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Tausche Ford gegen Wartburg

Parole rückwärts: Seit Sonnabend hat Pirna ein kleines DDR-Museum.

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Von Michael Rasche

Leise tönt „Sag mir, wo du stehst“ aus dem jahrzehntealten Kassettenrekorder, es riecht muffig, ein kleines Mädchen im Pionieranzug flitzt durch die Gänge: Am Sonnabend hat Conny Kaden in Rottwerndorf in einer ehemaligen Lagerhalle sein DDR-Museum eröffnet, das Pionier-Mädchen ist seine elfjährige Tochter Linda.

Auf knapp 250 Quadratmetern hat der Pirnaer alles zusammengestellt, was er aus DDR-Zeiten finden konnte: So sind nun ein voll eingerichtetes Wohnzimmer, ein Schlafzimmer, eine Küche, ein Bad zu sehen, auch ein Klassenzimmer ist dabei. Das hat er aus der alten Schule in Langenhennersdorf. Weil sein Museum auch zum Anfassen einladen will, können nun seine Gäste an einer Original-DDR-Schulbank Platz nehmen, in alten Büchern blättern. „Vor allem die Geographie- und Geschichtsbücher sind interessant“, meint Conny Kaden. Zwischen den Zimmern finden sich eine Ecke mit Kassettenrecordern und Schallplattenspielern, eine Vitrine mit Pionier-Abzeichen, gesammelte DDR-Postkarten. Ein DDR-Führerschein ist auch dabei. Kadens Schwager hat den gespendet. Er selbst will nächste Woche seinen Ford abmelden und sich einen Wartburg kaufen.

Den Job fürs Museum geopfert

Seit gut zwölf Jahren sammelt Conny Kaden alle Ostalgie-Andenken, die er finden kann. Seine Freunde wissen inzwischen: Wenn sie was aus der DDR finden, muss es sofort zu Conny. Und manche besondere Rarität hat Kaden auch über das Internet ersteigert. „Bis vor kurzem quoll meine Wohnung über mit DDR-Möbeln, Bildern, Geräten. Jetzt ist alles hier, und ich muss mich neu einrichten“, meint der 42-Jährige lächelnd. Sogar seinen Job als Kraftfahrer hat er für das Museum an den Nagel gehängt. Besonders stolz ist er auf den Kühlschrank „Kristall 63“, der nun in der Museumsküche steht. „Der geht sogar noch“, meint Kaden und öffnet die Tür: Das Bier und die Würstchen für den Grillstand werde darin gekühlt. Direkt daneben steht ein alter Herd, auch der ist noch betriebsbereit. Zu Weihnachten soll er den Glühwein kochen.

So will Kaden in seinem Museum regelmäßig Ecken thematisch umgestalten. Auch Dia-Abende wird er anbieten. Aus der Schule hat er Serien über ferne Länder und über die FDJ mitgebracht. Verherrlichung eines Unrechtsregimes lässt er sich dabei nicht vorwerfen: „Ich stelle alles nur genau so aus, wie es war.“ Sein Museum besuchen sollen die Menschen von hier. Sätze wie „Schau doch mal, das kenn ich doch“, möchte er ihnen entlocken. Natürlich sind auch Gäste, die die DDR nicht kennen, gern gesehen. „Leute, die zum ersten Mal bei uns sind, können sich doch gar nicht vorstellen, wie wir vor 15 Jahren gelebt haben.“ Auf 40 Besucher pro Tag hofft Kaden, am Eröffnungstag waren es über 50.