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Das Tarif-Niemandsland an der Neiße

Der Zittauer Rentner Valentin Junker hat eine deutsche und eine tschechische Jahreskarte für die Bahn. Doch wenn er die Grenze überquert, muss er extra zahlen.

Ein Trilex in Zittau. Wer ab dort weiterfährt, für den tut sich eine Tarifgebietslücke auf.
Ein Trilex in Zittau. Wer ab dort weiterfährt, für den tut sich eine Tarifgebietslücke auf. ©  Rafael Sampedro

Wenn es um ökologisch korrekte Mobilität geht, ist der Zittauer Valentin Junker ein echtes Musterbeispiel. Jeden Monat kauft sich der 73-Jährige für 38 Euro die Monatskarte für den Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon). Weil er aus Böhmen stammt, ist er auch regelmäßig in Tschechien unterwegs. Dafür kauft er sich schon seit vielen Jahren die Senioren-Jahreskarte für den benachbarten Liberecer Verkehrsverbund IDOL - mit einem Jahrespreis von umgerechnet 20 Euro ein echtes Schnäppchen. Trotzdem muss Valentin Junker jedesmal zusätzlich bezahlen, wenn er bei Zittau mit dem Zug über die Grenze fährt. Und das hat einen kuriosen Grund.

"Es ist verrückt", sagt Junker, "zwischen Zittau und Hradek fährt man durch tarifliches Niemandsland." Denn die Gültigkeit seines Zvon-Tickets endet nicht etwa an der Staatsgrenze, sondern am letzten Bahnhof davor - eben Zittau. Und seine tschechische Jahreskarte gilt erst ab Hradek. 26 Kronen, umgerechnet etwa 1,10 Euro, muss Junker deswegen jedesmal für die rund sechs Kilometer Strecke zahlen - und auf dem Rückweg noch mal. "Ich fahre da mindestens einmal pro Woche lang. Da ist in den letzten vier Jahren schon eine Menge zusammengekommen", sagt der ehemalige Eisenbahn-Ingenieur.

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Dabei geht es Valentin Junker gar nicht in erster Linie ums Geld. "Es ist einfach so lästig und umständlich", sagt er, "es wäre hier im Dreiländereck doch sinnvoll, wenn sich die Tarifgebiete grenzüberschreitend überschneiden oder wenigstens nahtlos einander anschließen würden. Er weiß, dass es eigentlich ganz einfach funktionieren würde. Bis vor einigen Jahren hat Junker in Nordrhein-Westfalen gelebt. "Im Aachener Raum etwa, wo Deutschland an Belgien und die Niederlande grenzt, klappt das hervorragend", sagt er. Auch am Oberrhein zwischen dem deutschen Kehl und dem französischen Straßburg gebe es einen nahtlosen Übergang zwischen den Verkehrsverbünden, nennt er ein weiteres Beispiel. "Da geht das, warum hier nicht?", fragt sich der Rentner.

Valentin Junker ist nicht untätig geblieben. "Ich habe sie alle angeschrieben. Den Zvon, den IDOL und sogar den Ministerpräsidenten", sagt er. Das Ergebnis: durchwachsen. "Die Tschechen haben sich gar nicht gerührt", sagt Junker. Der Zvon schrieb ihm zuletzt: "Der durch Sie dargestellte Sachverhalt ist uns und unseren Kollegen beim Verkehrsverbund im Kraj Liberec bekannt." Man arbeite gemeinsam mit den Kollegen in einem EU-Projekt zusammen. Hauptthema sei die "Weiterentwicklung unseres grenzüberschreitenden Euro-Neisse-Tickets." Das allerdings nutzen Kunden wie Valentin Junker nicht. Das "Euro-Neisse-Ticket ist eine Tageskarte, die will Junker ja nicht noch zusätzlich lösen. "Dieses Projekt geht nun schon seit drei Jahren und seit drei Jahren bekomme ich immer ähnliche Antworten", sagt Valentin Junker verärgert. Auch auf SZ-Anfrage beim Zvon gab es keine erhellende Auskunft zu dem Tariflücken-Problem. "Ich habe den Eindruck, hier gilt die Neiße immer noch als die rote Linie, die man nicht überschreitet, obwohl es im vereinten Europa eigentlich keine Grenzen in diesem Sinne mehr geben sollte, sondern nur Regionen", sagt Junker.

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