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Tempo runter in Posta

Die Anwohner wollen sicherer leben. Veränderungen haben sie selbst angeschoben.

Von Alexander Müller

Görlitz – Immer eine Reise wert

Die Stadt Görlitz wird von vielen als „Perle an der Neiße“ oder „schönste Stadt Deutschlands“ bezeichnet. Warum? Das erfahren Sie hier.

In Posta und Mockethal ist nicht viel los? Von wegen! Und das gilt sowohl im negativen als auch im positiven Sinne. Beim Verkehr zum Beispiel hätten die Anlieger der nördlichen Ortsteile Pirnas gern etwas weniger Action.

Engagierte Anwohner haben eine Bürgerinitiative gegründet, die sich darum kümmert. Deren Anliegen ist es, Posta und Mockthal zu verschönern und die Lebensqualität zu erhöhen. Und bereits nach kurzer Zeit kann die Initiative nun Erfolge verbuchen. Nach einem Vororttermin mit Pirnas Stadtverwaltung und Stadträten gibt es gleich in mehreren Punkten konkrete Ergebnisse.

Auf der Grundstraße im Mockethaler Grund bis zur Thiermannstraße am Grauen Storch gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer. An diese halten sich aber viele Autofahrer nicht, wie Tempokontrollen der Stadtverwaltung belegen. Also sollen nun im Frühjahr 30er-Symbole auf die Fahrbahn gemalt und der Straßenrand neu markiert werden. Damit soll noch deutlicher darauf hingewiesen werden, dass es sich um eine Strecke handelt, auf der nicht schnell gefahren werden darf. Doch auch baulich soll etwas passieren. Die Straße soll teilweise künstlich eingeengt werden, um zu schnelles Fahren auch tatsächlich unmöglich zu machen. Im Bereich zwischen Siedlung und Wehlener Straße will die Stadt nach eigenen Angaben in der zweiten Hälfte dieses Jahres entsprechend bauen, sofern noch Geld dafür da ist. Ergänzt werden soll das Vorhaben mit einem gesicherten Fußgängerübergang. An zwei weiteren Stellen in Posta wird noch überlegt, ähnlich vorzugehen. Das Rathaus berichtet allerdings, dass Winterdienst und die Verkehrsgesellschaft OVPS diesen Verkehrslösungen eher kritisch gegenüberstünden. Nun wolle man sich mit denen aber noch einmal zusammensetzen und zusätzlich mit der Polizei darüber reden. Sollte man danach zu dem Ergebnis kommen, dass so eine Einengung auch an diesen Stellen überwiegend positive Effekte hätten, würde man auch dort noch in diesem Jahr handeln.

Straße nur noch für Anlieger frei

Auch auf der Straße Oberposta soll nicht so schnell gefahren werden. Als Idee hat man ein Beispiel aus Königstein bzw. dessen Ortsteil Strand aufgegriffen. Auf dem Elberadweg dort können die Radler einen durchgehend asphaltierten Bereich nutzen, während die Autos durch seitlich angeordnete gepflasterte Stellen gebremst werden. Bis das auch auf der Straße Oberposta so ist, wird es allerdings noch ein bisschen dauern. Das Vorhaben soll mit im Jahr 2018 geplanten Kanalbauarbeiten der Stadtwerke umgesetzt werden. Und dann auch nur an den langen, geraden Abschnitten der Straße. Schon bis Ende dieses Monats allerdings soll an der Einfahrt von der Postaer Straße ein Verbotsschild für den Durchgangsverkehr aufgestellt werden, mit dem Zusatz „Anlieger frei“.

Wenig Hoffnung auf Veränderungen macht die Stadtverwaltung den Anwohnern dagegen im Bereich Postaer Straße und Thiermannstraße. Schleichverkehr in größeren Dimensionen sieht das Rathaus dort nicht. Zudem könne man den Autofahrern auch nicht verbieten, öffentlich gewidmete und geeignete Straßen zu benutzen. Auch den Wunsch nach einem Fußweg an diesen Straßen lehnt das Rathaus eher ab. Dafür müssten private Flächen angekauft werden, was eine enorme finanzielle Belastung bedeuten würde. Zudem wäre das Projekt durch die enge Tallage und angrenzendes Gewässer auch baulich nur mit einem hohen Aufwand umzusetzen. Darüber hinaus müssten die Anlieger die Hälfte dieser Kosten im Nachgang selbst tragen. Die Stadt ist auch gegen ein zusätzliches Höchstgewicht von Fahrzeugen auf diesen Straßen. Schon jetzt dürften die nicht schwerer als 7,5 Tonnen sein. Das reicht nach Ansicht der Verwaltung aus. Fahrverbote dürften nicht dafür eingesetzt werden, um den Verkehr zu regeln.

Aufwand bleibt überschaubar

Wenn die Bürgerinitiative um ihren Sprecher Bernd Schlag auch nicht alle Dinge so umsetzen konnte, wie vielleicht gewollt, so hat sie doch viel erreicht. Das bringt ihr Lob von den Verantwortlichen ein. „Durch konstruktive Kritik der Bürger und das beherzte Aufnehmen der Sorgen und Probleme konnte hier relativ schnell eine positive Perspektive gegeben werden“, erklärt etwa Ralf Wätzig, Chef der Fraktion SPD/Grüne im Pirnaer Stadtrat. Auch der finanzielle Aufwand sei überschaubar und realistisch. So solle Politik immer funktionieren, findet Wätzig. Die Sorgen ernst nehmen, sich vor Ort ein Bild machen und Machbares im Sinn der Allgemeinheit ordentlich miteinander klären. Man freue sich sehr, dass dies hier im Ansatz gelungen sei. „Gern mehr solche Sternstunden!“

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