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Tanzminiaturen im Fußgängertunnel

Ein absoluter Hingucker: Der Abschluss des Großenhainer Kultursommers war mit der Tanzcompagnie der Landesbühnen Sachsen hochkarätig besetzt.

Kultursommer: Im Berliner Tunnel präsentierten Choreograf Wagner Moreira und Tuan Ly (Bild) ihre Tanzminiaturen "BeethovenTodayActions“.
Kultursommer: Im Berliner Tunnel präsentierten Choreograf Wagner Moreira und Tuan Ly (Bild) ihre Tanzminiaturen "BeethovenTodayActions“. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Die Passanten, die von Kleinraschütz in die Großenhainer Innenstadt wollten, mussten für eine Viertelstunde innehalten: Im Fußgängertunnel, der die Berliner Bahnstrecke unterquert, wurde getanzt. Wagner Moreira, Leiter der Tanzcompagnie der Landesbühnen Sachsen und der Solotänzer Tuan Ly gaben zwei Meter unter den Gleisen eine ungewöhnliche Vorstellung. 

Vor einer Kulisse frisch aufgebrachter Graffiti und Wandmalereien tanzten die beiden unter anderem zu Klängen von Ludwig van Beethovens 5. Sinfonie. „Es ist schon spannend, diesen Kontrast tänzerisch umzusetzen“, sagt Wagner Moreira. „Auf der einen Seite die Hochkultur, die Beethoven verkörpert. Auf der anderen die Straßenkultur Graffiti.“

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Die Aufführung im Berliner Tunnel war die Premiere für die Veranstaltungsserie „BeethovenTodayActions“. Zum 250. Geburtstag des Meisters performen Mitglieder der Landesbühnen als Solisten und im Duett zeitgenössisches Tanztheater an außergewöhnlichen Orten wie Bahnhöfen, Brücken, Wohnzimmern, Gärten, Straßen, Bussen, Straßenbahnen und im Internet. 

Da wir das Jahr 2020 schreiben, wird insgesamt ebenso viele Minuten, also mehr als 33 Stunden, getanzt. „BeethovenTodayActions“ war einer der Höhepunkte des Großenhainer Kultursommers. Der vierte und damit letzte Veranstaltungstag fand diesmal auf der Hillerwiese an der Berliner Straße statt.

Während die Tänzer im Fußgängertunnel ihre Performance trocken über die Bühne brachten, mussten die Zuschauer draußen ihre Regenschirme aufspannen. Pünktlich zu Veranstaltungsbeginn begann es, erst zu donnern, dann zu tröpfeln und schließlich zu nieseln.

 Dennoch kamen fast 100 Gäste, und etliche blieben eisern bis zum Schluss. Sie bekamen einen Auftritt des Großenhainer Frauenchores „Cantores“ geboten, einen Einakter der Spielbühne und schließlich Songs zur Gitarre mit der Lokalmatadorin Nadine Weichenhain. 

Die junge Sozialpädagogin wohnt zwar mittlerweile in der Sächsischen Schweiz, aber ihre Auftritte bei diversen kulturellen Events der Röderstadt sind unvergessen. „Es ist schon ein schönes Gefühl, wenn Leute wegen mir hierherkommen“, sagt die Amateurmusikerin.

Mit ihrem Programm aus Rock-, Pop- und Folksongs der sechziger bis achtziger Jahre gab sie dem Kultursommer einen stimmungsvollen Abschluss. Eigentlich sollte am Freitagabend eine ganz andere Aktion im Mittelpunkt stehen. 

Seit Ferienbeginn hatte der Maler und Grafiker Sebastian Bieler mit Großenhains Sprayer-Jugend den Fußgängertunnel an der Berliner Straße neu gestaltet. „Wir waren hier das letzte Mal vor zehn Jahren zugange“, erzählt der Künstler, „acht Wochen lang mit 135 Leuten.“

 Die Farben seien nach so langer Zeit extrem ausgeblichen gewesen und ein Teil der Werke übermalt oder beschmiert worden. Gemeinsam mit mobiler Jugendarbeit und dem Rollladen-Verein organisierte Bieler eine neue Sprayer- und Wandmaler-Aktion. „Wir arbeiten ja ohnehin mit Maske und Handschuhen“, erklärt er. Deshalb sei das auch in Corona-Zeiten kein Problem gewesen.

Insgesamt 90 Teilnehmer verzierten die Tunnelwände mit Drachen und Göttern, Robotern, fliegenden Häusern und futuristischen Stadtbildern. Viele der jungen Leute empfanden die Aktion als Befreiung aus der Corona-Isolation und waren entsprechend motiviert. 

So auch der 15-jährige Großenhainer Pierre Bunzel. „Witzigerweise hat meine Oma entdeckt, dass in den Ferien so eine Aktion stattfindet“, erzählt er. Da habe er einfach mal vorbeigeschaut, und es stellte sich heraus, dass er ziemlich gut Schablonen herstellen kann. Fast alle seien durch seine Hände gegangen, und er habe auch selbst ein paar Figuren eingebracht.

„Zum Beispiel den kleinen Wolf dort drüben“, sagt Pierre. Und beim T-Shirt-Drucken sei er auch dabei gewesen. „Beim nächsten Projekt“, so der junge Großenhainer, „bin ich definitiv wieder dabei.“

Großenhains OB Sven Mißbach wollte beim Kultursommer-Abschluss die künstlerischen Anstrengungen seiner Stadtjugend eigentlich ausgiebig würdigen. Aber weil es regnete und das Publikum sich lieber unter den Bäumen und Vordächern der Imbiss-Stände in Sicherheit brachte, verzichtete er darauf. „Das wird nachgeholt“, sagte er. 

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