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Tauziehen um Radeberger Grundschule

Soll die Einrichtung an der Heidestraße in Radeberg modernisiert oder neu gebaut werden? Während eine Antwort auf diese Frage gesucht wird, läuft die Zeit davon.

Mehr als 200 Kinder lernen in der Grundschule Süd in Radeberg. Die Stadt ringt jetzt um eine zukunftsfähige Lösung für den Standort.
Mehr als 200 Kinder lernen in der Grundschule Süd in Radeberg. Die Stadt ringt jetzt um eine zukunftsfähige Lösung für den Standort. © Patrick Pleul / dpa (Symbolbild)

Radeberg. Das sah nach einer klaren Sache aus: Die Grundschule Süd in Radeberg zieht für zwei Jahre in einen Interimsbau gleich um die Ecke. Das Schulgebäude wird in dieser Zeit saniert. Neue Fenster und Türen kommen rein, neuer Dachstuhl und neues Dach obendrauf. Zudem waren bei Untersuchungen Schadstoffe in der Raumluft nachgewiesen worden. Obwohl Grenzwerte bisher nicht überschritten wurden, werden die gesamten Fußböden ausgetauscht. Die Bauarbeiten sollten 2021 und 2022 stattfinden. Der Interimsbau sollte auf dem Gelände der Wärmeversorgung Radeberg (WRV) an der Schillerstraße entstehen, es sollten rund 170 Container drei Stockwerke hoch aufgestapelt werden, um Platz für mehr als 200 Kinder zum Lernen und für den Hort zu bieten. Das Gebäude auf Zeit ist knapp siebzig Meter lang und 14 Meter hoch und mit allem ausgestattet, was eine Schule braucht, Klassen- und Horträume, Speisesaal und Freiflächen zum Spielen.

Dann kam alles anders. Stadträte im Technischen Ausschuss stimmten mehrheitlich gegen das Projekt. Sie bringen einen Schulneubau ins Gespräch. Die SZ gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen:

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Bei Ausflügen mit Kindern stehen Erlebnis und Abenteuer im Vordergrund. Das sollte bei der Tourenplanung und beim Packen des Rucksacks bedacht werden.

Was stört Stadträte an der Interimslösung?

Es sind mehrere Punkte: Einmal die Kosten. Der Interimsbau aus den Containern schlägt mit rund 2,5 Millionen Euro zu Buche. Etwa die gleiche Summe soll die Sanierung kosten. „Das ist sehr viel Geld, das wir hier ausgeben müssten. Am Ende haben wir dann aber ein Schulgebäude, das zwar top saniert ist, aber von der Raumgröße nicht modernen Vorgaben entspricht, die können nicht verändert werden“, sagt Frank Höhme, Chef der Fraktion SPD/Linke/Grüne im Radeberger Stadtrat. Sein Fraktionskollege Dr. Ulrich Hensel geht davon aus, dass die Kosten für das Container-Gebäude noch in die Höhe gehen könnten. „Müssen die Kinder wegen Bauverzögerungen länger in den Containern lernen, würde das enorme Mietkosten nach sich ziehen.“ Auch er sieht Mängel an der dann sanierten Schule: „Sie wäre nicht einmal barrierefrei. Fraglich ist auch, ob sie für die Zahl der Schüler auch in den nächsten Jahren ausreichend ist. Aus unserer Sicht ist es deshalb sinnvoll, über einen Neubau nachzudenken.“

Was würde ein moderner Neubau kosten?

Nach Angaben von Oberbürgermeister Gerhard Lemm (SPD) liegen die Investitionen bei mehr als dreizehn Millionen Euro. „Allerdings haben wir keine exakte Planungen vorliegen. Anhand des Raumbedarfs und der aktuellen Baukosten von vergleichbaren Objekten gehen wir mit Stand heute von dieser Summe aus“, sagt er. Erfahrungsgemäß würden sich die Kosten bei einer detaillierten Planung aber noch erhöhen, so der OB.

Schüler und Lehrer brauchen dringend eine Lösung – wie geht es jetzt weiter?

Um die Vor- und Nachteile der Modernisierung und des Neubaus abzuklopfen, stellt die Stadtverwaltung einen Vergleich beider Vorschläge zusammen. „Der Variantenvergleich ist in Arbeit, wir können dabei auf die von der Verwaltung bereits vorgenommenen Vorüberlegungen aufbauen“, sagt er. Das Papier wird dann den Stadträten vorgelegt. Sollte die Mehrheit zu dem Schluss kommen, dass ein Neubau besser wäre, müsste zunächst ein Beschluss des Stadtrates aus dem vergangenen Jahr aufgehoben werden, in dem die Modernisierung des bestehenden Schulgebäudes festgelegt ist. Anschließend müsste ein neuer Beschluss gefasst werden.

Die Grundschule Süd in Radeberg muss dringend saniert werden. Neben der Modernisierung steht jetzt ein kompletter Neubau zur Diskussion.
Die Grundschule Süd in Radeberg muss dringend saniert werden. Neben der Modernisierung steht jetzt ein kompletter Neubau zur Diskussion. © René Meinig

Wie sieht der weitere Zeitplan aus?

Sollten die Stadträte bei der bisherigen Variante bleiben und sich für eine Modernisierung der alten Schule und den Interimsbau entscheiden, dann müsste aufs Tempo gedrückt werden. „Durch die Infragestellung im Technischen Ausschuss wird die Zeit knapp. Wir verlieren Zeit, um die Ausweichschule rechtzeitig fertigzustellen. So könnte es sein, dass der Umzug nicht planmäßig in den nächsten Sommerferien ablaufen kann, sondern erst in den Herbstferien, wenn da die Zeit überhaupt für den Umzug ausreicht“, sagt der OB.

Bei der Neubauvariante würde sich alles um Jahre verschieben. „Es ist eine komplett neue Planung erforderlich sowie ein neuer Antrag auf Fördergeld. Ob wir etwas bekommen und auch wann das sein wird, kann keiner sagen. Hinzu kommt, dass wir das Geld im Haushalt der Stadt Radeberg einplanen müssen.“ Bei diesem langen Zeitraum ist es denkbar, dass die Schadstoffbelastung in der Schule zunimmt und die Stadt zu einem schnellen Eingreifen gezwungen wäre. Der Vorteil der Neubauvariante ist, dass keine Interimsschule errichtet werden müsste. Wo der Neubau entstehen könnte, ist noch unklar. Der OB bevorzugt den jetzigen Standort an der Heidestraße, „schon wegen der Nähe zu Hort und Turnhalle“, sagt der SPD-Politiker.

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