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Tanzen in Gröditz bald die Rollatoren?

Mit den Vereinen will die Stadt Sport- und Freizeitangebote für ihre schrumpfende und alternde Bevölkerung entwickeln. Doch es gibt einige skeptische Stimmen.

© dpa

Von Eric Weser

Der Blick in die demografische Zukunft der Stadt Gröditz ist düster. Die Statistiker prognostizieren über 25 Prozent weniger Einwohner bis 2030 und eine kopflastige Bevölkerungspyramide. Im Klartext: Die Röderkommune wird nicht nur drastisch schrumpfen, sie wird weiter altern.

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Zwar blüht dieser Wandel nicht nur Gröditz. Aber die Stadtführung will ihn nicht tatenlos hinnehmen. Deswegen ist das Entwicklungskonzept „Generationen in Bewegung“ ins Leben gerufen worden. Ziel des Projekts: Die „vielseitigen Sport- und Freizeitangebote für alle Generationen“ in Gröditz sollen – dem demografischen Wandel zum Trotz – weiter angeboten werden. Mehr noch: Es sollen, gerade wegen des Wandels, sogar neue hinzukommen. Wie vielleicht der Rollatortanz für die künftig noch größere Zahl an Senioren.

Rhythmisches Bewegen mit Gehhilfe? Dieser Vorschlag ließ die Gröditzer Vereinschefs beim Projekt-Auftakt dann doch schmunzeln. Aber Bürgermeister Jochen Reinicke (parteilos) ist das Thema ernst. Vor allem aus den Sportvereinen erwartet sich der Stadtchef Ideen, wie eine Weiterentwicklung der Sport- und Freizeitstätten in der Stadt aussehen soll. Wer als Verein künftig Unterstützung von der Stadt will, der muss nachweisen, wie zukunftsfähig sein Angebot ist, stellte Reinicke klar.

Begleitet wird das Projekt vom Architektenbüro Kasparetz-Kuhlmann. Die Planer sollen Ideen entwickeln helfen und das gesamte Konzept in eine Form bringen, mit der Gröditz „bei der Landesregierung hausieren gehen“ kann, so Jochen Reinicke. Denn klar scheint schon jetzt: Ohne finanzielle Hilfe vom Freistaat wird es bei der Projektumsetzung wohl nicht gehen.

Viele Vereinsvertreter blieben beim Projektauftakt aber skeptisch. Jürgen Stankewitz von der Jugendhilfe nannte das Konzept eine „visionäre Träumerei“ und bemängelte, dass bereits über Weiterentwicklung gesprochen werde. „Dabei wissen wir nicht mal, was es schon alles gibt.“

Sich beispielsweise auf Senioren einzurichten, habe der TSV Blau-Weiß Gröditz schon versucht, so dessen Vorsitzender Erhard Schreiber. „Aber wir kriegen die Leute einfach nicht in den neuen Anbau, so schön er auch ist. Sie gehen in die Grundschule, das ist für sie einfach näher.“

Wenig Zustimmung fand auch die Idee der Planer, die Sportstätten wie die Schulsporthallen in Zukunft für alle Gröditzer zu öffnen. „Das geht schon aus Sicherheitsgründen nicht“, wandten Lehrer ein. Eine Kerbe, in die auch Erhard Schreiber schlug: „Den Gedanken gab es schon mal. Wenn wir das machen, finden wir unsere Sportanlagen in keinem guten Zustand wieder.“

Neben der Skepsis wurden aber auch Probleme vieler Vereine angesprochen: Klamme Kassen, fehlende Übungsleiter, weite Wege für Nachwuchssportler.

Bündeln will die Stadtverwaltung Anregungen, Probleme und Vorschläge über einen Projekt-Fragebogen, den möglichst viele Gröditzer ausfüllen und im Bürgerbüro des Rathauses abgeben sollen. Die Ergebnisse der Befragung werden Anfang Juli präsentiert und bilden die Grundlage für die weitere Diskussion darüber, wie die „Generationen in Bewegung“ gesetzt werden können.

Den Fragebogen gibt es unter www.groeditz.de