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Tenorhorn für breite Lippen

Fürstenwalde. Der Posaunenchor feierte seinen 40. Geburtstag.

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Von Karin Grießbach

Als Erstes hat uns Pfarrer Volker Wagner auf den Mund geschaut“, erinnert sich Ruth Kadner ganz genau an ihr erstes Treffen im Pfarrhaus von Fürstenwalde. Neun Einwohner des kleinen Dorfes hoch oben auf dem Erzgebirgskamm und aus dem benachbarten Fürstenau meldeten sich 1966 spontan auf den Aufruf der Kirchgemeinde zur Bildung eines Posaunenchores. Ein schon früher einmal existierendes Bläserensemble hatte sich einige Jahre zuvor aufgelöst. Die Instrumente waren aber noch vorhanden.

Ausbilder aus Lauenstein

Der zu dieser Zeit für den Ort zuständige Pfarrer Matthias Siedel hatte selbst auf dieser musikalischen Strecke keine Kenntnisse und bat deshalb seinen Kollegen aus Lauenstein, die Ausbildung des neuen Bläserensembles zu übernehmen. Wagner verteilte zunächst die Instrumente. „Mit meinen breiten Lippen bekam ich das Tenorhorn und mein Mann die Trompete“, erinnert sich Ruth Kadner und zeigt zum Vergleich die Mundstücke. Der Größenunterschied der beiden Trichter ist beeindruckend.

Keiner der Kandidaten hatte musikalische Vorkenntnisse, und so hieß es erst einmal, Noten lernen. Jede Woche trafen sich die neun Musikeleven und übten fleißig. „Selbst bei Wind und Wetter kam Pfarrer Wagner mit seiner Schwalbe jede Woche von Lauenstein nach Fürstenwalde, um uns zu unterrichten. Das Waldhorn hatte er auf dem Rücken“, erinnert sich die 70- Jährige. „Den ersten gemeinsamen Auftritt hatten wir noch im gleichen Jahr am 31. Oktober auf einer privaten Geburtstagsfeier“, erzählt die ehemalige Fürstenwalderin, die heute mit ihrem Ehemann Heinz in Reichstädt wohnt.

Als ihr musikalischer Leiter 1977 eine neue kirchliche Aufgabe in der Lausitz erhielt, drohte dem Posaunenchor das Aus. Inzwischen eine eingeschworene Gemeinschaft, gaben die Erzgebirgler jedoch nicht auf. Bei den Auftritten zu kirchlichen Festen, runden Geburtstagen und Hochzeiten musste sich die Gruppe zwar lange auf bis dahin erlernte Musikstücke beschränken, was aber dem Spaß am gemeinsamen Spiel keinen Abbruch tat. Erst als der Nachwuchs aus den eigenen Reihen in Altenberg in Pfarrer Quentin einen neuen Ausbilder fand, kamen wieder frischer Wind in die Gruppe.

Seit zehn Jahren ist René Pirnbaum der musikalische Leiter. Mit seinen 37 Jahren gehört er zu den jüngsten Mitgliedern. Er ist einer der wenigen, die von außen in den Chor kamen. Die meisten sind Kinder oder nahe Verwandte der neun Gründungsmitglieder. Nach der Heirat mit einem Chormitglied hat Pirnbaum ebenfalls eine familiäre Bindung zur Gruppe. Da es immer weniger Kinder im Dorf gibt, wird der Posaunenchor wohl auch in Zukunft auf den Nachwuchs ihrer Mitglieder bauen müssen.

Heute üben die Fürstenwalder und Fürstenauer Bläser nicht nur gemeinsam mit ihren Kollegen aus Liebenau, sie helfen sich auch bei Auftritten untereinander aus. Natürlich kamen die Freunde aus dem Nachbarort zur großen Geburtstagsfeier. Mit einem Festgottesdienst feierte der Posaunenchor Fürstenwalde-Fürstenau Anfang November sein 40-jähriges Bestehen. Nach einem Grußwort von Pfarrer Freimut Lüdeking aus Geising gaben die Jubilare, verstärkt durch den Liebenauer Bläserchor, einen musikalischen Einblick in ihr umfangreiches Repertoire.

Zur Aufführung kam nicht nur kirchliche Musik aus mehreren Jahrhunderten, sondern kamen auch Volkslieder und ganz moderne Kompositionen. Zwischen den Musikstücken riefen Ruth Kadner und ihre Tochter Karin Haney in der Fürstenauer Kirche den Anwesenden noch einmal die wichtigsten Stationen aus der vierzigjährigen Geschichte des Posaunenchores ins Gedächtnis.