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Teurer Kampf gegen Kindersterblichkeit

7,5 Milliarden Dollar will die globale Impfallianz einsammeln. Die Pharmaindustrie weist Kritik wegen überhöhter Preise zurück.

Von Nora Miethke

Dresden. Der Kursverfall des Euro erschwert den Kampf gegen Kindersterblichkeit. Auf der Geberkonferenz der globalen Impfallianz Gavi gestern in Berlin sollten 7,5 Milliarden US-Dollar eingesammelt werden. Damit will Gavi bis 2020 weitere 300 Millionen Kinder unter fünf Jahren in Entwicklungsländern impfen lassen. Im Jahr sterben weltweit etwa 6,3 Millionen Kinder, die meisten davon an Krankheiten wie Keuchhusten, Masern oder Durchfall.

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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Gavi erhält Geld von staatlichen Gebern, Stiftungen, Unternehmen und privaten Spendern. Deutschland hatte im vergangenen Jahr 500 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Damals war der Euro etwa 1,24 Dollar je Euro wert. Gestern lag der Kurs bei 1,12 Dollar je Euro. Angela Merkel, Schirmherrin des Impf-Gipfels, kündigte nun an, Deutschland werde Gavi mit 600 Millionen Euro unterstützen.

Der schwache Euro ist nicht das einzige Problem. Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ protestierte gestern vor dem Berliner Kongresszentrum gegen überhöhte Impfstoffpreise. Das Impfpaket für Kinder habe 2001 noch 67 US-Cent gekostet, heute seien es 45 Dollar. „Das ist zu teuer“, kritisierte Tankred Stöbe, Chef von „Ärzte ohne Grenzen“ im Deutschlandfunk. Zwar sind heute mehr Impfstoffe in dem Paket enthalten. Der Hauptgrund für die Preisexplosion liegt laut Ströbe jedoch im Pneumokokken-Impfstoff gegen Lungenentzündung, der die Hälfte des Pakets ausmache. Er forderte von den Herstellern, den Pharmakonzernen Glaxosmithkline und Pfizer, Preisnachlässe, damit mehr Kinder geimpft werden können. Wenn sich an den Preisen nichts ändert, dann würde mehr als ein Drittel der 7,5 Milliarden Euro für einen einzigen Impfstoff ausgegeben werden, kritisiert die Hilfsorganisation.

Glaxosmithkline (GSK) Deutschland sieht keinen Grund für weitere Preisnachlässe. „ GSK-Impfstoffpreise für Kooperationen mit den beiden Organisationen Gavi und Unicef sind bis zu 90 Prozent günstiger im Vergleich zu den Konditionen in den entwickelten Industrieländern“, sagte Pressesprecherin Anke Helten auf SZ-Nachfrage. Der Pneumokokken-Impfstoff werde für die Gavi-Länder so günstig angeboten, „dass gerade einmal die Produktionskosten gedeckt sind.“ Eine weitere, geforderte Kostenreduktion würde die Langzeitversorgung gefährden, betont Helten. Der Wirkstoff ist einer der komplexesten Impfstoffe von GSK, weil er zehn Komponenten vereint und sehr aufwendig produziert wird. „Ärzte ohne Grenzen“ wird er nach Angaben des Pharmakonzerns zu einem symbolischen Preis zur Verfügung gestellt, um Kinder in Krisengebieten zu impfen.

Darüber hinaus hat sich Glaxosmithkline gestern auf der Konferenz zu einem Preisstopp auf zehn Jahre für Entwicklungsländer verpflichtet, deren Gavi-Förderung ausläuft.

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