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Tausende besuchen die Osterreiter

Die Prozession lockte wieder Besucher aus nah und fern nach St. Marienthal. Manch einer war schon am Vorabend da.

Von Rolf Hill

Wie an jedem Ostersonntag erklangen auch diesmal pünktlich, 13 Uhr, alle Glocken in Ostritz, um die bevorstehende, nun schon 386. Saatreiterprozession anzukündigen. Rechtzeitig hatten sich die Kreuzträger vor der katholischen Kirche „Mariä Himmelfahrt“ eingefunden, um hier das von einer Stola umwundene Kreuz mit dem Abbild Jesu Christi in Empfang zu nehmen. Nach einem Segensgebet traten die Fahnenträger, Geistliche beider Konfessionen und die insgesamt etwa 90, elegant im feinen Zwirn gekleideten Reiter, angetan mit blitzblank geputzten Stiefeln und dem obligatorischen Zylinder, auf dem Rücken ihrer ebenfalls prächtig herausgeputzten Pferde ihren feierlichen Ritt um die Stadt an.

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Egal, wo die Reiter entlangkamen: Die Aufmerksamkeit der vielen Schaulustigen war ihnen gewiss. Das sonnige Wetter trug seinen Teil zum Gelingen der diesjährigen Veranstaltung bei. Fotos (2): Matthias Weber
Egal, wo die Reiter entlangkamen: Die Aufmerksamkeit der vielen Schaulustigen war ihnen gewiss. Das sonnige Wetter trug seinen Teil zum Gelingen der diesjährigen Veranstaltung bei. Fotos (2): Matthias Weber
Im Klosterhof von St. Marienthal und an vielen anderen Stellen standen sie: Die mehreren Tausend Besucher des 386. Ostersaatreitens in Ostritz. Der sorbisch-katholische Brauch wird seit 1993 gemeinsam mit evangelischen Christen begangen. Foto: Matthias We
Im Klosterhof von St. Marienthal und an vielen anderen Stellen standen sie: Die mehreren Tausend Besucher des 386. Ostersaatreitens in Ostritz. Der sorbisch-katholische Brauch wird seit 1993 gemeinsam mit evangelischen Christen begangen. Foto: Matthias We

Allerdings war man gut beraten, etwas zeitiger in Richtung Ostritz aufzubrechen, wollte man das ganze Schauspiel von Anfang an in Ruhe miterleben und vor allem unweit des Zisterzienserinnen-Klosters St. Marienthal, was stets im besonderen Besucherinteresse steht, noch einen günstigen Parkplatz bekommen. Lange vor der für 13.45 Uhr avisierten Ankunft der Prozession hatten sich im Klosterhof und rundherum unzählige Menschen aus nah und fern eingefunden, um dicht aneinandergedrängt das erwartete Geschehen miterleben zu können. Kein Wunder, bildet doch seit jeher diese Station den Höhepunkt des Geschehens. So fanden sich auf dem Parkplatz Busse aus Sachsen-Anhalt und sogar aus Friedrichroda im Freistaat Thüringen. Dann war es so weit: Trompetenklänge kündeten von der Ankunft des Zuges. Dreimal umrundeten Ross und Reiter unter den bewundernden Blicken Tausender Besucher den Klosterhof. Nun begrüßte die Äbtissin Regina Wollmann die Reiter und bedankte sich für das Überbringen der Osterbotschaft. Dabei betonte sie erneut, dass es sich hier nicht um ein herkömmliches Volksfest handelt, sondern um einen echten Gottesdienst, lediglich in anderer Form. Allerdings geht man heute allgemein davon aus, dass gerade das Ostritzer Saatreiten die bereits vorchristlichen Wurzeln des Osterreitens deutlich macht. Das zeigt sich darin, dass hier nicht nur das Osterevangelium verkündet wird, sondern die Menschen auch um eine gute Ernte bitten. Übrigens wird der ursprünglich rein sorbisch-katholische Brauch seit 1993 in ökumenischer Gemeinschaft gepflegt.

Nach der Verkündigung des biblischen Lukas-Evangeliums setzte sich der Zug auf der Schäfereistraße in Richtung Ostritzer Flur in Bewegung. Am Hutbergkreuz, der vorletzten von insgesamt fünf Stationen, gedachten die Teilnehmer der Prozession der in den vergangenen Jahren verstorbenen Saatreiter.

„Wir sind bereits zum dritten Mal hier gewesen“, erzählten Christine und Frank Kasper aus Waltersdorf. Diesmal hatten sie ihre Enkel mitgebracht, denen natürlich besonders die Pferde gefielen. Der Löbauer Michael David war zu Fuß von Rosenthal entlang der Neiße zum Kloster gewandert. „Es war schon toll“, sagte er. „Ich bin immer wieder begeistert.“ Bereits am Sonnabend hatte er sich auf den Weg gemacht und um 21 Uhr die Auferstehungsfeier in der Hofkapelle besucht. Die Kapelle ist derzeit eine Art Ausweichdomizil in der ehemaligen Brauerei, da sowohl die Klosterkirche als auch die Kreuzkapelle aufgrund der Hochwasserschäden noch immer nicht genutzt werden können. Trotz dieser Umstände sei auch diese Andacht ein lohnenswertes Erlebnis gewesen, betont er. Zu den regelmäßigen Besuchern des Saatreitens gehört auch das Ehepaar Funke aus Dittelsdorf. „Das ist doch nicht so weit, dass wir es nicht mehr erreichen könnten“, betonten die beiden fast 80-jährigen Senioren. Man müsse ja auch mal raus, und da biete Ostern eine gute Gelegenheit, zumal das Wetter ja ebenfalls dazu angetan sei.

Während sich ein Großteil der Besucher bereits auf dem Heimweg befand, ritten die Saatreiter über den Galgenberg wieder in den Ort hinein und erreichten gegen 15.30 Uhr ihre letzte Station: den Marktplatz, der dreimal umrundet wurde. Von den Bläsern intoniert sowie von Reitern und Zuschauern mitgesungen, erklang der Choral „Großer Gott – wir loben Dich“. Nachdem Fahnen und Kreuz zurück in die katholische Kirche gebracht wurden, fand das 386. Ostritzer Saatreiten mit einer kurzen Andacht seinen feierlichen Abschluss.