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Tanze mit mir in den Morgen

Beate und Olaf Schmidt trainieren seit Jahren beim Tanzclub Görlitz. Der lädt nun zum Tanzturnier. Let’s Dance für alle.

© Pawel Sosnowski

Von Susanne Sodan

Görlitz. Ein langsamer Walzer. In weiten, fließenden Bewegungen gleitet das Paar über das Parkett des Saales. Holzparkett, kein Kunststoff. Er trägt lederne, schwarze Schnürschuhe, sie creme-goldene Pumps mit kleinen Absätzen. Ihr langer, schwarzer Rock mit Tüllborte schwingt mit. Die elegante Kleidung hat nichts mit der Anwesenheit des SZ-Fotografen zu tun, erklärt Beate Schmidt später. Im Turnier müssen die Tänzerinnen auch mit langen Kleidern zurechtkommen. Also wird in langen Kleidern trainiert – jeden Donnerstagabend in der Flora, dem Sportzentrum von Rauschwalde. Wer selber mal wieder tanzen möchte – es braucht nicht auf Leistung zu sein – kann das am Wochenende tun. Am kommenden Sonnabend findet das Tanzturnier vom Tanzclub Grün-Gold Görlitz im Wichernhaus statt. Im zweiten Teil, bei der Abendveranstaltung, ist Gästeball.

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Manchmal tanzen Schmidts auch in der Flora, wenn sonst keiner da ist. Die Matten der Kampfsportler stapeln sich an der Wand, die Tänzer brauchen vor allem Platz.
Manchmal tanzen Schmidts auch in der Flora, wenn sonst keiner da ist. Die Matten der Kampfsportler stapeln sich an der Wand, die Tänzer brauchen vor allem Platz. © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c
Zehn Turnierpaare hat der TC Grün-Gold. Zu ihnen zählen auch Uta und Frank Schüttig (r.).
Zehn Turnierpaare hat der TC Grün-Gold. Zu ihnen zählen auch Uta und Frank Schüttig (r.). © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Beate und Olaf Schmidt leben in Görlitz, arbeiten bei Siemens und tanzen beim Tanzclub Grün-Gold, seit vergangenem Jahr in der A-Klasse. Das ist beim Turniertanzen – Standard und Latein – die zweithöchste Klasse. Es sieht leicht aus, wie sie und die anderen Paare im Trainingssaal der Flora ihre Runden drehen. Im Nachbarraum, abgegrenzt durch eine Wand mit großen Fenstern hebt eine junge, blonde Frau Gewichte. Die Anstrengung treibt ihr die Röte ins Gesicht. Leichtigkeit auf der einen, Schwere auf der anderen Seite? Abwarten. Es dauert nicht lange und auch bei den Tänzern zieht Farbe in die Gesichter. Man sieht die Körperspannung – an den Händen, die bis in die Fingerspitzen gestreckt sind. „Tanzen ist auch unheimlich viel Fußarbeit“, sagt Beate Schmidt.

Sie hat mit 24 mit dem Turniertanz angefangen, ihr Mann Olaf Schmidt schon mit 14 Jahren. Seit sie ein Ehepaar sind, also seit bald 20 Jahren, sind sie auch ein Tanzpaar. Ob das von Vorteil ist, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen in der Flora. „Man muss als Paar schon sehr harmonieren, um auch so ein Hobby miteinander zu teilen“, sagt Falko Schiller, Vorsitzender des TC Grün-Gold Görlitz. Tanzen ist Teamsport. Turniertanz ist Aufwand. Klar gibt es da auch immer mal Meinungsverschiedenheiten und Kritik. „Es ist schon mal vorgekommen, dass wir nach dem Training getrennt nach Hause gegangen sind“, erzählt Olaf Schmidt mit einem Schmunzeln. Er sagt aber auch: „Für uns ist das Tanzen wichtig. Wir haben immer ein gemeinsames Ziel.“ Und dieses Ziel lautet: S-Klasse. Hat nichts mit Autos zu tun. S-Klasse ist die höchste Leistungsklasse, in der man in Deutschland tanzen kann. Das Talent haben die Schmidts, sagt Falko Schiller. Aber das ist Grundvoraussetzung. „Die beiden sind eben auch sehr fleißig“, sagt Schiller. Neben dem Tanzen sind sie als Sport- und Pressewart im Verein aktiv.

Als ihre beiden Kinder geboren wurden und aufwuchsen, waren Turniere und Leistungsklassen für Schmidts nicht so wichtig. Getanzt haben sie zwar immer, aber etwa zehn Jahre machten sie eine Turnierpause. „2011 haben wir wieder so richtig angefangen“, erzählt Olaf Schmidt. Etwa einmal im Monat fahren sie derzeit zu Turnieren deutschlandweit. Vor Kurzem gab es noch eine zweite Turnierpause – wegen der Siemens-Krise. Beate und Olaf Schmidt arbeiten beide seit Jahren in dem Unternehmen, beide im Maschinenbau, „aber in unterschiedlichen Abteilungen“, sagt Beate Schmidt mit einem Lachen. Ende der 90er- Jahre haben sie sogar mal für zwei Jahre in Russland für Siemens gearbeitet. Als vergangenes Jahr die Meldungen kamen, dass das Görlitzer Werk auf der Kippe steht, war den beiden nicht mehr zum Tanzen zumute. „Uns hat das schon sehr betroffen, wir konnten zu keinen Turnieren fahren“, sagt Olaf Schmidt. Jetzt warten sie ab, was die Görlitzer Siemens-Zukunft bringen wird. Was bleibt sonst? Tanzen.

Etwa 80 Mitglieder hat der Tanzclub Grün-Gold Görlitz, einige kommen aus dem Zittauer oder dem Bautzener Raum, manche aus Tschechien und Polen. „Wir machen Breitensport“, sagt Falko Schiller. Heißt, keiner hier ist Berufssportler und es muss niemand an Turnieren teilnehmen, jeder ist willkommen. Allerdings, zehn Turnierpaare hat der Görlitzer Tanzclub. Sie treten in unterschiedlichen Alters- und Leistungsklassen an. Man hört in letzter Zeit recht viel von ihnen, zum Beispiel von Uta und Frank Schüttig. Die beiden haben im März in ihrer Alters- und Leistungsklasse die Landesmeisterschaft in Dresden gewonnen. Zählt zwar nicht in die Wertung, die beiden sind aber dieses Jahr auch weit gekommen beim „Sportler des Jahres“. „Wir haben ja auch schon eine Tradition“, sagt Falko Schiller. Vereinsgründung war 1951 und die erste Trainingsstätte war das einstige Görlitzer Konzerthaus am Lutherplatz. Der mehrfache DDR-Meister Detlef Zerbe ist auch aus Görlitz, gibt bis heute Training beim Tanzclub. Andere Tanzvereine mussten in den vergangenen Jahren schließen, erzählt Schiller. „Manche Tänzer sind dann zu uns gekommen.“ Der TC Grün-Gold hatte es in Görlitz immer irgendwie geschafft, Tanzhochburg zu bleiben. Einst besonders beliebt: die Publikumstänze, die der Tanzclub über Jahrzehnte regelmäßig in der Stadthalle veranstaltete. „Die waren immer ausverkauft“, erzählt Falko Schiller. Seit nun elf Jahren hat der Tanzclub eine Alternative gefunden, das Tanzturnier im Wichernhaus.

Tanzturnier, 21. April, Wichernhaus Görlitz, Beginn 13 Uhr, es tanzen verschiedene Alters- und Leistungsklassen von der Jugend bis zu den Senioren, ab 19 Uhr Turnierball mit Finaltänzen.