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Technik allein macht’s nicht

Auf den Messen für Energietechnik in Leipzig entdeckt die Branche derzeit neue Themen. Es geht auch um gutes Benehmen.

© picture alliance / dpa

Von Sven Heitkamp, Leipzig

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Karriere im Engineering

Mit mehr als 8.400 Mitarbeitern an über 100 Niederlassungen und Standorten ist FERCHAU die erste Adresse für Engineering- und IT-Projekte.

Erfolgreiche Unternehmen meistern nicht nur Krisen. Sie leiten daraus neue Strategien ab. Gicon zum Beispiel, die Ingenieur- und Beratungs-Gruppe aus Dresden, die bei Energie- und Umweltprojekten vorn dabei ist und sich diese Woche selbstbewusst auf den Leipziger Fachmessen Enertec und Terrac präsentiert. Dabei machte Gründer und Gesellschafter Jochen Großmann voriges Jahr vor allem Negativ-Schlagzeilen. Als Berater und Technikchef am Berliner Schlamassel-Flughafen Schönefeld soll Großmann in Korruption, überhöhte Preise und Betrugsversuche verwickelt gewesen sein.

Doch dann akzeptiert der 56-jährige Firmenchef einen Strafbefehl wegen Bestechlichkeit, zieht sich aus dem operativen Geschäft zurück und stellt sein Unternehmen neu auf. Er hatte es 1994 völlig neu gegründet. Gicon war nicht – wie falsch in den Medien berichtet wurde – aus einem Ingenieurbüro hervorgegangen, an dem Großmann beteiligt war. Aus diesem hatte er sich komplett zurückgezogen. Bei Gicon gibt es nun Compliance-Leitlinien und seit Jahresbeginn einen Compliance-Manager, der über Regeltreue, Verhaltens-Kodex und Werte der Holding wacht. Da heißt es: „Korruption schadet dem Unternehmen, erstickt die Innovation und ist illegal.“ Bis Jahresmitte will sich Gicon vom Institut der Wirtschaftsprüfer checken lassen – und dann das neue Know-how anderen Mittelständlern anbieten. „Wir sind dafür Wegbereiter,“ sagt Annett Schröter, eine von nun drei Geschäftsführern. So macht man aus Krisen neue Chancen.

Affäre bietet Diskussionsstoff

Auf der Enertec und Terrac, einer Fachmesse mit rund 330 Ausstellern, präsentiert Schröter das Unternehmen, gestern zum Beispiel auch dem Umweltstaatssekretär Herbert Wolff. „Es gehört zur Stärke unseres Büros, aus Situationen zu lernen“, sagt die Verfahrenstechnikerin. Diskussionen mit Kunden habe es durch die Affäre gegeben, Einbußen aber nicht, erzählt sie. Tatsächlich kann Gicon mit heute sogar 380 Mitarbeitern und 30 Millionen Jahresumsatz auf mehrere Prestigeobjekte verweisen: Die Unterstützung von Europas größtem Druckunternehmen Prinovis zum Beispiel, das gerade groß in Dresden investierte. Oder den Off-Shore-Windpark Baltic in der Ostsee nördlich des Darß‘, für den Gicon die weltweit ersten schwimmenden Fundamente kreierte. Oder den Bau des Windparks im ehemaligen Braunkohle-Tagebau bei Klettwitz (Brandenburg), wo wegen des unsicheren Kippen-Untergrunds neuartige Spezialfundamente entwickelt werden. Ein Modell auch für Sachsen.

Der Komplettanbieter baute eigene, neuartige Algen-Reaktoren in Köthen und stellte im kanadischen Vancouver eine großtechnische Abfall-Biogasanlage auf, die jährlich 40 000 Tonnen Speiseabfälle und Grünschnitt verarbeitet. Und ganz nebenbei entstand im 20. Geschäftsjahr ein neuer Zweig: Interkulturelle Weiterbildungen für ausländische und deutsche Führungskräfte ihrer sehr speziellen Technologiebranche.

In der Energie- und Umwelttechnik in Sachsen sind nach Branchenschätzungen 12 000 Menschen in rund 700 Unternehmen beschäftigt, neben großen Playern wie Solarworld in Freiberg und Solarwatt in Dresden sind dies vor allem kleine und mittlere Betriebe, von denen sich etliche in Leipzig präsentieren. Die Sunfire GmbH ist vertreten, die im November in Dresden-Reick eine weltweit einzige Demonstrationsanlage eingeweiht hat, die aus Wasser, und regenerativ erzeugtem Strom alternative Kraftstoffe produziert.

Oder auch „Wätas“ aus Olbernhau mit 125 Mitarbeitern und knapp neun Millionen Euro Jahresumsatz. Wätas-Chef Torsten Enders führt derzeit Gespräche mit Dubai und mit den Philippinen. Seine Meerwasserentsalzungsanlage kann sauberes Trinkwasser allein mit Abwärme aus der Stromerzeugung aus Öl gewinnen – ohne weiteren Energieeinsatz. Und Enders bietet einen Abgaswärmetauscher aus Edelstahl an, der den Brennwert von Heizkesseln um zehn bis 20 Prozent erhöht. Eine Idee auch für Sachsens öffentliche Gebäude, findet Staatssekretär Wolff.

So treffen sich auf dem dreitägigen Messe-Doppel Enertec und Terratec Wissenschafts-Institutionen wie das Biomasseforschungszentrum und diverse Hochschulen, Stadtwerke und der Landesverband Recycling, das Bildungs- und Demonstrationszentrum für dezentrale Abwasserbehandlung, der Deutsche Wetterdienst und viele namhafte Mittelständler.

Die Kooperationsbörse „Green Ventures“ sorgt zudem für internationale Ausstrahlung. Dieses Mal ist Israel das Partnerland. Auch da dreht sich alles um Abfall, Energie und Klimaschutz.

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