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Teppich Schmidt wird international

Kolumbien und Südkorea: Zwei Azubis des Teppichhändlers haben weite Reisen hinter sich. Eine Sache vermissen beide.

Yun Dak Yo (l.) und Enilda Schulz beginnen im Juli eine Ausbildung bei Teppich-Schmidt. Ihr Weg nach Meißen könnte verschiedener kaum gewesen sein.
Yun Dak Yo (l.) und Enilda Schulz beginnen im Juli eine Ausbildung bei Teppich-Schmidt. Ihr Weg nach Meißen könnte verschiedener kaum gewesen sein. © Maximilian Helm

Meißen. Exakt 14.952 Kilometer liegen zwischen Bogotá und Seoul, den Hauptstädten von Kolumbien und Südkorea. Meißen befindet sich fast genau in der Mitte. 

Dort, beim Textilhändler Teppich Schmidt, haben die Kolumbianerin Enilda Schulz und die Koreanerin Yun Dak Yo am Montag ihre Ausbildungen begonnen. Schulz wird in zwei Jahren Kauffrau für Einzelhandel, Yun in drei Jahren Mediengestalterin.

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Ihr Weg nach Deutschland könnte dabei kaum verschiedener gewesen sein. Schulz lebte in Kolumbien, wo sie ihren Mann, einen Sachsen, kennenlernte. Der war Ingenieur für ein deutsches Schiffbau-Unternehmen, die heute 43-Jährige hatte eine kleine Schneiderei, in der sie Schuluniformen fertigte. 

Doch 2008 ging die Firma ihres Mannes pleite, mit seiner starken Spezialisierung fand er in Südamerika keinen Job. 2013 ging das Ehepaar nach Deutschland, sie absolvierte Deutschkurse und eine Fortbildung zur Wirtschaftskauffrau. Doch die Bewerbungen liefen ins Leere, zu hoch war vielerorts die Sprachbarriere. 

Bei Teppich Schmidt konnte sie jedoch mit ihren Vorkenntnissen als Schneiderin punkten. Denn auch als Kauffrau ist Nähen dort ein integraler Bestandteil der Ausbildung. „Ich freue mich, dass ich die Chance bekomme“, sagt sie.

Für Yun Dak Yo hingegen stand Deutschland schon lange als Ziel fest. „Es war eine Empfehlung von Bekannten, dass in Deutschland zu leben oder zu wohnen gut ist“, sagt sie. Freunde der Familie leben in Duisburg, deshalb ging die heute 29-Jährige nach Dortmund. Dort wollte sie Textildesign zu studieren, womit sie bereits in Korea begonnen hatte. 

Doch ihr Visum lief aus, sie ging nach Korea zurück, arbeitete einige Monate und kam wieder nach Deutschland, diesmal für ein Praktikum in Hamburg. Doch auch aus dieser Gelegenheit ergab sich nichts, zurück in Korea arbeitete sie wieder bei einer Textilfirma. Dann unternahm sie einen letzten Versuch, diesmal mit einer Bewerbung in Meißen. Dort zeigte man sich interessiert und verlangte Arbeitsproben: Yun Dak Yo sollte zwei bis drei verschiedene spezielle Logos zum 25. Firmenjubiläum gestalten.

Die Koreanerin lieferte gleich zehn Entwürfe ab, erhielt die Zusage und buchte ein Flugticket nach Deutschland – ohne Rückflug. Geschäftsführer Holger Schmidt ist begeistert: „Leute mit so viel Elan und Freude sind bei uns herzlich willkommen.“ Teppich Schmidt bildet in diesem Jahr sieben Azubis aus, im vergangenen Jahr konnten sie den 100. Auszubildenden in der Firmengeschichte feiern.

Yun Dak Yo und Enilda Schulz müssen nun beweisen, dass ihr Engagement für den Ausbildungsplatz auch anhält. Grundlage dafür ist, dass sie sich in Meißen wohlfühlen. Beide sind zwar erst seit kurzem in der Stadt, sind aber schon dabei sich einzuleben und wollen beide nach der Ausbildung in der Gegend bleiben.

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Und obwohl sie beide aus völlig unterschiedlichen Teilen der Erde kommen, teilen sie die gleichen Sehnsüchte. Familie und Freunde in der Heimat vermissen sie beide. Und noch eine zweite Sache, bei der Enilda Schulz erst einmal herumdruckst. „Ich vermisse das Essen in Venezuela, die Gerüche und die Gewürze“, sagt sie und fängt an zu lachen. Yun Dak Yo stimmt ihr beherzt zu. Das ist zwar nur allzu verständlich, sollte aber am Ende des Tages aber doch locker zu verschmerzen sein.

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