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Tanzen statt Rechnen

An Grundschulen im Kreis gab es zum Schulstart Projektwochen statt Unterricht. Das irritierte manche, hat aber einen Grund.

© Matthias Weber

Von Mario Sefrin

Landkreis. Für die Grundschüler im Landkreis ist der Schulalltag längst eingekehrt. Zum Start des neuen Schuljahres vor wenigen Wochen war das dagegen nicht der Fall, wie Eltern irritiert feststellten und sich darum an die SZ wandten. Da gab es für die kleinen Schüler in Mittelherwigsdorf, aber auch in vielen anderen Grundschulen im Landkreis, keinen regulären Stundenplan.

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In Zeiten, in denen es an sächsischen Schulen an allen Ecken und Enden an Lehrern fehlt, ist da natürlich schnell die Vermutung zur Hand, dies sei der Grund für die fehlenden Stundenpläne. Doch das sei trotz der angespannten Lage bei den Lehrern meist nicht der Grund gewesen, sagt Angela Ruscher, Sprecherin der Bildungsagentur Bautzen. „An Grundschulen ist es üblich, dass an den ersten Tagen eines neuen Schuljahres Projektwochen durchgeführt werden“, so Angela Ruscher. Vor allem für die 1. Klassen seien solche Projektwochen üblich, damit sich die Schüler untereinander erst einmal kennenlernen können. „An den Förderschulen sind solche Kennenlern-Wochen ohnehin üblich“, erklärt Angela Ruscher. Zwar schränkt auch die Bildungsagentur-Sprecherin ein, dass mitunter auch die Lehrersituation ein Grund für fehlende Stundenpläne sein kann – vor allem mit fortschreitendem Schuljahr. „Manchmal ist die Versorgung mit Lehrern nicht so abgesichert, wie es sein müsste, und dann bleiben Planänderungen natürlich nicht aus“, so Frau Ruscher. Doch die Schulleitungen, die für die Schulführung verantwortlich seien, hätten das meist gut im Griff.

Zu Hilfe kommt den Grundschulen jedenfalls, dass die Durchführung von Projektwochen ohnehin von staatlicher Seite vorgegeben ist. „Viele Schulen nutzen das und führen zum Schuljahresstart eine Projektwoche durch“, weiß Angela Ruscher. Das bestätigt Katrin Zwahr, die derzeit gleich für zwei Grundschulen als Schulleiterin arbeitet: für ihre eigentliche Schule in Mittelherwigsdorf und – abgeordnet – für die Grundschule in Olbersdorf. Sie und ihre Lehrerkollegen an den beiden Grundschulen sehen die Projektwochen zum Schuljahresstart als sehr sinnvoll an. „Das verschafft uns als Schule noch etwas Luft“, sagt Katrin Zwahr. Könnten doch in dieser Zeit noch Planungen fertiggestellt und die Grundlagen für das bevorstehende Schuljahr geschaffen werden.

An der Grundschule in Olbersdorf hat es in diesem Jahr zum Start des neuen Schuljahres gleich zwei Projektwochen gegeben, so Katrin Zwahr. Wie sie selbst gelernt hat, haben die dortigen Kollegen schon viel Erfahrung damit: „In Olbersdorf gibt es schon länger die Projektwoche ,Lernen lernen’ für die neuen Grundschüler“, sagt die Schulleiterin. „Da haben die Lehrer Zeit, mit den neuen Schülern über Regeln, Rituale und das Leben in der Schule zu sprechen.“ Und natürlich übers eigenständige Lernen, das wichtig für die Schulanfänger ist. Doch auch für die größeren Grundschulklassen ist zum Schuljahresbeginn Projektzeit angesagt. „Die 2. Klassen haben zum Beispiel Besuch vom Familienbüro bekommen, die 4. Klassen haben sich mit Demokratie beschäftigt“, sagt Katrin Zwahr. Daneben gab es Bibliotheksbesuche, Schulsporttage, „Tanzpartys“ oder Übungen mit dem Fahrrad – Dinge, für die sonst im normalen Schulalltag nur wenig Zeit bleibt, wie Katrin Zwahr sagt.

Während man in Olbersdorf und Mittelherwigsdorf schon viel Erfahrung mit Projektwochen zum Schulstart hat, haben die Lehrer und die Schulleiterin der Grundschule Kleindehsa damit in diesem Jahr Neuland betreten – zumindest etwas. „Nach Absprache im Kollegium haben wir zum ersten Mal eine Projektwoche für alle Klassen zum neuen Schuljahr durchgeführt“, sagt Schulleiterin Katrin Platzek. Bislang habe es eine solche Woche nur für die Schulanfänger gegeben, nun erstmals für alle Klassen. Für Katrin Platzek und ihre Kollegen war das die richtige Entscheidung: „Das ist eine gute Idee. Die Schüler können nach den Ferien erst einmal wieder in der Schule ankommen.“ Auch den Kindern habe das umfangreiche Projektangebot aus Musik, Sport und Kunst sehr gut gefallen, sagt Katrin Platzek. Und da es schon einen Stundenplan an der Schule gab, habe sich auch die eine oder andere Unterrichtsstunde in die Projektwoche gemischt, erklärt die Schulleiterin.

Stundenpläne und Unterricht gibt es mittlerweile auch an den Grundschulen in Olbersdorf und Mittelherwigsdorf wieder. Darüber werden sich vor allem die Schulanfänger freuen: „Einige Erstklässler waren enttäuscht, als sie erwartungsfroh und ungeduldig in die Schule kamen und es statt Unterricht Projektwochen gab“, sagt Schulleiterin Katrin Zwahr.