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Endlich wieder Theater!

Die Schauspieler des Zittauer Theaters proben wieder und treten vor Publikum auf. Normalität ist aber noch lange nicht eingekehrt, wie Maria Weber erklärt.

Maria Weber und David Thomas Pawlak freuen sich, wieder Theater spielen zu können.
Maria Weber und David Thomas Pawlak freuen sich, wieder Theater spielen zu können. © Foto: Theater

Die Zuschauer nehmen im Foyer Platz, das Licht geht aus, die Scheinwerfer richten sich auf die Protagonistin auf der Bühne. Endlich wieder Theater! Ist das schön, dachte sich Maria Weber bei der ersten Vorstellung des "kunstseidenen Mädchens". Das Stück von Irmgard Keun wurde von Martha Pohla gelesen, Schauspielkollegin Maria Weber erlebte die Vorstellung als Gast.

Seit Mitte März gab es keine Aufführungen im Zittauer Theater mehr. Doch nicht nur das Spiel auf der Bühne fiel aus, die Schauspieler waren auch angehalten, das Haus nicht zu betreten - auch dann nicht, als die ersten Lockerungen beschlossen wurden. Denn das Theater arbeitete noch an seinem Hygienekonzept.

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Dem Körper fehlt das Adrenalin, das produziert wird, wenn man vor das Publikum tritt, meint Maria Weber. Sie ist froh, dass endlich wieder geprobt und gespielt werden darf. Wobei noch längst nicht alles so wie vor der Corona-Krise ist. "Wir sind angehalten, beim Proben den Mindestabstand einzuhalten", erzählt die Zittauer Schauspielerin. "In den Momenten des Spiels, in denen man sich auch mal näher kommt, erinnert man sich schnell, etwas mehr Abstand zu halten." 

Alle, die in einer Produktion zusammenarbeiten, dürfen ohne Maske proben, erklärt Maria Weber. In den Gängen des Theaters oder beim Zusammentreffen mit anderen Kollegen müssen die Schauspieler Maske tragen. Die aktuellen Lesungen im Klosterhof - bei schlechtem Wetter ausweichend im Foyer - sind so besetzt, dass nur Kollegen zusammen lesen, die auch an einer Produktion arbeiten. Maria Weber liest beispielsweise mit Fabian Quast das Stück "Sex oder Ex" von Anthony Neilson. Die Beiden proben derzeit auch gemeinsam an einem neuen Stück. Um welches Stück es sich handelt, ist noch ein Geheimnis. Erst am 16. Juli wird im Görlitzer Theater der Spielplan der kommenden Saison vorgestellt.

Wie im Terrarium

Auch die Lesungen im Klosterhof sind anders als vor der Corona-Krise. Die Protagonisten sitzen an den Tischen hinter Plexiglasscheiben. Es sei wie in einem Terrarium, findet Maria Weber. Aber sie machen das Beste daraus.

Das Beste haben sie und ihr Mann David Thomas Pawlak, ebenfalls Schauspieler am Gerhart-Hauptmann-Theater, auch aus den theaterlosen Wochen während des Corona-Lockdowns gemacht. Als festangestellte Schauspieler hatten sie das Glück, weiterhin bezahlt zu werden. Sie waren zwar in Kurzarbeit, mussten deshalb finanzielle Einbußen hinnehmen, aber das Theater stockte den Betrag auf. "Es hat keiner gehungert, wir konnten unsere Miete bezahlen", berichtet Maria Weber. "Da wir in dieser Zeit keinen Babysitter bezahlen mussten, haben sich auch die Ausgaben etwas reduziert. So hat es sich ausgeglichen." Zittau sei ja auch nicht so teuer. "Ich will nicht in Stuttgart gelebt haben", meint sie mit Blick auf die dortigen Preise.

Sie kennt Beispiele aus dem Freundeskreis, wo die Künstler nicht so gut durch die Krise gekommen sind. Einem Freund, erzählt Maria Weber, sind die Einnahmen eines Jahres weggebrochen. Drei Engagements mit mehreren Vorstellungen fielen bei ihm aus - ohne dass sich die Theater kulant zeigten. Eine andere Freundin startete im Internet eine Spendenaktion, um wenigstens ihre Fixkosten bezahlen zu können. Auch Maria Weber hat sie unterstützt. 

Auch eine Lesung für Kinder

"Ob man im Festengagement ist oder nicht, man kann nicht viel Geld auf die Seite legen", sagt die 37-Jährige. Den Beruf des Schauspielers übe man in der Regel aus Liebe aus, meint Maria Weber. Wer viel Geld verdienen will, suche sich einen anderen Beruf.

Die Wochen zu Hause nutzte Maria Weber auch künstlerisch. So "arbeitete" sie sich durch den Roman "Ronja Räubertochter". Aus dem Kinderbuch der schwedischen Autorin Astrid Lindgren wird sie demnächst auch lesen. Es soll ein Angebot für die kleinen Theaterbesucher sein. Als sie die Idee der Zittauer Schauspielintendantin Dorotty Szalma vorstellte, sei die sofort Feuer und Flamme gewesen, sagt Maria Weber. Ursprünglich war ein Live-Hörspiel angedacht, nun wird es eine Lesung mit eingespielten Tönen sein.

Zusammen mit ihren Kollegen Marc Schützenhofer und Stephan Bestier nahm sie auch das Stück "Eine Sommernacht" per Videozoom auf. Das Stück von David Greig und Gordon McIntyre hatten Maria Weber und Marc Schützenhofer 2017 auf der Zittauer Theaterbühne gespielt, Stephan Bestier führte damals Regie. Für die jetzige "Neuinszenierung" wurde zweimal die Woche gedreht. So konnte sie wenigstens ein bisschen spielen.

Nun steht sie auch wieder auf einer Bühne - aber Normalität ist deshalb noch nicht eingekehrt. Eine ganze Weile werden die Schauspieler wohl noch darauf warten müssen.

- Maria Weber liest am 9., 18. und 26. Juli, jeweils 20 Uhr, wieder im Klosterhof das Stück "Sex oder Ex"

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- David Thomas Pawlak liest am 12. Juli, 18 Uhr, sowie 16. Juli, 20 Uhr, im Klosterhof aus "Der Kontrabass"

- "Ronja Räubertochter" wird am 11., 18. und 25. Juli, jeweils 16 Uhr, sowie am 26. Juli, um 15 Uhr, gelesen.

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