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Tatverdächtiger in U-Haft

Gegen einen 28-Jährigen aus Marokko wird wegen Totschlags ermittelt. Er soll Sonntagmorgen einen Landsmann erstochen haben. Zum Motiv schweigt er.

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Von Tobias Wolf

Er trägt einen grünen Jogginganzug und die Hand ist verbunden. Sein Gesicht schirmt der 28-Jährige vor den Blicken der Passanten ab, als er gestern kurz vor 14 Uhr dem Richter vorgeführt wird, der ihn in Untersuchungshaft nehmen lässt. Gegen den aus Marokko stammenden Mann wird nun wegen Totschlags ermittelt. Er soll am Sonntagmorgen im Asylheim in der Tharandter Straße einen 32-jährigen Landsmann mit einem Messer so schwer verletzt haben, dass dieser noch am Tatort verstarb. Das Motiv ist unklar, so die Staatsanwaltschaft.

Nach Angaben der Polizei war ein Streit eskaliert. Der 28-Jährige war noch in der Nähe der Unterkunft festgenommen worden. „Wir alle sind schockiert über die Tat. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden des Opfers“, sagt Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos). Nun haben Rathaus und der Betreiber Human Care die Sicherheitsvorkehrungen in der Unterkunft verschärft, bis die Tat aufgeklärt ist. Seit gestern ist der nächtliche Wachdienst ausgeweitet, von 18 bis 8 Uhr, statt von 22 bis 4 Uhr, bestätigt Volker Bühring, der Landesbeauftragte der Human Care GmbH. Es handele sich dabei um einen vorläufigen Schritt, der nur das Heim in der Tharandter Straße betreffe. Der Wachdienst solle auch schauen, wer ins Heim hineingehe. Die beiden Marokkaner waren keine Bewohner der Unterkunft. Einer war einem anderen Dresdner Übergangswohnheim zugewiesen, der andere fehlte in seiner Unterkunft, so Rathaussprecherin Nora Jantzen. Aus Sicht der Stadt ist es fraglich, ob ein Wachmann den tödlichen Streit hätte verhindern können. Die Flüchtlinge lebten in einem Wohnheim, keiner Vollzugsanstalt, so Jantzen weiter. Die Asylbewerber können Besucher empfangen. Die dürfen aber nicht über Nacht bleiben.

Das Netzwerk „Willkommen in Löbtau“ kümmert sich nun um die eigentlichen Bewohner des Heims, bietet Rückzugsräume an. Die Flüchtlinge haben große Angst, dass die Stimmung im Viertel kippen könnte, berichtet Frederik Kuschewski, ein Sprecher des Netzwerks. „Wir sind Freunde, die da sind und in dieser Situation helfen wollen“, sagt er. Bislang hätten die Asylbewerber das Heim als das beste in Dresden eingeschätzt, auch weil die Nachbarschaft sehr offen sei.