SZ +
Merken

Tausende tanzen nach seiner Pfeife

Jubiläum. Seit über vier Jahrzehnten steht Erhard Schotte (SV Bannewitz) auf dem Fußballfeld. Ein Rückblick zum heutigen 70. Geburtstag.

Teilen
Folgen

Von Dorit Oehme

Ihr Schiedsrichter, ihr Pfeifen, meckert immer bloß rum.“ So rief Erhard Schotte früher öfter. „Als Zuschauer war ich viel auf dem Sportplatz von Motor Bannewitz. Zu Auswärtsspielen fuhr ich hinterher“, erzählt der rüstige Senior, der heute stolze 70 wird.

Eines Tages wurden die Nörgeleien einem Schulfreund zu bunt. Er pfiff in der Bezirksliga und forderte den 26-jährigen Schotte nun heraus, selbst Schiedsrichter zu werden. „Ich besuchte tatsächlich einen Lehrgang in Freital. Das erste Mal pfiff ich bei einem Freundschaftsspiel der Hainsberger gegen eine Dresdner Mannschaft. Fünf DDR-Mark bekam ich dafür“, erinnert sich Schotte. Zwei Jahre später soll er Schiedsrichter in der Bezirksklasse werden. Doch zugunsten von Familie und Beruf steckt der Industriemeister im Maschinenbau zurück. Innerhalb der Kreisliga fordert ihn auch der Schiedsrichteraustausch mit Dresden und Dippoldiswalde heraus.

„Bis Ende der 1970er Jahre habe ich über 50 Spiele pro Jahr gepfiffen“, erzählt Schotte. Die Pfeife, die ihm eine Tante aus England mitbrachte, besitzt er noch. „Sie hat einen guten, grellen Pfiff“, unterstreicht Schotte und fügt an: „Der Ton muss stimmen, soll er doch von der Autorität des Schiedsrichters zeugen.“ Zum schönsten Spiel wird er am 31. Januar 1999 aus dem Garten hinterm Haus geholt. Es ist ein Notfall. „Empor Possendorf kämpfte noch in der Bezirksliga und sollte in einem Nachholspiel auf dem Sportplatz Hänichen gegen Görlitz antreten. Man hatte vergessen, das Schiedsrichterkollektiv anzusetzen“, erklärt Schotte.

Kurz entschlossen

Heimische Referees haben sich schon als Linienrichter bereit erklärt. Schotte, der nur fünf Minuten entfernt wohnt, wird gefragt, ob er ausnahmsweise das Bezirksligaspiel leiten würde. Die Gäste sollen nicht umsonst angereist sein. Er zögert kurz, dann erklärt er sich bereit. „Görlitz gewann auf dem schneebedeckten Rasen 2:0. Die Possendorfer erhielten sogar noch einen Elfmeter, den sie aber nicht verwandelten“, erinnert sich der Bannewitzer.

In der Landesliga agierte er manchmal als Linienrichter für den Nachwuchs sowie bei den Frauen. Bis zum 60. Lebensjahr pfiff Schotte in der 1. Kreisklasse. Momentan ist er noch Schiedsrichter in der 2. und 3. Kreisklasse sowie Linienrichter in der Bezirksklasse. „An rund 2 000 Spielen war ich bisher beteiligt“, resümiert Schotte.

„Er ist unser dienstältester Schiedsrichter“, sagt Dieter Marx, der Präsident des Kreisfußballverbandes. Und er lobt: „Erhard Schotte ist die personifizierte Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit.“ Seit 36 Jahren habe er Schotte begleitet. „So manches Bezirksklassespiel bestritten wir gemeinsam. Schotte stand an der Linie, ich pfiff“, erzählt der Präsident, der von 1973 bis 1988 auch Schottes Regellehrer war.

Dynamo Dresden ist Schottes Lieblingsverein, auch der seiner Ehefrau Monika. Mehrmals hat er die Traditions-Elf der Gelb-Schwarzen gepfiffen. Übrigens: Mit Roten Karten geht Schotte sparsam um. „Ich versuche, wenn möglich, mit allen 22 Mann wieder den Platz zu verlassen.“ Bei einem leichten Foul signalisiere er dem betreffenden Spieler, dass er die Aktion gesehen hat. „Bei einem verdeckten Foul greife ich härter durch.“.

Schotte kritisiert, dass jungen Schiedsrichtern oft zu wenig Respekt entgegen gebracht wird. „Es ist eine Kunst, die Theorie in die Praxis umzusetzen.“ Gut würde er es darum finden, wenn dem Nachwuchs anfangs erfahrene Schiedsrichter zur Seite stünden.

Als Hobbygeiger arbeitet Schotte ebenfalls mit jungen Menschen zusammen. Er spielt in einigen Bannewitzer Ensembles. Mit der Musik-, Tanz- und Kunstschule hat er zuletzt das Musical „Das Gespenst von Canterville“ einstudiert.

Schotte ist auch ein Naturfreund. Er wandert gern. Und in seinem Garten züchtet er Bienen.