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Löbau

Fällt Thailand-Urlauber durch Coronaraster?

Thomas Herrgesell ist nach einer halben Weltreise zurück in Olbersdorf. Getestet wird er in Deutschland nicht, klare Ansagen fehlen ihm. Die Behörden beruhigen aber.

Thomas Herrgesell; Thailand; Corona; Langzeitflug
Thomas Herrgesell; Thailand; Corona; Langzeitflug © Thomas Herrgesell

Es sind nicht nur die satten 30 Grad Temperaturunterschied und der Tausch von tropischem Klima gegen frostiges Schneegestöber, die Thomas Herrgesell nach seinem Thailand-Urlaub diese Tage zu schaffen machen. Der Olbersdorfer hadert gewaltig mit dem deutschen Corona-Schutz und dem Handeln der Behörden. "Ich habe mir Gedanken gemacht, was ich als Rückkehrer jetzt tun muss - ich will nichts falsch machen", sagt er. Klare Ansagen, logisches Handeln hatte er in Deutschland erwartet - genau das aber hat es in seinen Augen nicht gegeben.

Doch der Reihe nach: Thomas Herrgesell und seine Freundin sind am 5. März für drei Wochen in den Thailand-Urlaub gestartet. "Zu der Zeit war Corona noch kein so großes Thema", erinnert sich Herrgesell, der sich lange auf den Urlaub gefreut hatte: vier Tage Metropole Bangkok und danach unbeschwerte Tage auf der Insel Koh Samui. Unbeschwert war der Urlaub fast bis zum Schluss. Nur in den letzten Tagen kam etwas Hektik auf: Vergangenen Mittwoch stoppte das Land die Einreise aus dem Ausland und einen Tag später wurde der Notstand ausgerufen. "Die Einschränkungen nahmen in der letzten Woche zu, Restaurants und Massagesalons schlossen", beschreibt Herrgesell. Am Rückreisetag, dem Freitag, galt dann Gesichtsmaskenpflicht.

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Enge Flugzeugsitze und keine Schutzmasken

Die Heimreise mit Qatar Airways stand aber nicht auf der Kippe und so flogen Herrgesell und seine Freundin, die in Dresden wohnt, von Koh Samui mit Zwischenstopps in Bangkok und Doha zurück nach München. An Bord waren über 300 Menschen aus aller Herren Länder, die aus verschiedenen Urlaubsregionen - von Neuseeland bis Sri Lanka - im Flieger zusammenkamen. "Mundschutz haben die Stewardessen getragen, Passagiere nur sporadisch. Abstand halten, war in den engen Reihen überhaupt nicht drin", schildert Thomas Herrgesell den 13-Stunden-Flug. "Mein Sohn, der in Bayern wohnt, hat uns schon vorgewarnt, dass wir in München sicherlich in Quarantäne müssen", erzählt der 57-jährige Olbersdorfer.

Doch es kam ganz anders: War in Thailand beim Abflug noch bei den Passagieren Fieber gemessen worden, pulsierte in Doha das Leben und in München interessierte sich niemand für die Passagiere der Maschine: "Kein Fieber messen, keine Untersuchung, keine Aufnahme von Daten und erst recht keine Quarantäne - wir konnten uns in alle Himmelsrichtungen zerstreuen", schildert Herrgesell und fragt: "Wie kann es sein, dass man vorsätzlich einen solchen potenziellen Krisenherd wie unseren Flug ignoriert?"

Viele Telefonate - wenig Antworten

Deshalb meldete er sich nach seiner Ankunft in der Oberlausitz bei den Behörden. Seine Hausärztin bekam er nach vielen Anrufversuchen am Montag ans Telefon - da hatte er sich schon von der Kassenärztlichen Vereinigung in Dresden über das Sächsische Sozialministerium bis zum Landkreis durchgeklingelt. Beim Kreis versprach ihm eine Mitarbeiterin, seine nicht alltägliche Geschichte an eine Spezialistin weiterzureichen. "Ich bat um rasche Klärung, ich wollte ja wissen, wann ich wieder zur Arbeit kann", sagt der Olbersdorfer, der bei Starke Objekteinrichtungen in Schönbach als Planer tätig ist.

Doch am frühen Nachmittag reißt ihm der Geduldsfaden, er ruft nochmals an und erntet Unverständnis. Es sei alles korrekt verlaufen, für eine amtlich angeordnete Quarantäne gebe es keinen Grund, da er aus keinem Krisengebiet gekommen sei. Er könne sich aber vorsorglich in private Quarantäne begeben. Thomas Herrgesell ist fassungslos. In seinen Augen hätten schon die Bayern am Flughafen handeln müssen.

Behörden sehen keine Fehler

Das sieht Martina Junk von der Pressestelle des Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit anders und erklärt: Erkrankte oder in Quarantäne befindliche Personen dürfen generell nicht fliegen. Wird während des Fluges ein Passagier als verdächtig eingestuft, muss das der Pilot dem Zielflughafen melden, da er ohnehin die Pflicht habe, für alle in Deutschland landenden Flüge Herkunft und Zustand der Passagiere an Bord mitzuteilen. Dann kümmern sich bei Bedarf vor Ort Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes: "Kann ein Infektionsverdacht nicht ausgeschlossen werden, trifft die Task-Force Infektiologie Flughafen des Landesamtes weitere gesundheitsbehördliche Entscheidungen", präzisiert die Sprecherin. Das sei hier nicht nötig gewesen. Diese Argumentation stützt auch der Flughafenverband ADV und fügt hinzu: "Es gibt derzeit keine Anordnung, dass alle ankommenden Fluggäste in Deutschland sich einem Gesundheitscheck unterziehen müssen", erklärt Verbandssprecherin Sabine Herling.

Dass die Passagiere nicht ihre Kontaktdaten hinterlassen mussten, sei auch korrekt, betont Martina Junk vom Bayerischen Gesundheitsamt. Das sei nur nötig, wenn die Passagiere aus einem als Corona-Risikogebiet zurückgekehrt wären. Thailand zählt nicht dazu. An diesen Regeln orientiert sich auch der Landkreis Görlitz, wie er auf Anfrage bestätigt: Wer aus einem Risikogebiet komme, müsse sich sofort nach der Ankunft beim Gesundheitsamt melden, präzisiert Kreissprecherin Julia Bjar. Reiserückkehrern aus anderen Gebieten wird eine Art "freiwillige Quarantäne" für 14 Tage empfohlen. Kontakt mit anderen Personen solle möglichst vermieden werden.

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Thomas Herrgesell wird das jetzt tun. Sein Arbeitgeber hat ihm auch aus Schutz für die Kollegen angeboten, eine weitere Woche zu Hause zu bleiben und - soweit technisch machbar - ins Homeoffice zu gehen. "Ich will jedenfalls nicht der Auslöser für Corona-Infektionen sein", sagt er.

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