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Platznot im Kinderhaus

Weil die Kita voll ist, muss Neschwitz investieren. Drei Varianten sind denkbar.

202 Kinder betreut das Team von Kita-Leiterin Susan Schramm im Kinderhaus in Neschwitz. Weil es dort eng wird, sucht Bürgermeister Gerd Schuster nach einer Lösung.
202 Kinder betreut das Team von Kita-Leiterin Susan Schramm im Kinderhaus in Neschwitz. Weil es dort eng wird, sucht Bürgermeister Gerd Schuster nach einer Lösung. © Steffen Unger

Zu viel versprechen möchte Gerd Schuster (CDU) auf gar keinen Fall. Fast entschuldigend hebt der Neschwitzer Bürgermeister beide Hände und sagt: „Ich will ja immer Gutes tun, aber wir stehen als kleine Gemeinde finanziell nicht allzu rosig dar. Die Frage ist deshalb: Was können wir uns überhaupt leisten?“

Die Frage, die das Gemeindeoberhaupt umtreibt, ist die nach der Zukunft der Kindertagesstätte an der Puschwitzer Straße. Deren Kapazitäten sind erschöpft: In Krippe, Kindergarten und Hort werden derzeit täglich 202 Kinder betreut. Weitere zehn Krippenkinder wurden kurzfristig bei Tagesmüttern untergebracht. Hätte die Gemeinde diese Lösung nicht gefunden, wäre die Einrichtung schon jetzt überbelegt, sagt Kinderhaus-Leiterin Susan Schramm. Und es gibt Wartelisten. Denn die Kinder der geburtenstarken Jahrgänge kommen allmählich ins Kindergartenalter. Außerdem sei der Zuspruch von Eltern auch außerhalb der Gemeinde gut. Wünschenswert seien demnach je zehn weitere Plätze in Krippe und Kita, sagt Susan Schramm. Insgesamt 100 Kinder würde sie gern in ihrer Einrichtung unterbringen können. Wie – und vor allem wo – das möglich werden kann, ist eine der drängendsten Fragen, mit denen der Gemeinderat sich demnächst beschäftigen muss.

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Denn eng wird es im doppelten Sinn: Im Sommer, schätzt Bürgermeister Schuster, werden die letzten Kapazitäten im Kinderhaus ausgeschöpft sein. Die Zeit zur Lösungsfindung ist also knapp bemessen.

Klare Vorstellungen, wie genau diese Lösung aussehen soll, hat Gerd Schuster bislang noch nicht. Dafür kann er einen ganzen Katalog an Optionen präsentieren: „Wenn das Kinderhaus in dem bestehenden Gebäude bleiben soll, muss es erweitert werden. Dafür gibt es aber nur zwei Möglichkeiten: Anbau oder Containerlösung“, sagt er. Das Problem dabei: „Die Platzverhältnisse vor Ort sind überschaubar“, so der Bürgermeister.

Während sich vor dem typischen DDR-Plattenbau derzeit die Elternparkplätze befinden, erstreckt sich dahinter ein Garten mit Spielplatz. Beides müsste im Falle einer Erweiterung verkleinert werden. Auch lässt sich derzeit noch nicht abschätzen, wie viel Geld in die Instandsetzung des bestehenden Baus investiert werden müsste, um diesen zukunftsfit zu machen: Die Fassade ist undicht und müsste renoviert werden. Außerdem braucht das Dach eine Erneuerung. Ob es damit getan wäre, ist nicht abzusehen. „Wenn ich Geld in ein altes Gebäude stecke, besteht natürlich immer die Gefahr, dass sich plötzlich herausstellt, dass das Gebäude eigentlich Schrott ist. Eine Sanierung ist also zweifellos billiger, aber eben möglicherweise auch sinnlos“, sagt Schuster. Darüber hinaus sei die Lage an der Puschwitzer Straße, über die auch Schwerlastverkehr rollt, nicht ideal, die Frage nach einer Ausweichlösung während der Bauphase bislang nicht beantwortet.

Neubau ist teuerste Variante

Einiges spricht also dafür, den bisherigen Standort aufzugeben und nach einem geeigneten Grundstück für einen Neubau zu suchen. „Wenn es nach dem Wollen geht, sind wir als Gemeinde absolut dafür. Aber natürlich ist der Neubau auch ein ganzes Stück teurer“, sagt Gerd Schuster.

Was die Gemeindekasse völlig unabhängig von der ausstehenden Entscheidung belastet, sind zwingend nötige Brandschutzmaßnahmen im Kinderhaus. „Das hat mit der Erweiterung erst einmal gar nichts zu tun, sondern ist nötig, um überhaupt die Betriebserlaubnis aufrecht zu erhalten“, erklärt der Bürgermeister.

Der Hintergrund: An einer Seite des Baus gibt es vom ersten und zweiten Obergeschoss aus eine Feuertreppe in den Garten, an der anderen nicht. Zwischen den verschiedenen Gruppenräumen liegt das Treppenhaus. „Sollte das im Brandfall verraucht sein, kommen die Kinder von der einen Seite des Gebäudes nicht mehr bis zur Feuertreppe durch“, erklärt Schuster. Um dieses Problem zu lösen, entschied sich die Gemeinde für die kostengünstigste Variante zur Aufrechterhaltung des Brandschutzes: Demnächst werden auf beiden Etagen Rauchschutztüren eingebaut. Sie schotten die Etagen ab und ermöglichen den Durchgang zur Feuertreppe. Die Kosten von 40.000 Euro teilen sich Gemeinde und Jugendamt. „Das ist natürlich immer noch ein ordentliches Sümmchen“, sagt der Bürgermeister und gibt zu, dass er sich schwer damit tut, in Anbetracht der Umstände derartige Aufträge freizugeben.

Egal daher, für welche langfristige Lösung für das Kinderhaus sich die Gemeinde entscheidet – in einem Punkt ist Bürgermeister Gerd Schuster sich sicher: „Die Lösung, die wir wählen, muss extrem gut durchdacht sein.“

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