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Teurer Tropfen

Verbraucher stöhnen, weil der Ölpreis steigt und steigt. Sparen wird jetzt immer wichtiger.

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Von Marcus Krämer

Der ADAC hat ein Herz für Autofahrer. Aber manchmal schütteln die Mitarbeiter des Automobilclubs den Kopf über das Verhalten ihrer Kunden. „Die meisten Leute tun heute immer noch so, als würde Benzin nichts kosten“, sagt ADAC-Sprecher Maximilian Maurer.

Alle schimpfen über ständig steigende Preise. Doch kaum jemand macht sich Gedanken darüber, wie sich Sprit sparen lässt. Dabei ist das einfach. Um bis zu 30 Prozent könne jeder seinen Verbrauch senken, wenn er ein paar Faustregeln beachte, so Maurer.

Der Zentralverband des Tankstellengewerbes klagt allerdings darüber, dass die Kunden zurückhaltender geworden sind. „Die Zahl der 20-Euro-Tanker nimmt zu“, sagt Geschäftsführer Jürgen Ziegner. In diesem Jahr sei erstmals sogar der Absatz von Diesel zurückgegangen.

Auch Fliegen wird teurer

Zudem deute alles darauf hin, dass die Preise auch künftig steigen werden. In einen möglicherweise bevorstehenden Regierungswechsel setzt die Branche kaum Hoffnung: „Die Ökosteuer bleibt“, da ist sich Ziegner sicher.

Nicht nur Autofahrer spüren, dass der Ölpreis steigt. Auch Heizöl wird teurer. „Wir stellen schon seit langem fest, dass die Verbraucher sparsamer geworden sind“, sagt Eberhard Menzel, der Vorsitzende des Sächsischen Brennstoff- und Mineralölverbands. Dass die Rekordpreise mitten in die heiße Jahreszeit fallen, nütze niemandem. „Heizöl kauft man traditionell im Sommer auf Vorrat“, sagt Menzel.

Im Winter sei mit „logistischen Problemen“ zu rechnen, wegen Schnee und Glätte oder kurzfristig steigender Nachfrage. Menzels Tipp: Immer die aktuellen Ölpreise im Auge behalten (jeden Mittwoch auf der SZ-Ratgeberseite) und im günstigen Moment zuschlagen! Für die Rechnung gilt der Tag der Bestellung, nicht der Lieferung.

Auch Fliegen wird teurer. Gestern kündigten drei Fluggesellschaften an, dass sie demnächst den Kerosinzuschlag erhöhen werden: British Airways, Condor und Germanwings. Lufthansa hatte erst im April die Preise erhöht. Weitere Steigerungen sind nicht ausgeschlossen. „Aktuell ist nichts in Vorbereitung“, sagte ein Sprecher. „Aber ich kann nur von heute reden.“

Die Bahn hat im vorigen Jahr beim Personenverkehr zugelegt. „Aber ob das mit den Ölpreisen zu tun hat, weiß ich nicht“, sagt die sächsische Bahn-Sprecherin Karin Schwelgin. Letztlich sei teurer Kraftstoff auch für den Schienenverkehr ein Problem: „Ohne Energie fährt auch die Bahn nicht.“

Trend geht zum Kleinwagen

Die hohen Ölpreise gefährden in Deutschland zudem den erhofften Aufschwung in der Autobranche. Im Juni werde die Zahl der Neuzulassungen sinken, sagte Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Autowirtschaft in Gelsenkirchen. Außerdem gehe der Trend zum Kleinwagen. Davon würden vor allem ausländische Hersteller wie Peugeot oder Toyota profitieren. (mit dpa)