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„Taxifahrer sind eine suchtgefährdete Berufsgruppe“

Gorden Emons, Leiter der Berliner Beratung „Café Beispiellos“ über Spielsucht und ihre Folgen.

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Symbolbild ©  dpa

Hängen Erwerb und Sucht zusammen?

Viele Glücksspieler haben alles verloren: Haus, Auto, Familie. An ihrer Arbeit hängen sie am längsten, weil dadurch Geld reinkommt. Eine besonders gefährdete Berufsgruppe sind Taxifahrer. Sie haben oft Leerzeiten und direkten Zugriff zum Geldbeutel. Das verführt dazu, sich am Bargeld zu vergreifen. Es können aber auch gerade Menschen mit sehr geringen Einkommen süchtig werden. Das Pech des Glückspielers ist, im ersten Spiel zu gewinnen. Wenn ich einmal fünf Euro investiere und gewinne, wittere ich eine Chance, probiere es wieder, denke irgendwann, dass ich auch aus 100 Euro 500 machen kann. Einkommen ist für Spielsucht nicht ausschlaggebend.

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Was zeichnet die Sucht zum Spiel aus?

Spielsucht kann man relativ lange geheimhalten. Ob Sie heute Morgen gespielt haben, merke ich nicht. Ob Sie zwei Flaschen Rotwein getrunken haben, schon. Oft vermuten Ehepartnerinnen erst, dass Ihre Männer fremdgehen. Spielsüchtige finden viele Ausreden für die Zeit und das Geld, was sie verbrauchen. Plötzliche Autoreparaturen, etwa. Wie bei anderen Süchten kommt es häufig zur Strafauffälligkeit. Diebstähle, oft bei Angehörigen. Ich erinnere mich an eine 50-Jährige, die in ihrem Leben nicht mal einen Strafzettel hatte und dann ihren Arbeitgeber beklaute. Rational wissen die Menschen, dass ein Glückspieler nicht gewinnen kann. Aber sie verlieren den Bezug zum Geld. Wenn sie gerade keins haben, ist es nicht mal ein Problem, eine Woche nicht zu spielen. Sobald sie welches haben, schaltet sich die Lust auf das Risiko ein, der Schub. Wenn ich das merke oder dass ich mit dem Spiel vor Problemen fliehe, tagsüber Ausreden für das Spiel am Abend überlege, das Spiel die Kontrolle übernimmt, sind das Anzeichen für eine Sucht.

Wie viele sind Automaten-Süchtige?

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In unsere Beratungsstelle kommen jährlich 900 Menschen. Ein Drittel Angehörige, zwei Drittel Süchtige. Etwa 80 Prozent von ihnen spielen an Automaten. In einer Pokerrunde muss ich warten, brauche andere und bekomme Karten ausgeteilt. Beim Automaten spricht man von der Kontroll-Illusion: Dem Glauben, das Spiel selbst zu gestalten, weil man auf die Knöpfe drückt.

Das Gespräch führte Franziska Klemenz.

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