merken
PLUS

Tempo ohne Limit?

Überall im Landkreis werden derzeit Tempo-Schilder abmontiert. Freie Fahrt bedeutet das aber noch lange nicht.

Von Verena Weiß

Da staunten die Dippser: Dort, wo Autofahrer kürzlich noch auf der Weißeritzstraße per Tempo-30-Schild zur Vorsicht ermahnt wurden, fehlt nun jeglicher Hinweis auf eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Ob hier oder in Cunnersdorf Am Gründel und an der Langen Straße: Im Auftrag des Pirnaer Landratsamtes wurden etliche Tempo-Limit-Schilder abmontiert – zum Teil heimlich. Im Tharandter Rathaus etwa will man nichts vom Schilderschwund an der Pienner Straße oder Freiberger Straße gewusst haben. Die Rathausspitze forderte den Landkreis sogar auf, besagte Tempo-Limits wieder aufzustellen – bisher erfolglos. Die Begründung: An beiden Straßen befänden sich Fußwege, die die Sicherheit der Fußgänger gewährleisten. Außerdem werde durch ein entsprechendes Gefahrenzeichen an der Freiberger Straße bereits auf Fußgänger hingewiesen. Kein Einzelfall. Auch auf den Straßen anderer Kommunen sind Geschwindigkeitsbegrenzungen verschwunden. Im Kreischaer Ortsteil Sobrigau wurde in der gesamten Ortslage die Tempo-30-Zone aufgehoben. Grund dafür sei laut Landratsamt der grundhafte Ausbau der Straße, der bereits im Dezember 2011 erfolgte. Auch im Ortsteil Wittgensdorf – zumindest außerorts – wurden nach dem neuen Deckenbau entlang der Straße die maximal zulässigen 60 Kilometer pro Stunde entfernt, genau zwischen dem Abzweig Tronitz und Ortseingang Wittgensdorf in Richtung Lungkwitz.

Anzeige
Eine Pflegeimmobilie als Kapitalanlage
Eine Pflegeimmobilie als Kapitalanlage

In Hainichen kann ab sofort sicher, sorglos und sozial wertvoll Geld angelegt werden.

Erst verschwand der Zebrastreifen, dann die 30 an der Dippser Weißeritzstraße.
Erst verschwand der Zebrastreifen, dann die 30 an der Dippser Weißeritzstraße.
Auch in Cunnersdorf an der Langen Straße ist das Tempo-Schild weg.
Auch in Cunnersdorf an der Langen Straße ist das Tempo-Schild weg.

Verschwunden ist auch das Tempo-30-Schild im Bannewitzer Ortsteil Wilmsdorf. Als direkte Verbindung zwischen Possendorf und dem Rabenauer Ortsteil Obernaundorf ist die Adolf-Kalwac-Straße zwar eine relativ vielbefahrene Strecke. Allerdings wurde die komplette Strecke zwischen der Ferdinand-von-Schill-Straße und dem örtlichen Golfplatz 2011 komplett ausgebaut und mit einem Gehweg versehen. Damit, so die Argumentation seitens des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, habe sich das Tempo-Limit erledigt. Ähnlich verhält es sich im Glashütter Ortsteil Cunnersdorf. Auch dort sind teilweise auf der Straße Am Gründel und der Langen Straße die Tempo-30-Begrenzungen aufgehoben worden. Der Grund dafür sei auch hier ein grundhafter Ausbau der Kreisstraße, der in zwei Bauabschnitten im November 2012 und 2013 erfolgte.

Aber auch in Zukunft müssen sich Autofahrer und Anwohner auf abmontierte Schilder gefasst machen: in Reinhardtsgrimma zum Beispiel. Dort sollen die vorhandenen Geschwindigkeitsbegrenzungen demnächst überprüft werden, wie Heiko Weigel, zuständig für Bau und Verkehr im Landkreis, sagt. Hintergrund ist der geplante Ausbau der S 183 in der Ortslage, der sowohl bauliche als auch verkehrstechnische Verbesserungen mit sich brächte. Auch auf einer weiteren, besonders stark befahrenen Straße wird bald auf Tempo-Limits verzichtet. Wie das Pirnaer Landratsamt erklärt, sollen die vorhandenen Geschwindigkeitsbegrenzungen am Possendorfer Berg, also zwischen Rundteil und Possendorf, in beide Richtungen abgebaut werden. Derzeit sind für Autofahrer bergaufwärts teilweise maximal Tempo 70 zulässig, bergabwärts sogar teilweise nur 40 Kilometer pro Stunde. Grund dafür sind die Straßenarbeiten vom vorigen Jahr. Dabei wurde die Fahrbahnoberfläche wieder in Ordnung gebracht. Wann die Schilder wegkommen, ist noch unklar. Nur dass es so ist, steht wohl fest. „Wenn die Griffigkeitsmessungen für den neuen Fahrbahnbelag vorliegen und den Anforderungen entsprechen, wird die Verkehrsbehörde des Landkreises auch die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf dem Possendorfer Berg entfernen lassen“, sagt Heiko Weigel. Ob das zur Verkehrssicherheit beiträgt, könnten manche bezweifeln. Die B 170 als Verbindungsstraße zwischen Dresden und Altenberg gilt wegen des hohen Verkehrsaufkommens durchaus als gefährliche Piste. Auch am Possendorfer Berg hat es schon mehrere Unfälle gegeben.