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Zittau

"Tante Emma" lebt - noch

Ob in Bischdorf, Kemnitz, Waltersdorf, Oderwitz, Großschönau, Ebersbach oder Zittau - es gibt sie noch, die kleinen Läden. Doch die meisten kämpfen ums Überleben.

Birgit Bielß betreibt die "Einkaufsquelle" in Bischdorf seit 27 Jahren.
Birgit Bielß betreibt die "Einkaufsquelle" in Bischdorf seit 27 Jahren. © Foto: Matthias Weber

Manchmal hat Birgit Bielß mit dem Gedanken gespielt, die "Einkaufsquelle" zu schließen. Doch dann denkt sie an ihre älteren Kunden, für die es die einzige Möglichkeit zum Einkaufen ist. Sie halten ihr seit Jahren die Treue. Mancher seit 27 Jahren - so lange gibt es den Laden schon. 

Vorher befand sich hier ein Konsum. Als dieser geschlossen werden sollte, wollte Birgit Bielß den Lebensmittelladen retten und eröffnete 1992 die "Einkaufsquelle". In den ersten Jahren seien die Umsätze besser gewesen, sagt sie. "Mit den Preisen in den Supermärkten kann ich nicht mithalten." Die Folge: Die Umsätze gehen zurück. 

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Die Bischdorferin hat darauf reagiert und das Angebot immer wieder etwas umgestellt. Schreibwaren und Karten wurden beispielsweise aus dem Sortiment genommen, auch die Auswahl an Zeitungen ist nicht mehr so groß. Dafür bietet sie mehr Wurst an. 

Birgit Bielß wäre froh, wenn noch mehr Bischdorfer bei ihr einkaufen würden. Eines ist schon jetzt klar - einen Nachfolger wird es nicht geben. Wenn sie mal in Rente geht, dann wird es auch die "Einkaufsquelle" nicht mehr geben. So schnell wird das aber nicht der Fall sein, Birgit Bielß will den Laden noch eine Weile betreiben.

Kleine Verpackungen für ältere Kunden

Matti Steuer arbeitet in dem kleinen Lebensmittelladen an der Bahnhofstraße in Ebersbach.
Matti Steuer arbeitet in dem kleinen Lebensmittelladen an der Bahnhofstraße in Ebersbach. © Foto: Matthias Weber

"Haben Sie eine TV Clever", fragt eine Kundin, nachdem sie den Laden an der Bahnhofstraße in Ebersbach betreten hat. Matti Steuer greift ins Regal und überreicht ihr die gewünschte TV-Zeitschrift. Es sind hauptsächlich Bewohner aus der näheren Umgebung, die hier einkaufen. Und es sind vor allem ältere Kunden. Deshalb gibt es auch keine Großgebinde wie im Supermarkt, sondern eher kleinere Verpackungen.

Das Geschäft unweit des Ebersbacher Bahnhofs erinnert ein bisschen an alte Konsum-Zeiten. In der Mitte steht ein langes Doppelregal, rundherum gibt es weitere Regale. Sie sind gefüllt mit verschiedensten Lebensmitteln, Milchprodukten, Getränken oder Süßigkeiten. Im Kassenbereich gibt es auch eine kleine Auswahl an Obst und Gemüse.

Seit zehn Jahren existiert der Lebensmittelladen nun schon. Eröffnet wurde er, nachdem der Spar-Markt nebenan geschlossen wurde.

Großer Anteil älterer Kunden

Mario Weiß betreibt das "Gemüsebud'l" in Ebersbach.
Mario Weiß betreibt das "Gemüsebud'l" in Ebersbach. ©  Archivfoto: Matthias Weber

Präsente sind in den vergangenen Wochen bei Mario Weiß oft über den Ladentisch gegangen. Seit vielen Jahren bietet der Ebersbacher Händler in seinem "Gemüsebud'l" schon Konfiserien und Süßwaren an. "Ursprünglich hatten wir nur Fisch, Obst und Gemüse im Angebot", erklärt er. Von Obst und Gemüse allein könnte sich der Laden heute nicht mehr halten, sagt Weiß. Hin und wieder nimmt er neue Produkte ins Sortiment auf, geht dabei auch auf Wünsche seiner Kunden ein. 

Gleichzeitig sucht er nach neuen Standbeinen. Er ist zum Beispiel mit Ständen auf Weihnachtsmärkten präsent und verkaufte auch Weihnachtsbäume. Seit zwei Jahren beteiligt er sich am EU-Schulprogramm Sachsens für gesunde Ernährung. Zehn Schulen beliefert Mario Weiß dabei mit Obst und Gemüse. Reichlich eine Tonne geht jeden Monat an die Einrichtungen. So kann sich das "Gemüsebud'l" insgesamt über Wasser halten. 

Seit 25 Jahren ist Mario Weiß inzwischen der Chef. Und bei seinen Kunden beliebt - wie auch der Brief von Claus Förster zeigt. Der Ebersbacher schrieb vor einigen Monaten an die SZ und berichtete, dass er seit Jahrzehnten im "Gemüsebud'l" einkaufe. So wie Claus Förster kaufen sehr viele ältere Kunden bei ihm ein, sagt Weiß.

Regionale Produkte bestimmen das Sortiment

Edeltraud Peschel betreibt einen kleinen Lebensmittelmarkt in Kemnitz.
Edeltraud Peschel betreibt einen kleinen Lebensmittelmarkt in Kemnitz. © Foto: Matthias Weber

Ob nun Eier aus Kemnitz, Schlegler Baumkuchen oder Fleisch und Wurst aus der Umgebung - regionale Produkte dominieren die Regale im Lebensmittel-Markt von Edeltraud Peschel. Die Kemnitzer wissen das Angebot zu schätzen. Viele kommen seit Jahren bei ihr einkaufen. Manchmal halten auch Fremde an, aber der überwiegende Teil der Kunden komme aus dem Ort, sagt Frau Peschel.

Sie betreibt den Laden seit 1992. Zuvor war hier ein Konsum. Im Konsum hat Edeltraud Peschel gelernt und gearbeitet und die Kemnitzer Filiale zuletzt geleitet. Deshalb konnte sie auch die Wohnung im Haus beziehen - seit 1983 wohnt sie hier. Als im März 1992 der Konsum dicht machte, kam schnell der Gedanke auf, einen eigenen Lebensmittelladen zu eröffnen. Schon im November 1992 gab es hier wieder Waren des täglichen Bedarfs.

Dass die teurer sind als im Supermarkt, stört die Kunden nicht. "Leute, die sparen wollen, kommen sowieso nicht zu mir", sagt Frau Peschel. Gerade die älteren Kemnitzer sind froh, dass es überhaupt noch eine Einkaufsmöglichkeit im Ort gibt. Wie lange das noch der Fall ist, kann sie nicht sagen. Vielleicht zwei Jahre, vielleicht länger. "Wer Lust und Laune hat, mal den Laden weiterzuführen, kann sich gern melden", sagt sie.

Touristen loben Tante-Emma-Laden in Waltersdorf

Auch Waltersdorf hat einen Tante-Emma-Laden: "Mandys Gebirgsladen".
Auch Waltersdorf hat einen Tante-Emma-Laden: "Mandys Gebirgsladen". © Foto: Matthias Weber

Herrnhuter Sterne sind der Umsatzbringer Nummer 1 in "Mandys Gebirgsladen". Nicht nur in der Adventszeit. Dabei hat Mandy Bernig viel mehr im Angebot - eben ein richtiger Tante-Emma-Laden. Hier gibt es Lebensmittel, frische Semmeln, Getränke, Keramik, Drogerieartikel und die Kunden können den Service von Post Modern nutzen.

Als Mandy Bernig den Laden 2010 eröffnete, dachte sie eigentlich, das sie und ihr Mann davon leben können. Diese Vorstellung begruben beide nach einem Jahr. Der Laden befand sich damals im Nachbarhaus. Als für die Drogerie Richter ein Nachmieter gesucht wurde, entschied Familie Bernig ein Haus weiterzuziehen.

Das Haus gehört ihnen, so müssen sie keine Miete bezahlen. Das ist wichtig, um überleben zu können. "Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen", sagt Mandy Bernig. Die Einheimischen gehen lieber zu Aldi oder Netto, kommen vielleicht noch vorbei, um frische Semmeln zu holen oder etwas zu kaufen, was sie in der Stadt vergessen haben. Zum Glück gibt es die Urlauber, die den Hauptteil der Kunden stellen. Sie loben oft den schönen Tante-Emma-Laden. Eine Emma gibt es sogar im Laden - der vierjährige Pinscher-Dackel ist auf diesen Namen getauft.

Dorfladen-Chefin stellt Sortiment um

Carola Kaspar hat vor drei Jahren einen Dorfladen samt Café an der Hauptstraße eröffnet.
Carola Kaspar hat vor drei Jahren einen Dorfladen samt Café an der Hauptstraße eröffnet. © Foto: Matthias Weber

Verkauft wurde im Haus Obere Mühlwiese 2 in Großschönau schon vieles. Zu DDR-Zeiten Fisch und Gemüse, später viele Jahre Lebensmittel. Heute gibt es hier wieder einen Dorfladen. In dem sind vor allem Weine, Süßwaren und Präsente erhältlich. Und es gibt ein kleines Sortiment Lebensmittel, wie Orangen, Knäckebrot und Kartoffeln. 

Das Angebot an Lebensmitteln war zum Start des Dorfladens vor drei Jahren noch größer. Da aber Lebensmittel nicht so nachgefragt wurden - bedingt auch durch die Nähe zweier Supermärkte - stellte Carola Kaspar das Sortiment um und bietet nun allerlei Waren an, die es in den großen Märkten nicht so gibt. Den älteren Kunden zuliebe, hat sie ein paar Lebensmittel im Sortiment belassen.

Zum Dorfladen gehört auch ein Café. Als Mitarbeiterin des früheren Lebensmittelladens erlebte Frau Kaspar, wie die Kunden draußen auf der Bank getrunken und ihre Fischsemmeln gegessen haben. "Da können sie ja auch drinnen sitzen", dachte sie sich. Und so war die Idee eines Cafés geboren. Nach drei Jahren zieht sie eine positive Bilanz. Café und Dorfladen halten sich beim Umsatz die Waage. Auch deshalb, weil es im Laden eine Poststelle gibt, die gern von den Großschönauern genutzt wird.

Eine Gärtnerei, in der es nicht nur Blumen gibt

Hat nicht nur Schnittblumen und Topfpflanzen im Angebot: Kerstin Kretzschmar.
Hat nicht nur Schnittblumen und Topfpflanzen im Angebot: Kerstin Kretzschmar. ©  Archivfoto: Matthias Weber

Dass es in einer Gärtnerei nicht nur Blumen, Obst und Gemüse gibt, mag man nicht vermuten. Die Beiersdorfer wissen, dass es möglich ist. In der Gärtnerei Fröhlich können sie unter anderem auch Saft, Nudeln und Konserven kaufen. Seit 2010 ergänzen diese Produkte das Sortiment. Anlass war die Schließung des Spar-Ladens. Damit die Beiersdorfer nicht nach Löbau oder Oppach fahren müssen, um Lebensmittel zu kaufen, bietet Kerstin Kretzschmar in ihrer Gärtnerei seitdem Waren des täglichen Bedarfs an.

Den großen Umsatz macht sie damit aber nicht. Es sei mehr Beiwerk, erklärt sie. Das Hauptgeschäft seien frisches Obst und Gemüse. Auch das gibt es übrigens erst seit 2003. Anfangs war es nur ein kleiner Anteil, der mit der Zeit weiter gesteigert wurde. 

Von Schnittblumen und Topfpflanzen allein könnte Kerstin Kretzschmar die Gärtnerei heute wohl kaum noch halten. In der Gärtnerei gibt es zudem einen Hermes-Shop. Auch der locke manchen Kunden an, der dann andere Produkte gleich mit einkauft.

Auch nach 26 Jahren immer noch Spaß an der Arbeit

Auch in der Neuen Burgstraße in Zittau-West gibt es noch einen Tante-Emma-Laden: "Simones Mini-Shop".
Auch in der Neuen Burgstraße in Zittau-West gibt es noch einen Tante-Emma-Laden: "Simones Mini-Shop". © Foto: Matthias Weber

Riesige Umsätze haben Simone und Harald Rasch in "Simones Mini-Shop" nie gemacht. Es ist stets so viel gewesen, dass sie mit dem kleinen Laden auf der Neuen Burgstraße in Zittau überleben konnten. Auf 2020 blicken sie etwas sorgenvoll. "Es wird immer schwerer", sagt Harald Rasch. Er meint damit die geplante Schließung des Großhandels in Zittau.  Zudem stelle der Pressegroßhandel den Einzelstückverkauf von Geschenk- und Weihnachtsartikeln ein. "Da müssen wir nach anderen Quellen suchen", sagt Rasch.

Auch durch die Bonpflicht und die Einführung eines neuen Kassensystems werde den kleinen Läden das Leben zusätzlich noch schwerer gemacht, findet Rasch. Erstes Ziel sei deshalb, mindestens bis Ende 2020 durchzuhalten. Den Spaß an ihrer Arbeit haben sie trotz aller Schwierigkeiten bisher nicht verloren. Deshalb wollen sie den Laden möglichst so lange erhalten, wie es geht, am liebsten, bis sie selbst in Rente gehen.

Sie denken auch an ihre soziale Verantwortung, für die älteren Kunden ist der kleine Laden ein sozialer Treffpunkt. Und das seit 26 Jahren. Zuerst gab es hier nur Blumen, Zeitungen und Drogerieartikel. Heute ist das Angebot vielfältiger, reicht von Lebensmittel über Blumen und Zeitungen bis zu Geschenken aller Art und frischen Salaten.

Bald 30-jähriges Jubiläum

Mit seinem Tante-Emma-Laden in Oderwitz hat Olaf Hinke Generationen überlebt.
Mit seinem Tante-Emma-Laden in Oderwitz hat Olaf Hinke Generationen überlebt. © Foto: Matthias Weber

Anfang Februar kann Olaf Hinke ein Jubiläum feiern: Der Oderwitzer betreibt sein Lebensmittelgeschäft an der Rosa-Luxemburg-Straße dann 30 Jahre. Den Laden selber gibt es viel länger, 1896 wurde er von seinen Vorfahren eröffnet. Selbst zu DDR-Zeiten wurde er privat betrieben. Olaf Hinke übernahm den Laden 1990, damals war er 28. 

Dass er 30 Jahre durchgehalten hat, verdankt er den Stammkunden. Gerade in der Weihnachtszeit geben sich die Kunden die Klinken in die Hand. Das liegt vor allem auch an der Poststelle. Viele wollen noch Pakete verschicken. Die Postkunden nehmen ab und zu auch etwas anderes mit. "Wenn sie warten müssen, gucken sie sich doch mal um und finden dies oder das", sagt Hinke. Im Angebot hat er alles, was einen guten Tante-Emma-Laden ausmacht. Bis zur Rente will er den Laden gern noch weiterführen. Einen Nachfolger wird es danach nicht geben, ist ihm schon heute bewusst. Seine Tochter oder sein Sohn werden das kleine Geschäft jedenfalls nicht fortführen.

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