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Tatort Linienbus

Wieder kam es zu Streit. Wieder gab es Gewalt. Diesmal sollen zwei Marokkaner Schüler belästigt und geschlagen haben.

Von Mandy Schaks

Die Stimmung im Osterzgebirge ist ohnehin schon aufgeheizt. Nach der Massenschlägerei im Asylbewerberheim in Schmiedeberg, bei der am Dienstagabend vor einer Woche etwa 40 Tunesier und Eritreer aufeinander losgegangen waren, sind viele Menschen wie elektrisiert. Sie beobachten genau jedes Polizeifahrzeug, schrecken hoch, wenn die Sirene geht oder ein Krankenwagen mit Blaulicht auf der B 170 Richtung Schmiedeberg donnert. Dann klingeln auch die Telefone in der SZ-Redaktion, melden sich besorgte Anwohner und wollen wissen, was schon wieder los ist. Dann machen auch schnell Gerüchte die Runde. Genau in diese heikle Situation platzte gestern eine Nachricht, welche sich im Laufe des Tages erhärten sollte. Wie die Polizei am Nachmittag bestätigte, ist es wieder zu einer Auseinandersetzung gekommen. Diesmal aber in aller Öffentlichkeit, und diesmal sind Schüler betroffen und auch verletzt. Passiert ist das alles gestern Morgen während einer Busfahrt auf der Linie 360 von Altenberg in Richtung Dippoldiswalde.

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Nach Angaben der Polizei saßen im Linienbus unter anderem zwei Männer im Alter von 19 und 29 Jahren, die aus Marokko stammen. Sie sollen ein Mädchen, das auch im Bus mitfuhr, angesprochen und gegenüber der 17-Jährigen beleidigende, sexuelle Anspielungen gemacht haben. Zwei Mitschüler – 17 und 18 Jahre alt – sollen das mitgekriegt haben und dem Mädchen zu Hilfe gekommen sein. Nach bisherigen Ermittlungen habe daraufhin einer der Marokkaner (29) dem 17-Jährigen ins Gesicht geschlagen, berichtet die Polizei. Der zweite Mann soll den anderen Jugendlichen in den Rücken getreten haben. Plötzlich hatte dann der 29-Jährige noch ein Taschenmesser in der Hand, soll damit herumgefuchtelt und dem 18-Jährigen damit gedroht haben. Die beiden Jugendlichen wurden laut Polizei leicht verletzt. Eine medizinische Versorgung sei allerdings zum Glück nicht notwendig gewesen. Das Mädchen selbst blieb unverletzt. Businsassen hatten noch während der Fahrt die Polizei gerufen. So war es möglich, dass die Beamten beide Tatverdächtigen gegen 7.15 Uhr noch im Bus vorläufig festnehmen konnten. Die Polizisten fanden auch das Taschenmesser, das unter einer Bank im Bus lag. Die beiden Männer wurden mit auf das Polizeirevier genommen. Im Zuge der Ermittlungen und Vernehmungen stellte sich heraus, dass offenbar noch ein weiteres Mädchen belästigt worden war. Sie sollte noch gestern Nachmittag von der Polizei befragt werden.

Die Polizei ermittelt nun gegen die beiden Marokkaner wegen Körperverletzung und Beleidigung mit sexuellem Hintergrund. Woher die beiden kamen und wohin ihre Reise gehen sollte, dazu machte die Polizei keine Angaben. Nach SZ-Informationen soll es sich dabei um zwei Asylbewerber handeln, die im Heim in Schmiedeberg untergebracht sind.

Der Vorfall ging wie ein Lauffeuer durch die sozialen Netzwerke und wurde massiv zum Anlass genommen, um Hass pauschal gegen Ausländer zu schüren. In Kommentaren wurde offen zu Selbstjustiz aufgerufen. Landrat Michael Geisler (CDU) redet Klartext: „Ich erwarte, dass Straftäter hinter Schloss und Riegel kommen.“ Er habe noch gestern mit Innenminister Markus Ulbig (CDU) persönlich darüber gesprochen. Gleichzeitig werde er die Gelegenheit nutzen, bei Justizminister Sebastian Gemkow, ebenfalls CDU, diese Thematik anzusprechen, der demnächst nach Dippoldiswalde kommen soll. „In Fragen der Sicherheit muss in unserem Landkreis endlich etwas passieren, so geht es nicht weiter!“, sagt Geisler.