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Taxifahrer protestieren gegen Konkurrenz aus dem Internet

Per App lässt sich ein Fahrer buchen – das gefällt den regulierten Chauffeuren gar nicht.

© Steffen Füssel

Von Michael Rothe

Zehntausende Taxifahrer sind gestern in mehreren europäischen Großstädten auf die Straße gegangen – mit ihren Fahrzeugen. Allerdings nahmen sie diesmal keine Passagiere mit. Sie beteiligten sich an Streiks oder Blockade-Aktionen, unter anderem in London, Paris und Madrid. In Berlin machten nach Polizeiangaben 450 Fahrer bei einer Sternfahrt zum Olympiastadion mit. Der Protest richtete sich gegen Unternehmen wie Uber aus den USA, die über Handy-Apps Fahrer vermitteln. Damit würden die Regeln der Branche unterlaufen, kritisiert das Taxigewerbe.

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Sternfahrt zum Olympiastadion in Berlin, Straßenblockade nicht weit vom Parlament in London: Taxifahrer haben gestern auf ihre Sorgen aufmerksam gemacht. Fotos: Reuters
Sternfahrt zum Olympiastadion in Berlin, Straßenblockade nicht weit vom Parlament in London: Taxifahrer haben gestern auf ihre Sorgen aufmerksam gemacht. Fotos: Reuters © Reuters
Sternfahrt zum Olympiastadion in Berlin, Straßenblockade nicht weit vom Parlament in London: Taxifahrer haben gestern auf ihre Sorgen aufmerksam gemacht. Fotos: Reuters
Sternfahrt zum Olympiastadion in Berlin, Straßenblockade nicht weit vom Parlament in London: Taxifahrer haben gestern auf ihre Sorgen aufmerksam gemacht. Fotos: Reuters © Reuters

In Paris blockierten 500 Taxifahrer kurzzeitig den Verkehr an den internationalen Flughäfen Charles de Gaulle und Orly. In Madrid streikten fast alle Taxifahrer den ganzen Tag. Auch am Flughafen war kein einziges Taxi aufzutreiben. Taxifahrer in Deutschland stören sich vor allem an Angeboten wie Uber und Wundercar, die Privatleute als Fahrer vermitteln. Wundercar in Hamburg wurde mittlerweile verboten.

In Sachsen sind die Aktivitäten des US-Fahrdienstes Uber „noch kein Thema“, sagt Henry Roßberg, Vorsitzender des Landesverbandes sächsischer Taxi- und Mietwagenunternehmen, zur SZ. Doch nicht deshalb würden sich seine rund 1 000 Mitgliedsbetriebe nicht an den Sternfahrten beteiligen. „Für uns ist das eher eine Kostenfrage“, sagt er. Da sei gleich ein ganzer Arbeitstag weg. „Als es um die Abschaffung der Ökosteuer ging, sind wir alle hingerammelt. Und was hat es gebracht?“, fragt Roßberg rhetorisch. Er sei „enttäuscht über die Sprachlosigkeit der Politik und über die Ahnungslosigkeit der Kunden“. Sie wüssten meist nicht, „bei wem sie sich für ein Trinkgeld ins Auto setzen“.

Dennoch hält der Landesvorsitzende, zugleich Vorstand der Dresdner Taxigenossenschaft, die Protestaktion der Kollegen nicht für sinnlos. „Sie kämpfen stellvertretend für uns alle“, sagt er. Die 1946 gegründete Dresdner Genossenschaft bewältigt mit rund 500 Taxis und doppelt so vielen Fahrern im Jahr rund 1,2 Millionen Aufträge – darunter auch Krankentransporte, Boten- und Stadtrundfahrten. „Wir müssen ein Zeichen setzen gegen illegale Beschäftigung. Was Anbieter wie Uber veranstalten, ist Betrug in allen Ecken.“ So hätten die angeheuerten Billigfahrer in der Regel keine Insassenversicherung. „Unsere Fahrer müssen sich ständig betriebsärztlich untersuchen lassen, polizeiliche Führungszeugnisse vorweisen, und die Autos müssen regelmäßig zum Tüv“, so der Verbandsvorsitzende. Das seien alles Kostenfaktoren, die der ungeliebten Konkurrenz nach seinen Angaben erspart blieben. Da sei es leicht, mit Dumpingpreisen zu wildern. Darum gelte auch in Sachsen: „Wehret den Anfängen!“

Das Unternehmen Uber wies die Vorwürfe zurück. Man biete eine zusätzliche Möglichkeit zur Fortbewegung an, sagte Patrick Studener, der für die Expansion des Dienstes in Europa zuständig ist. Auch die Uber-Fahrer müssten verschiedene Überprüfungen durchlaufen, bevor sie für die App zugelassen werden. Führerschein, Versicherung und polizeiliches Führungszeugnis würden geprüft, sagte Studener.

Das Unternehmen vermittelt in Berlin, München und Frankfurt am Main auch Chauffeure mit schwarzen Mietwagen. Taxis müssen zu festgesetzten Tarifen arbeiten und dürfen Aufträge nicht ohne Weiteres ablehnen. Dafür dürfen Chauffeure mit ihren Mietwagen nicht auf der Straße nach Kunden suchen. (mit dpa)