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Tharandts Delikatessen

Die Fleischerei Rüger besteht seit fast 70 Jahren. Nun übernimmt die dritte Generation den Familienladen – mit neuen Ideen.

Von Verena Weiß

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Es scheint alles beim Alten, zumindest außen. Die „Fleischerei Rüger“ prangt noch in bekannter Form über dem Eingang. Nur der Schriftzug auf der Fensterscheibe macht neugierig: „Neueröffnung“ steht dort geschrieben. Das Fleischereigeschäft auf der Roßmäßler Straße in Tharandt ist im Wandel, genau genommen im Generationswechsel.

Auch äußerlich soll sich in den nächsten Tagen etwas ändern.
Hausgemachter luftgetrockneter Schinken ist eine Spezialität.

Annett und André Borgwardt haben den Laden seit diesem Monat von ihren Eltern übernommen und führen damit nicht nur den Familienbetrieb weiter, sondern ein Traditionsgeschäft. Seit 1947 gibt es die Fleischerei Rüger, hier im Tharandter Stadtzentrum. Elfriede und Manfred Rüger haben das Geschäft aufgebaut, die Großeltern der neuen Firmeninhaber. Was Oma und Opa einst schafften und an ihre Kinder weitergaben, kommt nun in die dritte Generation und erfährt dabei Neues. Nach den Weihnachtsfeiertagen ging es der alten Einrichtung im Bistro an die Substanz. Es wurde gewerkelt, aufgearbeitet und gemalert, was die Kräfte hergaben, mit Unterstützung der Familie und Freunden. Im Inneren des Hauses ist die Arbeit sichtbar: Das zuvor kühl wirkende Bistro ist völlig renoviert und macht nun einen modernen und gemütlichen Eindruck. Wer hier zum Mittagessen vorbei schaut, wird überrascht sein. Die alte Theke wurde aufgearbeitet, ist kaum wiederzuerkennen, genauso die Sitzmöbel. Die Hängelampen erinnern nicht nur an alte Milchkannen, sie sind es. „Damit hat Opa Ingolf die Milch auf dem Fahrrad transportiert“, erinnert sich André Borgwardt. Die Fensterläden vom alten Hühnerstall wurden zur Menü-Tafel umfunktioniert. „Da hängen Erinnerungen dran“, sagt der 35-Jährige und genau das ist es, was die beiden Geschwister erhalten wollen. Die Tradition ihrer Familie im eigenen Elternhaus weiterzuführen, sei die eine Sache, sagen sie. Den Spagat zu schaffen, zugleich Neues zu wagen, mit der Zeit zu gehen und eine eigene Note zu setzen, auch das wollen die gebürtigen Tharandter. André Borgwardt ist gelernter Koch, hat den Großteil seiner Karriere in Dresden und im Allgäu verbracht, sich in verschiedenen Küchen, als Mietkoch und als Caterer einen Namen gemacht und ist dabei vor allem durch eine moderne und qualifizierte Kochschule gegangen. Seine Schwester Annett ist gelernte Bürokauffrau, arbeitete zehn Jahre lang in München als Buchhalterin und Marketingassistentin. Mit der Geburt ihres ersten Kindes kam die heute 38-Jährige wieder zurück in die Heimat. Nun wagen beide gemeinsam den Start im Familienbetrieb. Die Idee dazu kam ihnen bei einem gemütlichen Abend mit der Familie, „bei zu viel Rotwein“, sagt André Borgwardt schmunzelnd. Dann wird er nachdenklich: „Warum sollten wir nicht das weiterführen, was unsere Familie geschaffen hat?“ Leicht hatten es ihre Eltern Christina und Ingolf, die das Geschäft nach der Wende von ihren eigenen Eltern übernahmen, dabei keineswegs. Da war das Hochwasser 2002. Lange war die Tür vor ihrem Geschäft eine Großbaustelle. Dann die zunehmende Konkurrenz der Großmärkte. „Unsere Eltern haben immer wieder die Kraft gefunden, weiterzumachen“, sagt Annett Borgwardt. Nun sei es an ihnen. Die Umbauten und das neue Aushängeschild, das bald die Fassade schmücken soll, sind nicht die einzigen Änderungen. Die Neugründung zur Tharandter Spezialitätenmanufaktur zieht sich auch durch die Kulinarik. Die hauseigene Fleischerei bleibe erhalten, versichern die Geschwister. Das Bistro heißt künftig „Zur Einkehr“. Doch die Ideen der beiden gehen weiter. Bald soll es eine Kochschule geben, auch der Kita-Nachwuchs zum Kochen vorbeikommen. Bei allem Neuem: Die Geschwister wollen bei den Wurzeln bleiben. „Wir machen weiterhin eine solide, bodenständige Küche, aber modern“, sagt Koch André Borgwardt, eben getreu dem Motto: „Genieß die Region“. Ob das bei Tharandtern und Gästen ankommt? „Wir haben gute Rückmeldungen“, sagt Annett Borgwardt zuversichtlich. Beide sind keine Neulinge im Geschäft, erst recht nicht im Elternhaus.

Die Fleischerei ist außer montags von 8-18 Uhr, samstags von 8-11 Uhr geöffnet; das Bistro ist montags bis freitags von 8-14 Uhr offen; erweiterte Zeiten geplant

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