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Teppichfreund zieht in die Lingnerstadt

Die alte Filiale in der Grunaer Straße wird bald abgerissen. Die neue im früheren Medimax öffnet im Januar.

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Von Tobias Wolf

Ein bisschen wehmütig betrachtet Sven Schattschneider das Treiben im neuen Domizil des Teppichfreunds. Nachdem das Unternehmen seinen alten Standort an der Grunaer Straße aufgegeben hat, wird nun der frühere Medimax-Laden in der Lingnerstadt umgebaut.

Schattschneiders Mitarbeiter schleppen schwere Teppichrollen in die noch nicht ganz fertig renovierten Räume. In einer Ecke baut ein Kollege schon das erste Regal auf. Noch einen Monat soll der Ausbau der neuen Filiale dauern. Anfang Januar soll das Geschäft eröffnet werden.

Schattschneider nutzt die Betriebspause für einen letzten Besuch im früheren Kaufhaus der staatlichen Handelsorganisation(HO) an der Grunaer Straße. Den DDR-Bau kennt er wie kaum ein anderer. Schon als junger Mann ging der 42-Jährige hier ein und aus, verkaufte als Lehrling Sportartikel. Sein Blick wandert durch die leeren Hallen, bleibt in einer Ecke hängen. „Hier hatten wir alles, was man für‘s Camping braucht“, erinnert er sich. Stühle, Zelte, Schlafsäcke–was so auf dem Zeltplatz gebraucht wird. „Faltboote und Kletterseile gab es nicht für Normalbürger, sondern nur auf Zuteilung“, sagt Schattschneider. „Da musste man mindestens Mitglied in einem Verein sein.“ Zwei Jahre dauerte seine Ausbildung im HO-Sportkaufhaus. Pünktlich zur Wende war er fertig. Und damit begann auch für ihn der große Umbruch. Noch bis 1991 betrieb die Handelsorganisation in den Räumen einen Schnäppchenmarkt. Dann begann Schattschneiders neues Verkäuferleben buchstäblich über Nacht.

„Ich war im Sommer für zwei Wochen an der Ostsee gewesen und ahnte nichts“, sagt er, Als ich aus dem Urlaub wiederkam, hieß es plötzlich, dass wir zumachen.“ Ein Schock für den Anfangzwanziger. Doch er hatte Glück. Denn die westdeutsche Firma Teppichfreund zog kurz darauf in das Kaufhaus ein–und übernahm Schattschneider. „Das war mir im ersten Moment gar nicht so recht, weil ich lieber Sportsachen verkaufen wollte“, sagt er. „Doch dann fing es an, Spaß zu machen.“ Um fit für den neuen Job zu sein, absolvierte Schattschneider Schulungen, lernte die verschiedenen Fasertypen von Teppichen auseinanderzuhalten. Jede Mode, die es in den vergangenen beiden Jahrzehnten bei der Wohnungseinrichtung gab, hat er mitgemacht. Etwas anderes will er inzwischen nicht mehr tun.

Denn auch seine große Liebe fand er gleich zu Anfang im neuen Unternehmen. „Meine Frau hatte eigentlich im Orient-Teppichhaus an der Wilsdruffer Straße gearbeitet“, sagt er. „Als sie hierher versetzt wurde, haben wir uns verliebt.“ Heute leiten beide eine Filiale, er in Döbeln, sie das neue Domizil in der Lingnerstadt. Bis letztere im Januar eröffnet, können die Kunden nur auf der Prohliser Allee einkaufen.