merken
PLUS Freital

Tharandter Forstgarten bleibt geschlossen

Der Saisonstart wurde verschoben. Darunter leiden auch zwei Einrichtungen. Aber es gibt noch ein anderes Problem.

Kustos Ulrich Pietzarka steht am geschlossenen Tor zum Forstpark in Kurort Hartha. Der Forstbotanische Garten Tharandt musste den Saisonbeginn verschieben.
Kustos Ulrich Pietzarka steht am geschlossenen Tor zum Forstpark in Kurort Hartha. Der Forstbotanische Garten Tharandt musste den Saisonbeginn verschieben. © Thomas Morgenroth

Die Wetterprognosen versprachen einen Saisonstart nach Maß. Bei Sonnenschein und fast schon sommerlichen Temperaturen hätte am vergangenen Wochenende die alljährliche Völkerwanderung in den Forstbotanischen Garten beginnen sollen. Aber die drei Eingangstore bleiben geschlossen, auch über die Osterfeiertage und in den Ferien. Das hat es so noch nicht gegeben. Für die Anwohner, die manchmal über den Ansturm stöhnen, ist das Ausbleiben der wandernden Menschen schon ein wenig unheimlich.

Die Technische Universität Dresden befindet sich wegen der staatlichen Anordnungen im Zuge der Corona-Pandemie im Notfallbetrieb, also auch die Fachrichtung Forstwissenschaften in Tharandt. „Das bedeutet: Alle Mitarbeiter sind zu Hause, alle Gebäude geschlossen“, sagt Ulrich Pietzarka, der Kustos des Forstgartens. Selbst die Gärtner dürfen nicht arbeiten, sie übernehmen aber regelmäßige Kontrollgänge. Das sei leider nötig, sagt Pietzarka. Manch ungebetener Gast steigt einfach über den Zaun. Erst neulich fand er im Zeisigbach einen Damm vor, der den Zufluss zu dem Tümpel störte, in dem sich die Larven des Feuersalamanders entwickeln.

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

Wegen des behördlich verordneten Stillstands sind einige Arbeiten liegengeblieben, die eigentlich zur Saisoneröffnung fertig sein sollten. Etwa die Aufstellung der Bänke sowie der neuen Fahrradständer an allen Eingängen und der ebenfalls neuen Hundetoiletten. Auch die Wege seien noch nicht für die Besucher präpariert, sagt Ulrich Pietzarka. Zudem harren die neuen Hochbeete neben dem Labyrinth im alten Teil des Forstgartens der Fertigstellung. Dort sollen künftig unter anderem in einem Sumpftümpel heimische Waldbodenpflanzen gedeihen.

Der Kustos hat indes noch ganz andere andere Sorgen. „Wie in den vergangenen Jahren ist der Winter direkt in den Sommer übergegangen“, sagt er. „Es ist zu warm, und es regnet viel zu wenig.“ Wegen der Trockenheit müssen nun wohl wieder mehr Gärtner arbeiten, um die Pflanzen zu wässern – unter Beachtung des Sicherheitsabstandes. Sie sollen Sebastian Florian unterstützen, den technischen Leiter, der bislang der einzige Mitarbeiter des Forstgartens war, der regulär wie vor der Corona-Krise arbeitete. Er kümmert sich um die Baumschulen und die Neupflanzungen.

„Das können wir nicht dem Selbstlauf überlassen“, sagt Pietzarka. Er arbeitet derzeit im Homeoffice und betreut nebenher seine Zwillinge, die sonst in der 5A und 5B im Gymnasium in Tharandt lernen. Wobei er sich mit seiner Frau Katrin Pietzarka, die Ärztin ist, abwechselt. Die schulischen Aufgaben, sagt Ulrich Pietzarka, seien schon recht anspruchsvoll. „Ich bin ziemlich froh, dass endlich Ferien sind.“

Die haben die Studenten der Fachrichtung Forstwissenschaften nicht, für die trotz des Notfallbetriebs am 1. April das Sommersemester begonnen hat. Die Hörsäle aber bleiben geschlossen. Pietzarka bereitet seine Vorlesungen daher digital auf. Was für die Forstbotanik schon sehr speziell sei, sagt er. „Die Studenten sollen nun anhand von Fotos Pflanzen bestimmen, was sie sonst draußen in der Natur machen.“ Ziel aber sei es, das Semester bestmöglich und „vollumfänglich“ zu realisieren, sagt er. „Prüfungen allerdings können wir uns unter dieser Bedingungen momentan noch nicht vorstellen“, sagt er.

Wegen der Einschränkungen bleiben auch die Walderlebniswerkstatt Sylvaticon und der Forstgartenshop Bonsai geschlossen. „Es ist natürlich schade, dass wir nicht wie gewohnt in die neue Saison starten konnten, wir halten die Maßnahmen aber für sinnvoll“, sagt Claudia Bonn. Sie seien gut vorbereitet und könnten jederzeit öffnen, wenn die Beschränkungen gelockert werden. Zunächst habe sie den Online-Shop um einige Angebote erweitert. „Wir sind auch per E-Mail für unsere Kunden erreichbar“, sagt Claudia Bonn.

„Ich kann derzeit weder Seminare abhalten noch Gruppen betreuen“, sagt Karin Roscher, die Leiterin der Walderlebniswerkstatt im Schweizerhaus. Weil sie selbstständig arbeitet und nicht bei der TU angestellt ist, entgehen ihr so einige Einnahmen. Eine Schulklasse habe auch schon bis zum Sommer hin Veranstaltungen abgesagt. Immerhin aber habe sie jetzt eine Neuanmeldung für die Sommerferien bekommen. „Das stimmt mich ein wenig zuversichtlich“, sagt Karin Roscher.

Freilich weiß momentan keiner, wann die Saison 2020 im Forstbotanischen Garten beginnen wird – und ob überhaupt.

Mehr Nachrichten aus Freital lesen Sie hier. 

Täglichen kostenlosen Newsletter bestellen. 

Mehr zum Thema Freital