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Sollte Zittauer Seniorin betrogen werden?

Ursula Goldberg (89) glaubt, dass Telefonbetrüger sie hereinlegen wollten. Doch es gibt auch eine andere mögliche Erklärung.

Wollten Telefonbetrüger eine 89-jährige Zittauerin reinlegen? Neu sind Versuche dieser Art nicht, aber es könnte auch ein tatsächlicher Werbeversuch dahinterstecken.
Wollten Telefonbetrüger eine 89-jährige Zittauerin reinlegen? Neu sind Versuche dieser Art nicht, aber es könnte auch ein tatsächlicher Werbeversuch dahinterstecken. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Dieser Anruf kam ihr spanisch vor: Kürzlich meldete sich eine angebliche Vodafone-Vertreterin bei Ursula Goldberg und erklärte ihr, dass die vorhandenen Kupferkabel in ihrer Wohnung auf Glasfaserkabel umgestellt werden sollen. "Ich war sehr erstaunt, da ich mit Vodafone bisher absolut keinen Kontakt hatte", erzählt die 89-jährige Zittauerin. Sie sei schon vor langer Zeit informiert worden, teilte man der hochbetagten Seniorin am Telefon mit. 

Da ihr das alles recht merkwürdig vorkam, fragte Ursula Goldberg die Frau am anderen Ende der Leitung, aus welcher Stadt sie denn anrufe. Deren Antwort: Aus Stuttgart. Was hat die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg mit Vodafone in Zittau zu tun, dachte sich die 89-Jährige daraufhin. "Hier stimmt doch etwas nicht", so ihre Vermutung.

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Da sie nur Mieterin in ihrer Wohnung auf der Schillerstraße ist, müssten doch für Veränderungen dieser Art der Vermieter oder Eigentümer zuständig sein. Deshalb beendete sie das Telefonat recht schnell.

Keine Umbaumaßnahmen geplant

Allerdings beschäftigt sie die Sache nach wie vor. Sie kontaktierte in der Folge ihren Vermieter, die Wohnungsgenossenschaft (Wogeno) Zittau. Nach Rückfrage mit dem zuständigen Vodafone-Betreuer habe ihr die Wohnungsgenossenschaft mitgeteilt, dass diesbezüglich keine Umbaumaßnahmen geplant seien. Wogeno-Vorstandschef Bernd Stieler bestätigt das auf SZ-Nachfrage. 

Ursula Goldberg glaubt deshalb an einen Betrugsversuch und will nun andere warnen. "Hier gibt es sicher wieder welche, die sich bewusst an ältere Menschen wenden, damit sie ihr Schäfchen ins Trockene bringen können", meint die Zittauerin. Maßgebend seien dabei sicher Vornamen, die heutzutage nicht mehr vergeben werden, vermutet Ursula Goldberg. Und Ursula sei eben ein solcher Vorname, durch den die angeblichen Telefonbetrüger schließen könnten, dass es sich um eine ältere Dame handelt. Die könnte leichter ausgetrickst werden.

Denkbar ist eine derartige Betrugsmasche. Hatte es doch in den vergangenen Monaten auch im Landkreis Görlitz mehrere Versuche gegeben, per Telefon Menschen zu betrügen. So versuchten angebliche Microsoft-Mitarbeiter bei Familien in Eichgraben und Zittau, Zugriff auf deren Computer zu bekommen, um so schadhafte Software aufspielen zu können. 

Werden tatsächlich neue Kunden geworben?

Womöglich gibt es aber auch eine andere Erklärung für den Anruf bei Ursula Goldberg, wie eine Nachfrage bei der Vodafone-Pressestelle in Düsseldorf zeigt. Wie Konzernsprecher Volker Petendorf erklärt, könnte es sich tatsächlich um einen Vodafone-Handelsvertreter gehandelt haben. Bei etwa 11.500 Wohnungen und Häusern in der Stadt Zittau und ihren Ortsteilen liege ein Glasfasernetz an - auch an der Schillerstraße. Aber nur jeder dritte Haushalt nutze dieses Netz. Das Netz werde in den nächsten Monaten von 500 MegaBit auf ein GigaBit aufgerüstet.

Das Mobilfunkunternehmen sei daran interessiert, dass noch mehr Haushalte in Zittau das anliegende Netz nutzen. Schließlich seien Millionen Euro in das Netz investiert worden. Dafür werde auch bei potenziellen Kunden geworben. Eine offizielle Telemarketing-Aktion von Vodafone-Mitarbeitern in Zittau sei ihm aber nicht bekannt. Es könnte sich allerdings um freie Handelsvertreter handeln, die selbstständig daran interessiert sind, neue Kunden zu werben. 

Dass jedoch jemand aus Stuttgart in Zittau anrufe, sei unüblich, sagt Petendorf. Zudem werden nur Personen angerufen, die bereits ein anderes Produkt von Vodafone nutzen oder die zugestimmt haben, dass sie angerufen werden. Diese Regeln dürfen auch freie Handelsvertreter nicht ignorieren, weist Petendorf hin.

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