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Taxifahrer profitieren vom Winterwetter

Glatte Straßen und Matsch auf den Gehwegen lassen vor allem ältere Görlitzer öfter das Taxi nehmen.

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Von Jenny Ebert

Wie heißt es so schön? „Des einen Freud’, des ander’n Leid.“ Dieses alte Sprichwort passt bei den schwierigen Straßenverhältnissen derzeit gut auf die Görlitzer Taxifahrer. Viele Menschen, vor allem ältere, scheuen sich bei glatten Straßen und Gehwegen vor dem Weg zu Fuß oder der unsicheren Fahrt mit dem eigenen Auto.

„Ältere Leute, die sonst mit der Bahn oder dem Bus fahren, wollen wegen des Schneematsches nicht zu Fuß zur Haltestelle laufen“, hat Andreas Gritzner vom gleichnamigen Taxibetrieb beobachtet, „da fahren sie lieber mit dem Taxi.“ Am häufigsten greifen die Menschen für Fahrten zum Arzt auf die gelben Autos zurück.

Sonst sechs, nun bis 15 Fahrten

Dieter Deutschmann macht mit seinem Taxibetrieb ähnliche Beobachtungen. „Wir merken es anhand der Fahrgastzahlen sehr deutlich, wann es auf den Wegen und Straßen glatt ist und wann nicht“, sagt er. Gestern zählte er am zeitigen Nachmittag neun Fahrten – mehr als an anderen kompletten Arbeitstagen, wenn das Wetter netter und die Straßen trocken sind. „Sechs bis sieben Fahrten am Tag sind normal“, so Deutschmann, „seit das Winterwetter herrscht, sind es zehn bis 15 Fahrten pro Tag.“ Das doppelte Arbeitspensum scheint also derzeit normal, ein Taxifahrer berichtet sogar von über 20 Fahrten an einem Tag der vergangenen Woche. Also eine gute Zeit für Taxifahrer, die es sonst schwer genug haben, ihr Geld zu verdienen? „Ja, das Wetter ist gut“, meint Andreas Gritzner. „Dafür sind unsere Fahrer ja auch Profis. Die Leute sollen lieber ihr Auto stehen lassen und nicht das Risiko eines Unfalls eingehen.“ Dieter Deutschmann fügt hinzu: „Die ersten drei Monate des Jahres gelten als Saure-Gurken-Zeit. Die Menschen haben nach Weihnachten kein Geld mehr in der Tasche und sparen.“ Aber in diesem Jahr, bei diesen Wetterverhältnissen, sei es anders. „Bis jetzt läuft es gut.“

Was einzelne Fahrer berichten, bestätigt der zentrale Taxiruf der Stadt. Von hier aus werden bestellte Fahrten an alle Görlitzer Taxiunternehmen weitergegeben. „Bei den Witterungsbedingungen haben wir mehr zu tun, das ist schon zu spüren“, sagt eine Mitarbeiterin.

Gleich vier Fahrer krank

Bei diesem Trubel ärgert sich Katrin Hoffmann vom gleichnamigen Taxibetrieb doppelt, dass vier ihrer Mitarbeiter krank sind und sie sich somit vorübergehend aus dem zentralen Taxiverteiler abmelden musste. „Wir sind nur zu zweit, ich bin gesundheitlich ebenfalls etwas angeschlagen und konnte daher nur meine Stammkunden fahren.“ Auch ihr Handy klingele derzeit öfter als sonst. Doch nur noch ein paar Tage, dann sind ihre Mitarbeiter wieder auf dem Damm. „Dann freue ich mich darauf, mich im Bett auszukurieren“, sagt sie und lacht.