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Teilerfolg für Wolfspetition

Für eine Obergrenze und mehr Kontrolle sammelte eine Bürgerinitiative Unterschriften. Nicht alles wird umgesetzt.

Er genießt einen hohen Schutzstatus, doch nicht alle freuen sich über seine Anwesenheit: der Wolf.
Er genießt einen hohen Schutzstatus, doch nicht alle freuen sich über seine Anwesenheit: der Wolf. ©  Foto: dpa

Neschwitz. Anderthalb Jahre ist es her, da zogen Gabriela und Georg Lebsa mit sieben dicken Aktenordnern zum Landtag. 18.590 Namen waren darin aufgelistet, so viele haben die Petition der Initiatoren aus Caßlau in der Gemeinde Neschwitz unterzeichnet. Darin geht es um ein Thema, das nicht nur im Landkreis viele Gemüter erhitzt: den Wolf. Die Petenten forderten eine Begrenzung der Population der Tiere. Nun hat der Landtag einen Beschluss gefasst.

Wer hat die Petition gestartet?

Ins Leben gerufen hat die Petition eine Bürgerinitiative aus dem Kreis Bautzen, um Gabriela und Georg Lebsa. Die Gruppe nennt sich „Initiative Wolfsgeschädigter/ besorgter Bürger“. Auch Bewohner umliegender Dörfer engagieren sich darin. Fast 13 000 der Unterzeichner der Petition kommen aus dem Landkreis.

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Was genau fordern die Unterzeichner in ihrer Petition?

Mit 13 Forderungen zog die Bürgerinitiative los. Ihr Kernziel: Eine Begrenzung der Wolfspopulation. Aus Sicht der Initiatoren gibt es zu viele Wölfe in der Region, sie leben ihrer Meinung nach auf zu engem Raum. „Die Territoriendichte ist zu groß“, erklärte Gabriela Lebsa. Die Initiatoren fordern deshalb eine Gesetzesänderung. Ihrer Meinung nach werde die naturnahe Weide- und Nutztierhaltung durch den Wolf zurückgedrängt, auch würden die Landbewohner in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. „Ich gehe abends nicht mehr alleine spazieren, weil ich Angst habe“, sagte Lebsa. Die Petenten forderten zudem, dass abgeklärt wird, ob es Wolfshybriden, also Mischungen aus Wolf und Hund, in der Region gäbe und dass das Rosenthaler Rudel aus der Natur entnommen wird.

Wie ist der Landtag mit der Petition umgegangen?

Der Landtag hat in seiner Sitzung am 3. Juli der Beschlussvorlage des Petitionsausschusses zugestimmt und der Petition teilweise abgeholfen. Das bedeutet: teilweise zugestimmt. Zuvor hatte der Petitionsausschuss eine Stellungnahme des zuständigen Ministeriums eingeholt und eine Reihe von Gesprächen geführt. Der Petitionsausschuss hat die Aussagen der Petenten überprüft und sich damit inhaltlich und kritisch auseinandergesetzt. Die Staatsregierung verweist auf die im Frühjahr erlassene Sächsische Wolfsmanagementverordnung. Laut der Verordnung dürfen Wölfe, die erhebliche Schäden anrichten, bereits schneller entnommen werden als bisher.

Was hat der Petitionsausschuss zu den einzelnen Forderungen gesagt?

In der Beschlussvorlage wird zunächst einmal klargestellt, dass die Wolfsdichte in den von den Tieren besiedelten Gebieten in Sachsen dem bisher bekannten Durchschnitt anderer mitteleuropäischer Staaten liege, in denen es Wölfe gibt – und eben nicht höher sei. Dem Wunsch der Petenten stehe der hohe Schutzstatus des Wolfs gegenüber, das betrifft auch das Rosenthaler Rudel. Anders, als die Petenten sagen, sei die Art des Wolfes, die in Deutschland heimisch ist, stark gefährdet. Zudem wird in der Beschlussvorlage erklärt, dass bereits Herdenschutzmaßnahmen gefördert werden und der Rückgang schafhaltender Betriebe vielerlei Gründe habe. Man nehme die „emotionale und wirtschaftliche Belastung der Tierhalter durch die Anwesenheit des Wolfes“ jedoch sehr ernst. Es habe seit den 20 Jahren, in denen Wölfe im Freistaat leben, „keine Zwischenfälle, bei denen Wölfe aggressiv auf Menschen reagiert“ haben, gegeben. Der Freistaat lasse zudem genetische Untersuchungen durchführen, bei denen geprüft wird, ob es sich bei den hiesigen Wölfen um Hybriden handele. Nur 2003 habe es einen solchen Fall gegeben. Das Senckenberg-Institut, das das genetische Monitoring der Tiere vornimmt, besitze die technischen Voraussetzungen dafür und eine Vergleichsdatenbank.

Was sagt die Initiative zu dem Ergebnis?

Laut einem Sprecher des Landtags ist das Ergebnis für die Petenten als erfolgreich einzuordnen. Anders sehen das die Initiatoren, denen das nicht weit genug geht. „Wir wollen endlich eine Zahl hören“, sagt Gabriela Lebsa, „und wissen, wie viele Wölfe nötig sind, um die Population zu erhalten.“

Was bedeutet dieses Ergebnis jetzt?

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Die Petition wird nun der Staatsregierung als Material übersandt. Das heißt, dass der Ausschuss die Petition für geeignet hält, bei späteren Entscheidungen der Regierung berücksichtigt zu werden. Nun wären die Politiker gefragt: Wenn die Fraktionen wollen, können sie die Petition zum Anlass nehmen, gesetzgeberisch aktiv zu werden.

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