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"Genau die richtigen Lieder für diese Zeit"

Mit seiner Musik will Björn Casapietra den Menschen Kraft geben. Jetzt tritt der Tenor in Bischofswerda auf. Die Stadt kennt seit seiner Kindheit.

Björn Casapietra ist deutschlandweit auf Tournee - aktuell mit seinem Programm "Hallelujah - Meine schönsten Himmelslieder." Am 5. September tritt er in Bischofswerda auf.
Björn Casapietra ist deutschlandweit auf Tournee - aktuell mit seinem Programm "Hallelujah - Meine schönsten Himmelslieder." Am 5. September tritt er in Bischofswerda auf. © PR

Bischofswerda. Mit  seinen "schönsten Himmelsliedern" gastiert der Tenor Björn Casapietra am 5. September in Bischofswerda. In der Christuskirche erklingen ab 18.30 Uhr Werke wie Mozarts „Ave Verum”, Bach-Gounods berühmtes „Ave Maria” und das weltberühmte „You Raise Me Up”. Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Zahl der Konzertbesucher auf 200 begrenzt.   

Für Björn Casapietra  ist es der erste Auftritt in Bischofswerda, obwohl ihm die Stadt nicht unbekannt ist. Gegenüber Sächsische.de sagte er, was ihn mit Bischofswerda verbindet, was der Lockdown für ihn bedeutete und wie er den Neustart erlebt. 

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Herr Casapietra, Hand aufs Herz: Mussten Sie im Atlas nachschauen, wo Bischofswerda liegt? 

Aber nein. Ich war sogar schon mehrmals in der Stadt.

Wie kam das?

Mein Vater war ein berühmter Dirigent in der DDR. Chef der Dresdner Philharmonie. Sein Name war Herbert Kegel, er stammt aus Kleinzschachwitz bei Dresden. Als Kind waren wir natürlich oft bei Oma und Opa, und ich erinnere mich, dass wir immer Ausflüge in die Umgebung gemacht haben. Da waren wir auch einige Male in Bischofswerda. Das sind allerdings Kindheitserinnerungen.

Werden Sie jetzt Gelegenheit haben, die Stadt zu besichtigen?

Ich werde mir die Zeit nehmen. In der Regel kommen wir viele Stunden vor dem Konzert an und machen in Ruhe einen langen Soundcheck in der Kirche. Wir spielen dann meistens das ganze Programm schon einmal durch. Und dann ist oft noch Zeit, und in der Regel schaue ich mir die Stadt, in der ich gastiere, dann an. Das ist eine wunderbare Art, Deutschland kennenzulernen. Auf Bischofswerda freue ich mich natürlich besonders, weil ich zum letzten Mal als kleiner Bub dort war.

Ist Bischofswerda Ihr erster Auftritt seit dem Lockdown im März? 

Wir haben vor wenigen Tagen in Schwerin und Cottbus begonnen, und letztes Wochenende waren wir in Annaberg-Buchholz zu Gast. 

Wie haben Sie als Künstler bisher die Corona-Pandemie erlebt?

Es war nicht leicht. Vor allen Dingen sind wir aus den höchsten Höhen in die tiefsten Niederungen gefallen. Wir hatten eine ausverkaufte Weihnachtstournee von November bis Januar. Volle Häuser in Berlin, Potsdam, Leipzig, Münster, Görlitz, Stendal und anderen Orten. Und dann kam Corona, und seitdem sitzt man auf der Couch. Es ist kein schönes Gefühl, arbeitslos zu sein. 

Ich habe mich  viel um das Homeschooling meiner Tochter gekümmert. Aber mir hat mein Beruf schon sehr gefehlt. Nicht zu singen, ist für mich, als würde man von mir verlangen, nicht zu atmen. Sie können sich nicht vorstellen, wie sehr ich mich auf die ersten Konzerte jetzt gefreut habe. Und alle waren sie wieder ausverkauft. Natürlich unter Corona-Bedingungen. Das Leben meines Publikums ist mir heilig. Aber ich hatte eine Träne in den Augen, als wir vor wenigen Tagen in Schwerin das erste Mal wieder musizieren konnten. Ein großes Glücksgefühl.

Wie schwer fällt der Neustart, nachdem monatelang keine Veranstaltungen stattfinden durften?

Es ist tatsächlich gar nicht so einfach. Ich habe meiner Tochter, die bei vielen unserer Konzerte dabei ist und mit mir Duette singt, gesagt, dass wir uns darauf vorbereiten müssen, dass das anders aussieht. Der Blick ins Publikum. Dass wir uns drauf einstellen müssen, dass zwischen den Menschen viele leere Plätze sein werden. Aber so richtig kann man sich darauf nicht vorbereiten. Es hat schon zwei, drei Konzerte gebraucht, bis wir wieder in der alten Form waren. Man muss auch erst mal wieder reinkommen. 

Hat Sie die Corona-Zeit verändert? 

Ich bin heute ein anderer Sänger als zuvor. Damals habe ich nur geahnt, wie man singen muss, um die Menschen zu erreichen. Heute weiß ich es. Ich will ja nicht nur für die Ohren singen. Ich will tiefer rein in den Menschen. In die Seele, ins Herz. Musik hat besonders in diesen Zeiten den Auftrag, den Menschen Hoffnung, Kraft und Zuversicht zu schenken. Das ist mein Antrieb und das ist mein Job. 

Wie nimmt Ihr aktuelles Programm "Hallelujah - Meine schönsten Himmelslieder" darauf Bezug? 

Es sind ja im Grunde Gebete von Menschen, die sich in ihrer Sorge oder ihrer Not an den Himmel wenden. Das sind Lieder wie das „Ave Maria“ von Franz Schubert oder das „Hallelujah“ von Leonard Cohen. Oder zum Beispiel die Vertonung des großartigen Gedichts von Dietrich Bonhoeffer „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Das sind genau die richtigen Lieder für diese jetzige Zeit.

Wie erleben Sie Ihr Publikum in diesen Wochen? 

Das große Glück, wieder musizieren zu dürfen, überträgt sich. Die bisherigen Konzerte waren wunderbar. Es scheint mir, dass die Menschen auch eine gewisse Sehnsucht nach Live-Erlebnissen haben. Dass ihnen die Musik  und die Kraft, die man daraus schöpfen kann, gefehlt haben. 

Aber verstehen Sie mich bitte richtig. Ich habe all die Maßnahmen, die für unser Land beschlossen wurden, selbstverständlich mitgetragen. Deutschland ist relativ glimpflich durch diese Corona Krise gekommen. Der Albtraum von Bergamo, Madrid oder New York ist uns erspart geblieben. Wir haben eine verhältnismäßig niedrige Todesrate bislang. Dank einer aufmerksamen Bevölkerung, einer klugen Bundesregierung und klugen Virologen. Darauf kann man zur Abwechslung auch mal stolz sein. 

Karten für das Konzert, das am 5. September um 18.30 Uhr in Bischofswerda in der Christuskirche stattfindet, gibt es unter anderem im DDV Lokal in Bautzen, im SZ-Treffpunkt in Kamenz sowie im Bürger- und Tourismusservice im Rathaus Bischofswerda. 

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