merken
PLUS

Dresden

Falsche Polizisten in Dresden verurteilt

Vier Männer einer Bande von Anrufbetrügern wurden in Dresden auf frischer Tat gestellt. Was ihre Masche war und wie Corona das Urteilt beschleunigte.

Einer der vier Kuriere aus Lübeck wird von Wachtmeistern in den Gerichtssaal gebracht. Nach einem halben Jahr in Untersuchungshaft kamen die Angeklagten nun auf freien Fuß.
Einer der vier Kuriere aus Lübeck wird von Wachtmeistern in den Gerichtssaal gebracht. Nach einem halben Jahr in Untersuchungshaft kamen die Angeklagten nun auf freien Fuß. © SZ/Alexander Schneider

Dresden. Im September vergangenen Jahres haben echte Dresdner Polizeibeamte einigen „falschen Polizisten“ das Handwerk gelegt. Die Täter waren gerade dabei, eine Rentnerin in Gruna um 12.000 Euro zu erleichtern. Am Dienstag wurden die vier Männer aus Lübeck im Alter von 22 bis 26 Jahren am Amtsgericht Dresden an nur einem Sitzungstag verurteilt. Dass die Hauptverhandlung es so schnell ging, lag auch an der Corona-Krise.

Wie so oft führten die Ermittlungen der Polizei auch in diesem Fall zum sogenannten Miri-Klan, dessen Mitglieder in der Türkei in Callcentern gezielt Senioren ausnehmen. Eine Masche nennt sich „falscher Polizist“: Die Betrüger geben sich am Telefon gegenüber ihren Opfern als Kriminalbeamte aus, die gerade einer größeren ausländischen Bande das Handwerk gelegt haben. Dabei wurde angeblich eine Liste sichergestellt, auf der nun auch der Name des Angerufenen „ganz oben“ stünde. 

Anzeige
Werbekampagne soll Busfahrern helfen

Barrierefreie Bahnsteige, Wendemöglichkeit für Busse und viel Grünfläche am Endhaltepunkt Leutewitz - diese Infos gibt es im neuen DVB Einsteiger.

Erst Vertrauen, dann Panik

So gewinnen die falschen aber superfreundlichen „Kommissare“ das Vertrauen ihrer meist betagten Opfer, um sie in Angst und Schrecken zu versetzen. Sie erzählen erfundene Geschichten, dass deren Vermögen in Gefahr sei, manchmal auch die Banken an einer ganzen Verschwörung beteiligt seien und dergleichen mehr. 

Kurz: Die Opfer sollen ihr gesamtes Vermögen abheben, und es der sicheren Obhut der Anrufer anvertrauen. Beißt ein Angerufener an, kommen die sogenannten Kuriere ins Spiel, die dann die Beute abholen müssen.

Also fuhren mehrere Täter von Lübeck nach Dresden, um dort bei einer 84-jährigen Frau 12.000 Euro abzuholen. Die Rentnerin hatte den Anrufbetrügern bereits einige Tage zuvor Geld und Goldmünzen im Wert von 8.500 Euro übergeben. Doch die falschen Polizisten leierten ihrem Opfer einen weiteren fünfstelligen Betrag aus dem Kreuz.

Observierte Aktion

Was sie nicht wussten: Die 84-Jährige hatte sich ihrer Tochter anvertraut, die sofort die Dresdner Polizei alarmierte, so dass die Kuriere nicht ahnten, dass ihr Besuch in Gruna beobachtet wurde. Die Männer wurden verhaftet, nachdem sie den Beutel mit dem vielen Geld vom Lenkrad eines Motorrollers vor dem Wohnhaus der Rentnerin genommen hatten,

Das war am 26. September. Am Dienstag, ein ganz knappes halbes Jahr später, saßen die Kuriere mit ihren Verteidigern in einem großen Gerichtssaal des Dresdner Justizzentrums. Schön mit Abstand, in diesen coronabeherrschten Zeiten. 

Corona beschleunigt Urteil

Wohl auch wegen der Viruspandemie war es dem Gericht schon im Vorfeld gelungen, eine Verständigung mit den Beteiligten anzubahnen: milde Strafen gegen schnelle Geständnisse, auch um der betagten Rentnerin ein Erscheinen zu ersparen und sie nicht unnötig einem Ansteckungsrisiko auszusetzen.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Polizei nimmt 20 "falsche Polizisten" fest

Am Mittwoch hat die Polizei in Deutschland und der Türkei Wohnungen durchsucht. Die Bande soll ihre Opfer um mehrere Millionen Euro betrogen haben.

Und so kam es dann auch: Sehr schnelle Geständnisse, wenig Hintergründiges zu den Miri-Leuten – angeblich wissen die Angeklagten nichts über die Hintermänner – und sehr milde Strafen. Das Schöffengericht verurteilte die wenig bis gar nicht vorbestraften Männer zu Bewährungsstrafen von jeweils einem Jahr und drei Monaten. Dann kamen sie auf freien Fuß.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.