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Teils Familienfeier, teils Branchentreff

Um die 7 000 Besucher kamen am Sonnabend zum Tag der offenen Tür in den Glashütter Uhrenbetrieb. Dabei wurde auch ein gläserner Lehrpfad eingeweiht.

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Von Franz Herz

Der Tag der offenen Tür beim Glashütter Uhrenbetrieb hatte von allem etwas: Es war ein Familientreffen, bei dem viele guckten, wie ihre Freunde, Nachbarn oder Angehörigen arbeiten. Es war eine Begegnung unter Wettbewerbern, wo sich auch Mitarbeiter anderer Uhrenhersteller einmal beim Nachbarbetrieb umsahen. Es war eine Gelegenheit zum Staunen für alle diejenigen, die im Alltag nichts mit Luxusuhren zu tun haben, aber doch gerne wissen wollen, was sich da hinter den neu gestalteten Kulissen der Marke „Glashütte Original“ tut.

Die Besucherränge rings um das neue Atrium des Glashütter Uhrenbetriebs sind durch Glasscheiben von den Werkstätten und Ateliers getrennt. Zuschauer sind auf diesem gläsernen Lehrpfad erwünscht, aber sie sollen nicht stören bei der feinen Uhrmacherei.

Dieses Ziel war am Sonnabend nicht zu verwirklichen. Immer wieder gingen die Blicke von der Werkbank nach draußen, ob nicht hinter der Scheibe gerade ein Bekannter guckt. Als um 16 Uhr die Türen für die Öffentlichkeit geschlossen wurden, schätzte Marketingleiterin Katrin Böhme die Besucherzahl bis dahin auf 6 200. Danach durften nur noch Angehörige und Freunde der Mitarbeiter hinein, für die sie auch die Türen zu ihren Arbeitsräumen öffneten. Da wurden noch einmal knapp tausend erwartet. Bereits am Vortag hatte Produktionsgeschäftsführer Günther Wiegand ehemalige Mitarbeiter eingeladen. „Eine Stunde hatte ich vorgesehen und dreieinhalb Stunden haben wir dann diskutiert“, berichtete er.

Das Interesse an dem Glashütter Uhrenbetrieb ist groß. „Wir haben früher hier gearbeitet und sind froh, dass das hier so erfolgreich funktioniert und wieder so schön geworden ist“, sagte Helga Johne aus Schlottwitz. Ihr Mann Günther war einst für den Bau des Gebäudes verantwortlich und ist jetzt im Ruhestand. Aber auch als ehrenamtlicher Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Müglitztal in Schlottwitz sagt er: „Ich freue mich und hoffe, dass möglichst viele Arbeitsplätze hier noch entstehen.“ Das bringt seinem Unternehmen Mieter.

Tino Bobe aus Johnsbach ist in der Konstruktion bei Lange-Uhren beschäftigt und auch er sah sich beim Glashütter Uhrenbetrieb um. „Ist doch klar, dass man sich auch dafür interessiert, wie es bei anderen Unternehmen aussieht, wie dort gearbeitet wird. In Glashütte ist es doch oft so, dass innerhalb einer Familie der eine hier und der andere dort beschäftigt ist. Da gibt es keine so scharfe Trennung“, sagte er. Dr. Frank Müller, der Geschäftsführer von Glashütte Original, zeigte sich überrascht vom starken Besucherandrang: „Wir wollen den Menschen in der Region zeigen, was wir hier für feine Zeitmesser produzieren, die Weltgeltung haben. Die Philosophie einer vollwertigen Uhrenmanufaktur, die alle Schritte beherrscht für eine mechanische Uhr, wollen wir vermitteln. Auch unsere Mitarbeiter zeigen hier, dass sie stolz sind auf das, was sie leisten.“

Wer die Gelegenheit am Sonnabend versäumt hat, kann noch viele Gelegenheiten nutzen, um die Manufaktur zu besichtigen. Denn der Tag der offenen Tür ist gleichzeitig der Start für die regelmäßigen Führungen durch die Manufaktur, die von heute an täglich von Montag bis Freitag angeboten werden. Die ersten Führungen sind allerdings schon ausgebucht, obwohl der Betrieb noch gar nicht die Werbetrommel gerührt hat, wie Frank Müller informierte.