordnet. Mit der Sanierung der Stützmauer soll zugleich auch ein Fußweg in diesem Bereich entstehen. Dazu muss der Dorfbach in Richtung der Grundstücke um zwei bis drei Meter verlegt werden. „Schon vor einem Jahr gab es dazu mit uns Gespräche des Landesamtes. Wir geben Flächen ab, damit endlich gebaut wird“, sagt Wolfgang Rentzsch.

Denn auf dieser Staatsstraße herrscht dichter Verkehr. Vor allem wenn es auf der A4 oder A14 Staus durch Unfälle oder Havarien gibt , nutzen viele Kraftfahrer die S 36 als Ausweichstrecke. „Da rollt dann Auto an Auto“, sagt Jens Lehmann. Auch durch die marode Stützmauer haben Belag und Unterbau am Berg stark gelitten. Dellen, Verwerfungen und Löcher sind die Folge.

Auch der Klipphausener Gemeinderat Uwe Krause, der in Tanneberg wohnt, ist über den Bauverzug verärgert. Seit Jahren schon setzt er sich engagiert für dieses Bauvorhaben ein.

Mehr Gemeinsamkeit nötig

„Die Leute wurden immer wieder vertröstet. Das Landesamt weiß doch schon sei Jahren, dass hier auch ein Fußweg nötig ist. Die Planungen hätten doch schon viel eher beginnen müssen“, sagt Krause.

Klipphausens Bürgermeister Gerold Mann verweist darauf, dass die Gemeinde viel zu spät vom Landesamt in Kenntnis gesetzt wurde, wann konkret der Bau beginnt. „Dann hätten wir uns schon eher um Fördermittel für den Fußwegbau bemühen können“, sagt er. Die Gemeinde ist für den Gehweg zuständig. Der Bürgermeister hofft, dass es künftig eine engere Zusammenarbeit mit dieser Behörde gibt.

Die Kosten des Vorhabens belaufen sich auf über eine halbe Million Euro. Das Landesamt hatte informiert, dass die zusätzlichen Planungen für einen Gehwegbau, der ursprünglich nicht vorgesehen war, zu einer Zeitverschiebung führten. Die technologisch notwendig werdenden Arbeiten im Fahrbahnbereich würden eine halbseitige Sperrung bei einer Bauzeit von rund sechs Monaten erforderlich machen. Sprecherin Siebert: „Die Niederlassung in Meißen sieht es im Sinne der Verkehrssicherheit als nicht sinnvoll an, die Baustelle im Winterhalbjahr zu betreiben.“ Denn die Längsneigung der Straße betrage 9,9 Prozent.

Der Stützmauerbau kann aber nur der Anfang in diesem Abschnitt der Staatsstraße 36 sein. Der generelle Ausbau der Strecke sollte ebenfalls schnellstens erfolgen. „Da können wir froh sein, wenn bei dieser starken Verkehrsbelastung und zusätzlich noch den Erschwernissen im Winter diese Straße noch eine Weile Stand hält“, sagt Gemeinderat Uwe Krause.