merken
PLUS

Feuilleton

So war der "Tatort" aus Göttingen

Im Sonntagskrimi "Krieg im Kopf“ küsst die nach Göttingen strafversetzte Kommissarin den Freund ihrer Kollegin und gerät in eine perfide Form von Gehirnwäsche.

Charlotte (Maria Furtwängler) in der Gewalt von Benno Vegener (Matthias Lier).
Charlotte (Maria Furtwängler) in der Gewalt von Benno Vegener (Matthias Lier). © NDR

Ein Mann dreht durch. Er hält Kommissarin Charlotte Lindholm das Messer an die Kehle. Verlangt Aufklärung. Redet wirres Zeug. Hört Stimmen. Sein Messer ritzt den Hals der Bedrohten. Angstverzerrt ihr Gesicht. Ihre neue Kollegin, Kommissarin Anais Schmitz, zieht den Revolver. Der Schuss trifft den Mann im Kopf. Er ist sofort tot. „Gut gezielt“, sagt die Gerettete.

Der „Tatort: Krieg im Kopf“ beginnt wie ein Thriller und bleibt es bis zum Schluss. Autor Christian Jeltsch erzählt die fiktive Geschichte eines misslungenen Bundeswehreinsatzes in Mali. Bei einem Gefecht erschießt eine Soldatin sechs ihrer Kameraden. Sie trägt einen Hightech-Helm, der sie manipuliert und zum Roboter macht. Doch das streng geheime Experiment läuft schief, die Soldatin schießt in die falsche Richtung. Der Vorfall wird vertuscht. Die Öffentlichkeit soll über den militärischen Hintergrund nichts erfahren. Das weiß der Zuschauer natürlich erst zuletzt.

Gesicherte Nahversorgung in der Elbgalerie
Gesicherte Nahversorgung in der Elbgalerie

Die Apotheke, Drogerie und der Lebensmittelhandel haben in der Elbgalerie weiterhin für Sie geöffnet und freuen sich auf Ihren Besuch.

Was nach Verschwörungstheorie klingt, ist technisch schon möglich. Versuche, das menschliche Hirn zu manipulieren, hat es in der Forschung bereits gegeben. Die traumatisierten Überlebenden des Mali-Einsatzes werden in Deutschland behandelt. So Einsatzleiter Benno Vegener, der Mann mit dem Messer, und die im Rollstuhl sitzende Soldatin. Der „Tatort“ aus Göttingen treibt den Plot auf die Spitze, um vor Gehirnwäsche und ihren inhumanen Folgen zu warnen. Beide Kommissarinnen werden vom Militärischen Abschirmdienst in der Arbeit behindert und selber ferngelenkt manipuliert. Das wirkt dick überzogen. Der Film ist gut besetzt, die Regie arbeitet mit schnellen Schnitten, harten Rückblenden und moralischen Appellen. Aber auch mit Küchenpsychologie, Klischeebildern (verängstigtes Kind im Schrank, erwürgte Frau in Badewanne) und viel Fach-Kauderwelsch.

Das Verhältnis zwischen den Kommissarinnen bleibt schwierig. Charlotte Lindholm, kühl und beherrscht von Maria Furtwängler gespielt, „bedankt“ sich auf ihre Weise für die Rettung und küsst innig den Freund ihrer Kollegin. Anais Schmitz, verkörpert von der aus Uganda stammenden Florence Kasumba, lässt sich Eifersucht nicht anmerken. Sie tanzt ihren Frust gegen die Stimmen im Ohr einfach weg. Beide Polizistinnen sind aus ähnlich hartem Holz geschnitzt, neigen zu Alleingängen und sind „extreme Alphafrauen“, wie Maria Furtwängler sagt. Da kommt wohl noch einiges auf uns zu.

Mehr zum Thema Feuilleton