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Friedersdorf. Viele Familien trafen sich am Sonnabendnachmittag zum Martinsumzug. Pfarrer Blumenstein rief auch zu einer Aktion auf.

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Von Andreas Herrmann

Der Heilige Martin in Person von Ronny Körner, verkleidet als römischer Soldat mit rotem Mantel, konnte die Situation vor dem Friedersdorfer Gemeindeamt am Sonnabendnachmittag gerade noch retten. Trotz Regens und November-Kälte hatten sich hier viele Kinder mit ihren Eltern versammelt, um die uralte Geschichte vom Teilen auferstehen zu lassen. Mit Laternen wollten sie durch das Dorf ziehen und die bekannten Martinslieder singen. Als zwei Fackelträger, die als Wächter vor dem Gemeindeamt positioniert waren, meinten, dass sie ein sauberes Dorf ohne Bettler haben wollen, erschien doch plötzlich ein etwas zerlumpt aussehender Geselle. Der wollte ins Gemeindeamt eindringen, weil er fror.

Und wie in der alten Geschichte half ihm der Heilige Martin. Zwar zückte er sein gefährliches Schwert, jedoch nicht um dem Armen etwas Böses zu tun, sondern um den wärmenden Mantel in zwei gleiche Hälften zu zerteilen.

Kein Relikt aus alter Zeit

Da freute sich Mario Rädisch, der die Bettlerrolle übernommen hatte. Ihm selbst gehe es materiell nicht schlecht und deshalb sei er auch bereit zu teilen, sagt der 14-Jährige, der einmal Elektriker werden will. Ähnliches trifft auch auf Ronny Körner zu, der die Rolle des Heiligen Martins mit seinem Pferd Norius am Sonnabend zum ersten Mal spielte. „Trotzdem soll die Geschichte auch an die heutigen Hartz -IV-Empfänger erinnern, die einfach zu wenig haben, um glücklich und zufrieden leben können“, meint dazu der Friedersdorfer Pfarrer Andreas Blumenstein, der den Umzug organisierte. Etwa 20 Prozent der Friedersdorfer seien arbeitslos und so sei die Idee des Teilens in der Gesellschaft sicher kein Relikt aus der Frühzeit.

Weihnachten mit Tansania

Nach dem Umzug unter sicherem Schutz durch die örtliche Feuerwehr gab es dann in der Friedersdorfer Kirche Martinshörnchen. Diese sollen von ihrer Form her an die Hufeisen des wackeren Schimmels vom Heiligen Martin erinnern und fanden guten Zuspruch.

In der Friedersdorfer Kirche rief Pfarrer Andreas Blumenstein anlässlich des Martinstages zur Beteiligung an der Aktion „Weihnachten mit Tansania“ auf. Sein Kirchenbezirk Bautzen hat dazu eine Partnerschaft mit dem Meru-Gebiet in dem ostafrikanischen Land geschlossen und sammelt Geld für Schulranzen mit einem nützlichen Inhalt. Ein solcher kann für zehn Euro erworben werden, einschließlich der Transportkosten. Der Inhalt bestehe aus einem Plasteteller, einer Tasse, einem Löffel und einem Handtuch und sei für alle gleich, informiert Blumenstein. Auch die Sparkasse in Friedersdorf und in Neusalza-Spremberg mache über die Vorfinanzierung dieses Geschenkes mit. Das eigentliche Ziel seien 5 000 solcher Schulranzen. „Wir werden das nicht ganz schaffen, aber wenn ein paar Hundert zusammen kommen sind wir schon zufrieden“, sagt der Pfarrer.

Gegen Ende des Umzuges in Friedersdorf musste Blumenstein den Kindern noch erklären, wo Tansania liegt. Eine halbe Weltkugel entfernt, erfuhren sie und bekamen noch ein Martinshörnchen.